Seele Sprüche

Sprüche über Seele

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Mondschein. So seltsam scheint mir deine Seele, wie ein Park, durch den ein Zug von Masken flimmert, doch Tanz und ihrer Lauten Melodie verbirgt nur Schmerz, der durch die Masken schimmert. Von Liebe singen sie, bespöttelnd ihr Geschick, doch Mollklang macht das lose Klimpern trüber, es scheint, sie glauben selbst nicht an ihr Glück, und leise rinnt ihr Lied in Mondschein über, in Mondschein, der, sanfttraurig, blass und blank die Vögel träumen lässt hoch in den Bäumen und schluchzen die Fontänen, dass sie schlank und schauernd in die Marmorschalen schäumen.

Zweig (Hg.), Gedichte von Paul Verlaine. Eine Anthologie der besten Übertragungen, hg. von Stefan Zweig 1902. Übers. von Stefan Zweig

Seele und Leib sind nichtDinge, sondernVorgänge.

Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlaß, unter Mitwirkung von Manfred Schröter hg. von Anton Mirko Koktanek, C. H. Beck 1965

Die Existenz der Seele ist ferner deshalb notwendig, weil es einen Regierer (adhiṣṭhâtṛ) geben muß. Wie der ungeistige Wagen von dem mit Intelligenz begabten Lenker geleitet wird, so muß die gesamte ungeistige Materie von einem geistigen Prinzip regiert werden. […]

Garbe, Die Sâmkhya-Philosophie, 1894. Die Lehre von der Seele

Man macht sich selten klar, in welchem Umfang unsere Vorstellungen von den seelischen Prozessen bloß symbolische Bedeutung besitzen.

Simmel, Philosophie des Geldes, 1900. Synthetischer Teil. 6. Der Stil des Lebens. III.

Das menschliche Seelenleben ist kein Sein, sondern ein Werden.

Adler, Die Technik der Individualpsychologie. 2. Teil: Die Seele des schwererziehbaren Schulkindes, 1930

Gradgewachsene Seelenkrüppel.

Waser, Wir Narren von gestern, 1922

Weder Seele noch Gehirn der Menschen haben in historischen Zeiten erweislich zugenommen, die Fähigkeiten jedenfalls waren längst komplett.

Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905 (posthum)

Arnheim hatte unterdessen mitgeteilt, dass sich die Welt seit zwei Menschenaltern in der größten Umwälzung befinde: die Seele gehe zu Ende. … Die Seele sei schon seit dem Zerfall der Kirche, also ungefähr im Beginn der bürgerlichen Kultur, in einen Prozess der Einschrumpfung und Alterung geraten.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Die Geschichte der Seele ist keine Naturgeschichte: ihr Anfang, ihre Mitte und ihr Ausgang ist nur im Reiche der Freiheit, d.h. des Geistes, zu suchen.

Heinroth, Die Psychologie als Selbsterkenntnißlehre, 1827

Die reine Seele Die reine Seele, dieses tote Gold, das blinkend in der weiten Wüste liegt und das sein Herr verehrungsvoll umkriecht, indes sein leerer Magen knurrt und grollt, daß er den Klumpen nicht zu Markte bringt und feilschend ihn zu Wein und Datteln macht und ihn in einer roten Haremsnacht verpraßt – nun liegt sie da und gleißt und blinkt voll Arroganz und heiliger Begier, die reine Seele – in den Dreck mit ihr!

Sack, Gedichte. Die drei Reiter, in: Gesammelte Werke, Band 2, posthum hg. von Paula Sack, Berlin 1920

Meine Seele ist so fremd Meine Seele ist so fremd allem, was als Welt sich preist, allem, was das Leben heißt. Meine Seele ist so rein – keine Scham ist ihr zu eigen. – Nackend steht sie, ohne Hemd abseits eurem Lebensreigen. – Darum nennt ihr sie gemein. Meine Seele weiß es kaum, daß ihr schmähend sie verflucht; – sie tut keiner andern wehe; – ihren fernen, fremden Traum stört nicht einmal eure Nähe! – – Meine Seele sucht. – Sie sucht.

Mühsam, E., Gedichte. Sammlung 1898-1928. Erster Teil: Verse. Erstdruck in: Die Wüste, Gedichte von Erich Mühsam, Berlin 1904

Der Inhalt der Seele gleicht nicht der Perlenschnur des indischen Märchens, sondern dem immer wieder nach denselben Gesetzen sich zusammenschließenden Kristall; bekanntlich gibt es ja auch flüssige Kristalle.

Kessler, Nationalität, in: Die Zukunft, hg. von Maximilian Harden, Berlin, Jg. 14, Heft 27, 7. April 1906

Das Maß der Dinge Allesist, wenn du liebst! Dein Freund wird Sokrates, wenn du's ihm gibst. Herz, Herz, wie bist du schöpferisch! Du schwebst! Die Erde wird himmlisch. Einst kamst du, ein Kind, zu grünem Waldweiher. Sahst schaudernd den geheimnisvollen Algen-Schleier. Du streicheltest der Weidenkatzen tierisch-süßen Samt – Wie tiefsinns-selig bebte deine Knabenhand! In deinem Aufschwung, Mensch, wird alles groß! In deinem Abschwung alles hoffnungslos! Und nur die Seele, die sich liebend selbst vergaß, Ist aller Dinge Maß und Übermaß.

Werfel, F., Gedichte. In: Das lyrische Werk, S. Fischer 1967

Das erste und heftigste Verlangen der Seele, welches sie nie verläßt, ist Neuheit, und dann Durchschauung, und endlich Vollkommenheit oder Zerstörung der Dinge.

Heinse, Aus Briefen, Werken, Tagebüchern, hg. von Richard Benz, Stuttgart 1958. IV. Das Spiel des Wesens

Es ist ein gewöhnlicher Gedanke, den man gerade deshalb leicht vergißt, daß tagtäglich die fühlenden Seelen immer seltener und die Verstandesmenschen immer häufiger werden.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822. Drittes Buch. Aphorismen, 161.

Die Seele der Menschen wird von drei erhabenen Liebesempfindungen beherrscht: von der Liebe zu dem, was lieblich ist an den Geschöpfen, von dem, was lieblich ist an den Dingen und von dem, was lieblich ist am guten Ruf.

Ruskin, Aphorismen zur Lebensweisheit. Eine Gedankenlese aus den Werken des John Ruskin. Aus dem Englischen übersetzt und zusammengestellt von Jakob Feis, J. H. Ed Heitz (Heitz und Mündel), Straßburg o.J. [1901]

Die verirrte Seele Verirrt zu dir ist meine Seele, Und weiß doch, daß sie nur verirrt, Wie eine fortgewehte Blüthe, Und ewig fremd dir im Gemüthe, Umsonst die Heimat suchen wird. Vergeblich, daß ich mir verhehle, Wie du nicht ahnst, was um dich ringt! Kein Hoffen täuscht das stille Bangen, Und doch verstummt nicht das Verlangen, Das keinen Frieden je mir bringt. Sie fragen quälend, was mir fehle? Der Tag ist blau, die Biene schwirrt: Bin nicht daheim, bin nicht im Leben, Seit ich die Seele hingegeben, Die willenlos zu dir verirrt!

Roquette, O., Gedichte. Dritte Auflage, 1880. Lieder in allerlei Tönen. Originaltext

Meine Seele Meine Seele schläft vor dir; Weck' sie nicht mit rauhem Schrei'n. Von dem deinen nie begehrt, Schlief mein Wesen ein. Wie ein dunkler Fittich schwebt Über ihr dein kalter Hohn – Und doch lacht sie, – denn sie träumt, Träumt vom Glück so lange schon. Kling, kling, es zittern die Saiten Wieder vom Lebensspiel. Sie klingen und klagen noch immer, Immer das alte Lied. Das Lied von Liebe und Sehnsucht, Von ungelebter Lust, Das meine gefrorene Seele Belauscht in erstarrter Brust. Ihr ungeküssten Lippen, Euch schloss keine Liebe zu; Noch immer verlangend geöffnet, Küsst nur ein Traum euch wund. Im Traum nur, ihr suchenden Hände, Umschliessen euch Finger warm, Im Traum nur halt' ich die Liebe, Das jauchzende Glück im Arm. Du hast dein Leben gelebt, Ich hab's geträumt. Dir hat das Herz in Stürmen gebebt, In Wonnen die Lippe geschäumt. Dich trägt dein Gott auf zur Höh', Vom Festmahl des Lebens einst müde und satt, Wenn Winde mich wehen in Grabesnäh', Vom Baume des Lebens ein welkendes Blatt

Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, 1905

Vogelstraußpolitik ist nicht immer ganz vom Übel. Ich erfahre es oft in den Kämpfen meiner Seele, in denen ich zugrunde gehen müsste, wenn ich nicht einen vorübergehenden Frieden auf Vogelstraußmanier mitunter erzwänge.

Hauptmann, Das gesammelte Werk [Ausgabe letzter Hand zum 80. Geburtstag des Dichters, 15. November 1942], Berlin 1943. 17. Band. Einsichten und Ausblicke. Aphorismen. Zuerst erschienen 1942

Jeder Zustand der menschlichen Seele hat irgendeine Parabel in der physischen Schöpfung, wodurch er bezeichnet wird, und nicht allein Künstler und Dichter, auch selbst die abstraktesten Denker haben aus diesem reichen Magazine geschöpft.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Theosophie des Julius. Die Welt und das denkende Wesen

Wenn die Seele in sich selbst leer und in sich geschlossen ist, ja, wenn das eigene, geräuschvolle Ich ganz fort ist, dann ist Raum und Stille, dass anderes Platz finden und sich vernehmbar machen kann.

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