Religion Sprüche

Sprüche über Religion

530 Sprüche in dieser Kategorie

Was soll der Blumenkranz am Halse, da ich doch keinen Hals habe? Was soll der Wohlgeruch des Räucherwerks, da ich doch keine Nase habe? Was soll Gesang und Tanz dem Ohre, da ich doch keine Ohren habe? Was soll die tiefe Verbeugung zu Füßen, da ich doch keine Füße habe?

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65. Anmerkung: Der Götzendienst wird hier verspottet

Die Religion – und hier kommt vernünftige Überlegung der Geschichte zur Hilfe – ist also nur dazu da, uns in der anderen Welt das Heil zu sichern; da sie eine Angelegenheit des Glaubens ist, taugt sie nicht dazu, die Geister zu erleuchten.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.1.1755. Originaltext der Übersetzung

Die religiöse Erregung ist ihrem Wesen nach immer die Sehnsucht, das Überweltliche klarer wahrzunehmen, um es inbrünstiger fühlen zu können.

Kessler, Kunst und Religion. Die Kunst und die religiöse Menge, 1899

Jeder Versuch, auf dem Wege des Räsonnements sich der Religion zu nähern, führt zu Absurditäten.

Strindberg, Inferno, 1897. Hier zit. nach Jaspers, Strindberg und van Gogh, Springer, Berlin 1926

Die Zeit, in der man alles den Menschen durch Worte – seien es theologische oder fromme Worte – sagen könnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt.

Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, Evangelische Buchgemeinde, Stuttgart 1951. An Eberhard Bethge, 30.4.1944

Die Religiösen sprechen von Gott, wenn menschliche Erkenntnis (manchmal schon aus Denkfaulheit) zu Ende ist oder wenn menschliche Kräfte versagen – es ist eigentlich immer der deus ex machina, den sie aufmarschieren lassen, entweder zur Scheinlösung unlösbarer Probleme oder als Kraft bei menschlichem Versagen, immer also in Ausnutzung menschlicher Schwäche bzw. an den menschlichen Grenzen.

Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, Evangelische Buchgemeinde, Stuttgart 1951. An Eberhard Bethge, 30.4.1944

Bei einem unwissenden und barbarischen Volk wird sie [die Religion] zu einem Instrument aller Greuel, und dieses ist um so gefährlicher, als es der Aberglaube heiligspricht; bei einem aufgeklärten und wissenden Volk kann sie zum Quell vieler Tugenden werden.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.1.1755. Originaltext der Übersetzung

Dasselbe Übel kommt bald von Gott, der uns prüft, bald vom Teufel, der uns anficht.

Diderot, Die Nonne (La Réligieuse), 1796

Wenn man die Gefahr vor Augen sieht oder der Mensch viele Leiden hat, so nimmt er seine Zuflucht zum Gebet.

Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, Briefe

Denn was soll mir Religion, wenn sie stocken bleibt?

Arnim, Die Günderode, 1840

Mönche sind diesseits des Paradieses weder im Frieden noch im Kriege von Nutzen oder eine Zierde.

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.7.1755. Grimm zitiert Cantillon (Originalquelle unbekannt)

Seltsam, dass die Menschen so gern für ihre Religion fechten und so ungern nach ihren Vorschriften leben.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. 705

Genau dort, wo die Biologie aufhört, beginnt jede Religion.

Chesterton, Orthodoxy, 1908. Die Autorität und der Abenteurer (Authority and the Adventurer). Übers. Internet

Katechismus! Eine gelehrte Religion ist an sich verdächtig.

Hille, Gestalten und Aphorismen, in: Gesammelte Werke von Peter Hille, Band 2, hg. von seinen Freunden 1904 (posthum)

Die Religion selbst ist eben darum so tief herabgesunken, weil sie bei den meisten Menschen als ein bloß überkommenes Erbstück im Gedächtniß haftet und nicht bis ins Herz und aus dem Herzen wieder, als eine schöne Blume der individuellen Menschheit, an das Licht gedrungen ist.

Forster, Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Junius 1790, 1791. Originaltext

Der einzige echte Einwand gegen die christliche Religion lautet schlicht, dass sie eine beliebige Religion unter anderen ist.

Chesterton, Orthodoxy, 1908. Die Paradoxa des Christentums (The Paradoxes of Christianity). Übers. Internet

Was mich Euch zum Christen macht, das macht Euch mir zum Juden!

Lessing, Nathan der Weise, 1779; uraufgeführt 1783. 4. Akt, 7. Auftritt, Nathan zu einem Klosterbruder

In Gottes Namen fängt alles Unglück an.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Goldene Kirchen, hölzerne Herzen.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Wie viel hat doch der religiöse Mensch vor dem Philosophen voraus, da er mit dem Innersten der Natur in heiligen Personen menschlich verkehren kann.

Pauly, Aphorismen, 1905

Die Religionen haben ihr Dauerndes nicht bloß in der Gottesidee, sondern auch darin, dass sie in der Weltanschauung aller Zeiten den transzendenten Teil der Welt in Anerkennung erhalten, ohne welchen jede Weltanschauung falsch und seicht ist.

Pauly, Aphorismen, 1905