Seele Sprüche
Sprüche über Seele
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Der erhabene Charakter kann sich nur in einzelnen Siegen über den Widerstand der Sinne, nur in gewissen Momenten des Schwunges und einer augenblicklichen Anstrengung kundtun; in der schönen Seele hingegen wirkt das Ideal als Natur, also gleichförmig, und kann mithin auch in einem Zustand der Ruhe sich zeigen. Das tiefe Meer erscheint am erhabensten in seiner Bewegung, der klare Bach am schönsten in seinem ruhigen Lauf.
Wir sehen im täglichen Leben oft, daß die Menschen ein verschieden langes inneres Leben führen. Der eine lebt äußerlich achtzig oder neunzig Jahre, und auch seine Seele bildet sich immer weiter; der andere lebt äußerlich ebensolange, aber seine Seele ist mit fünfzig, mit dreißig, mit fünfzehn, mit zehn Jahren stehengeblieben; nur Erfahrung, Ausdrucksweise und äußere Umgangsformen sind dem Alter seines Leibes entsprechend.
In den Kampf Seele, sieh', es keimt der Tag; Was verhüllt im Dunkeln lag, Alles hebt sich aus der Nacht, Was dich wieder kämpfen macht, Was dich wieder mit der Welt In der Zweifel Fragen stellt: Wirst du heute dich befrei'n, Oder ihr Gefang'ner sein? Tröste dich und warte nur, Alles findet seine Spur, Hält uns nur den Glauben jung Irrtum und Begeisterung.
Das Spiel der Welt 1. Dialog: Die Seele sprach zur Welt: Du machst dich viel zu wichtig. Dein Spiel ist ohne mich im Grunde null und nichtig. Zur Seele sprach die Welt: Das ist im Grunde richtig. Das Spiel machst du, nicht ich; drum ist es gründlich nichtig. 2. Moral: Die Seele macht sich gern mit ihrer Welt zu wichtig; Weltseele muß man sein, dann macht man Alles richtig. 3. Kritik: Das ist ein schlechter Spaß; du hältst die Welt zum Narren und rätst ihr obendrein zu deinem eignen Sparren. 4. Antikritik: Das ist kein schlechter Spaß, ich hab gar gut erfahren: wo Weisheit ratlos steht, ist Narrheit flugs im Klaren. 5. Supermoral: Die Seele mahnt sich stets: sei endlich ganz und tüchtig! so bleibt sie ewig halb weltsüchtig, halb weltflüchtig.
Im Schmuck des Lenzes stehn die Aun, Es trieft die Welt von Maienlust Und Sträuße winden holde Fraun Und Mädchen sich aus Blatt und Blust. Und auch in meiner Brust erstehn Viel tausend Blumen mannigfach; Sie blühen, duften und vergehn … Und keine Seele fragt darnach.
Denker und Dichter Die Weisheit ist wie rotes Gold, Das in der Berge Adern rollt; Das Lied ist wie der Sonnenschein, Von oben fließt's in's Herz hinein! In Schutt und Stein verborgen ruht Der Weisheit Schatz, das goldne Gut; In Himmelsfernen, morgenhell, Entspringt der frische Liederquell. Der ernste Denker sitzt und sinnt Daß er der Weisheit Schatz gewinnt; Der Sänger auf zum Himmel sieht, Und sieh, der Seele blüht ein Lied.
Liebesnot Mir ist, als wär' mein Herz ein Quell, Doch eine Quelle ohne Spiegel, Und eine Blume ohne Duft, Ein Adler mit gebrochnem Flügel. Ich suche düster, was mir fehlt, Und fühl', daß ich mir selber fehle. Was nahmst du aus der Seele mir? Du nahmst sie selber mir, die Seele!
Warum muß ich so unaufhörlich unter mir und anderen leiden! Meine Seele ist fortwährend das Spiel über sie hinziehender Schatten.
Seele ist rollendes Wagenrad – Vernünftigkeit wie Wagenschmiere. Wehe dem, der beide verwechselt; er richtet nur Unheil an.
Leib und Seele Des herrlichsten Leibes Schimmer Verblaßt wie im Herbste das Laub, Doch Seelenadel fällt nimmer Dem Leid und dem Alter zum Raub.
Vergeßt euer zufälliges irdisches Selbst, euer Selbst, das ohnehin zugrunde gehen muß durch Hunger und Krankheit, durch Verzweiflung und Aufruhr; denkt an euer ewiges, himmlisches Selbst, an eure Seele.
Es ist eine ausgemachte und erwiesene Wahrheit, daß die Seele, wenn sie vom Körper entbunden ist, weit mächtiger und freier wirkt und weit erhöhtere Kräfte hat, als wenn sie in ihn eingekerkert ist.
Sich selbst und ihren Frieden kann die Seele nur in einem Reiche finden, dessen Herr sie nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen sucht.
Seelen Du weißt, wir bleiben einsam: Du und ich, Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht, Mit freien Kronen, die der Seewind küßt … So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei. Doch zwischen beiden webt ein feines Licht Und Silberduft, der in den Zweigen spielt, Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin …
Was unsere Seele durch Kunst und Wissenschaft gewinnt, verliert sie in dem Schnürleib der Convention und des Glaubens.
Innerhalb der Natur steht alles, was eine Seele hat, miteinander, und in entsprechend modifizierter Weise auch mit allem Unbeseelten, in einer ursprünglichen Verbindung.
Es ist das selige Bangen, Es ist das müde Umfangen, Der Schauer im dämmernden Wald, Der Winde schmeichelnd Umschlingen, Wann vom grauen Gezweige das Singen Der kleinen Stimmen erschallt. O dies zarte Zirpen und Girren, Dies junge Gezwitscher und Schwirren, Klingt hold wie Gräser im Wind, Als ob über blanken Kieseln Mit heimlichem Rauschen und Rieseln Das murmelnde Wasser verrinnt. Die Seele, die lebt im Zagen Der leise schlummernden Klagen, Ist es die unsere? sag! Die meine ja und die deine, Die so mit stillem Geweine Verhaucht im scheidenden Tag.
An diesem entsetzlichen Gefühl eines blinden, abgeschnittenen Raums hinter allem Ausgefüllten, an dieser Hälfte, die immer noch fehlt, wenn auch alles schon ein Ganzes ist, bemerkt man schließlich das, was man die Seele nennt.
Und meine Seele Und meine Seele Trat vor mich hin In kotbesudeltem Purpurgewande Und sah mich an, Todestraurig, Mit schwimmenden Augen ... Und klagend klangen die Worte: Siegt die Gemeinheit? Siegt die Not des Daseins? Muss ich sterben? Und ich nickte, Langsam, Wortlos-ergeben, Dreimal.