Schicksal Sprüche – sinn

118 Sprüche gefunden

Aktive Filter: Schicksal sinn

Sein Schicksal kann keinem entgehen, sollte man sagen, nicht seinem Schicksal kann keiner entgehen; denn nicht das Schicksal fängt den Menschen; der Mensch jagt nach seinem Schicksal.

Ludwig (Hg.), Gedanken Otto Ludwigs. Aus seinem Nachlaß ausgewählt und hg. von Cordelia Ludwig, Leipzig 1903

Die Formel eines solchen, für alle Zeiten wesentlichen Menschen ist: was geschieht, geht ihn zutiefst an. Er nimmt nicht nur teil an dem, was geschieht: ob er es verdammen muß oder nicht, er bekennt sich zu dem, was geschieht: ob er es bekämpfen oder von Mitleid geschüttelt beklagen muß, er ist zu sehr aus dem Stoff der Zeit, des Lebens geschaffen, und wenn es nur das Närrische ist, was ihn an dem Geschehen reizt, er wird nicht die Zähne blecken wie ein zynischer Wolf, sondern lachen, wirklich, aus voller Kehle dazu lachen.

Holitscher, A., Essays. Frans Masereel

Die Vorsehung ist auch weltklug und heult mit den Wölfen wie der schlaueste Mensch. Sobald aber ihr Wille reif geworden, wirft sie die Maske ab.

Börne, Aphorismen und Miszellen, 1828/32. [29]

Nur in ersten Jugendjahren scheint Zufall noch mit Schicksal identisch. Später weiß man, daß die eigentliche Bahn von innen bestimmt war; wie kraus und sinnlos unser Weg von unseren Wünschen abzuweichen scheint, immer führt er uns doch schließlich zu unserem unsichtbaren Ziel.

Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, entstanden im Exil 1939-41, Stockholm 1942 (posthum)

Es wäre die Hauptaufgabe der Philosophie, die Mittel aufzudecken, deren sich das Schicksal zur Erreichung seiner Zwecke bedient. Dann müßte sie diesem unglückseligen zweifüßigen Wesen Verhaltungsmaßregeln für seinen dornenvollen Lebensweg aufzeichnen, damit es nicht von den bizarren Launen dieses Schicksals abhängig sei.

Sade, Die Geschichte der Justine oder Die Nachteile der Tugend (Justine ou les malheurs de la vertue), 1791

Je mehr Macht er [der Mensch] dem Schicksal beimißt, desto mehr beraubt er sich selber jener Macht, die Gott ihm verlieh, indem er ihn mit Vernunft begabte.

Casanova, Die Erinnerungen des Giacomo Casanova (Histoire de ma vie, 1793-98), übersetzt von Heinrich Conrad, 6 Bde., 1911. 1. Band, Vorrede

Das Leben bildet eine Oberfläche, die so tut, als ob sie so sein müßte, wie sie ist, aber unter ihrer Haut treiben und drängen die Dinge.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Unser Wille mag noch so rein sein, wir thun alles, was wir können, der Himmel selbst scheint uns zu winken, und es wird doch nichts draus. Das ist der unerforschliche Organismus jener höheren Sphärenkreise, in die unser Auge vergebens zu dringen sucht.

Alexis, Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, 1852

Was mit mir das Schicksal gewollt? Es wäre verwegen, Das zu fragen; denn meist will es mit vielen nicht viel. Einen Dichter zu bilden, die Absicht wär ihm gelungen, Hätte die Sprache sich nicht unüberwindlich gezeigt.

Goethe, J. W., Gedichte. Epigramme. Venedig 1790

Das Schicksal ist ganz einem Buchhändler gleich, Papier sind die Menschen – sein s' arm oder reich; Sie sind leere Blätter bei ihrem Entstehn, 's ist anfangs die Farb' nur der Unschuld zu sehn; Die erste Erziehung ist das Manuskript, Die schon dem Papiere Bedeutsamkeit gibt, Dann kommt es zum Buchhändler Schicksal ins Haus, Sein Druck macht erst fertige Bücher daraus. Die geistreichsten Menschen gehn oft so herum, Kein Mensch auf der Welt aber kümmert sich drum, So gibt es auch Schriften, die sehr geistreich sind, Wozu grad' deshalb kein Verleger sich find't; Das dümmste Zeug prachtvoll oft aufgelegt wird; Im Franzband, mit Goldschnitt dazu noch verziert, So auch mancher Mensch, des Verstandes ganz bar, Steigt herum illustriert als ein Prachtexemplar.

Kaiser, Die Schule des Armen, o. J. [1847/48]. Erster Akt, erste Szene, Christoph, Entree-Lied

Wenn auch das meiste oder gar alles von ungefähr, blindlings und zufällig geschehen würde – würde dann etwas auf andere Weise geschehen, als es jetzt geschieht?

Cicero, Über das Schicksal (De fato), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: [Si] forte, temere, casu aut pleraque fierent aut omnia, num aliter, ac nunc eveniunt, evenirent?

Was ein Gott beabsichtigt, sollst du nicht durch Orakel erforschen: Welches Urteil er über dich fällt, entscheidet er ohne dein Zutun.

Pseudo-Cato, Disticha Catonis. 2.12. Übers. Internet Originaltext: Quid deus intendat, noli perquirere sorte: quid statuat de te, sine te deliberat ille

Unser Schicksal – die ganze Welt. Darum geht es auch nie um den Einzelnen.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927