Religion Sprüche

Sprüche über Religion

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Eine Religion, die den Menschen finster macht, ist falsch; denn er muss Gott mit frohem Herzen und nicht aus Zwang dienen.

Kant, Über Pädagogik. Bemerkungen aus den über diesen Gegenstand bei der Universität mehrmals gehaltenen Vorträgen, hg. von D. Friedrich Theodor Rink 1803. Von der physischen Erziehung

Ihr streitet um die Religion und ist doch gar kein Streit in der Religion; es sind nur mancherlei Gaben, aber es redet nur Ein Geist.

Böhme, Von der Menschwerdung Jesu Christi (De incarnatione verbi), 1620. 13. Kapitel, 3

Ich ehre jede Konfession, sehe in jeder den Weg zum Himmel, ich möchte Frieden mit jeder; aber ich hoffe, daß einmal vielleicht die verschiedenen Wege zusammenlaufen, und zwar nicht erst im Himmel.

Gotthelf, J., Briefe

Die Religion lehrt uns jedes beliebige Unglück, das unsere menschliche Berechnung durchkreuzen möchte, von vornherein berechnen. Die Religion hat den größten und einzigen Feind des Menschen, sie hat den Zufall in Ketten geworfen.

Wedekind, Die Zensur. Theodizee in einem Akt, 1907/08. Zweite Szene, Buridan

Wenn die Leistungen der Religion in bezug auf die Beglückung der Menschen, ihre Kultureignung und ihre sittliche Beschränkung keine besseren sind, dann erhebt sich doch die Frage, ob wir ihre Notwendigkeit für die Menschheit nicht überschätzen und ob wir weise daran tun, unsere Kulturforderungen auf sie zu gründen.

Freud, Die Zukunft einer Illusion, 1927. VII. Revision der Beziehung zwischen Kultur und Religion

Die Religion ist, wie das Firmament; je mehr man es untersuchet, destomehr Sterne findet man daran; wie das Meer; je mehr man es beobachtet, destomehr scheint es unermeßlich zu seyn.

Clemens XIV., Merkwürdige Briefe des Pabstes Clemens des XIV. (Ganganelli), 1777 (posthum). Originaltext der Übersetzung

Die christliche Gemeinde dieses Orts Besteht aus Lehrern Und aus Zuhörern. Wo sind denn die Thäter des Worts?

Haug/Weisser (Hg.), Epigrammatische Anthologie, 10 Bde., 1807-1810

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreyfachen Fluch, wir weben, wir weben.

Heine, H., Gedichte. Aus: Die schlesischen Weber, 1844

Je mehr man das Weltall und seine Verbindungen damit kennt, desto vortrefflicher die Religion.

Heinse, Ardinghello und die glückseligen Inseln, 1787

Ich werde tabula rasa machen (oder es ist vielmehr schon geschehen) mit allen meinen bisherigen religiösen Vorstellungen bis ich auf dem Feuerbachschen Niveau bin.

Keller, G., Briefe. An Wilhelm Baumgartner, 28. Januar 1849

Von der Bevölkerung her ist es mehr und mehr die Kultur (im weitesten Umfang des Wortes), welche an die Stelle der Religion tritt, sobald es sich darum handelt, wer den Staat bedingen soll.

Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905 (posthum)

Was die Menschen durch ihre größten Erleuchtungen zu erkennen vermochten, das lehrt diese Religion ihre Kinder.

Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände (Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets), Erstdruck 1669/70 (posthum). Über Leidenschaft und Liebe

Sollten es nicht die guten Menschen sein, die die Religion verehren; anstatt daß die Religion die guten Menschen macht?

Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 73]

Der Deutsche hat ein Herz für die Religion, und keinen Stein will er dafür, selbst den Stein der Weisen nicht.

Menzel, Streckverse, 1823

Welches ist die Religion, die unter allen Religionen die vortrefflichste ist? Es ist Unschuld und Rechtschaffenheit.

Diez, Denkwürdigkeiten von Asien, in Künsten und Wissenschaften, Sitten, Gebräuchen und Alterthümern, Religion und Regierungsverfassung aus Handschriften und eigenen Erfahrungen gesammelt, 1811-15. Buch der Glücklichen

Es ist ja nichts so frei, nichts also ungedrungen, Als wohl der Gottesdienst; so bald er wird erzwungen, So ist er nur ein Schein, ein hohler falscher Ton; Gut von sich selber tun, das heißt Religion, Das ist Gott angenehm.

Opitz, M., Gedichte. Aus: Trostgedichte in Widerwertigkeit des Krieges

›Hat die Religion eine Zukunft?‹ So gut, wie derjenige, der so fragt, eine Zukunft hat, in der er, wie zu hoffen steht, solchen Fragestellungen entwachsen sein wird.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1912

Es empört [bei der Betrachtung von Religionskriegen], daß irgend eine Wahrheit (oder was uns dafür gilt) sich nur durch äußere Gewalt solle Bahn machen können, und daß sie, wenn diese nicht genügt, unterdrückt wird.

Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905 (posthum)

Man lässt die Religion den Fanatismus und die Heuchelei entgelten, aber diese liegen in der menschlichen Natur selbst; die Freiheit hat auch beides und es ist einerlei, ob der Vorwand, Menschen zu morden, mit der Firma "Ungläubige" oder "Aristokraten" gerechtfertigt werden soll.

Ludwig (Hg.), Gedanken Otto Ludwigs. Aus seinem Nachlaß ausgewählt und hg. von Cordelia Ludwig, Leipzig 1903

Nichts ist für eine Religion oder für ein System unheilvoller, als vom Gendarmen beschützt zu werden.

Stendhal, Aphorismen aus Stendhal. Ueber Schönheit, Kunst und Kultur. Ausgezogen und in deutscher Uebersetzung zusammengestellt von Benno Rüttenauer, Straßburg 1901

In der Gegenwart, wo es keine ausschließliche Nationalreligion mehr gibt noch geben kann, muss man alle Kulte dulden, die die anderen dulden, solange ihre Dogmen den staatsbürgerlichen Pflichten nicht widerstreiten.

Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du Contrat social ou Principes du droit politique), entstanden 1754-58, Erstdruck 1762. 8. Die bürgerliche Religion