Seele Sprüche – gedanken

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Sonett der Seele Willensdrang von tausend Wesen Wogt in uns vereint verklärt: Feuer loht und Rebe gärt Und sie locken uns zum Bösen. Tiergewalten, kampfbewährt, Herrengaben, auserlesen, Eignen uns und wir verwesen Einer Welt ererbten Wert. Wenn wir unsrer Seele lauschen, Hören wir's wie Eisen klirren, Rätselhafte Quellen rauschen, Stille Vögelflüge schwirren ... Und wir fühlen uns verwandt Weltenkräften unerkannt.

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Fragt schöne Seelen aus Gewissen, Zu welcher Wahl sie sich entschließen: Gebrochen Bein? Gebrochen Herz? – Sie wählen sicher den Seelenschmerz.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Der erhabene Charakter kann sich nur in einzelnen Siegen über den Widerstand der Sinne, nur in gewissen Momenten des Schwunges und einer augenblicklichen Anstrengung kundtun; in der schönen Seele hingegen wirkt das Ideal als Natur, also gleichförmig, und kann mithin auch in einem Zustand der Ruhe sich zeigen. Das tiefe Meer erscheint am erhabensten in seiner Bewegung, der klare Bach am schönsten in seinem ruhigen Lauf.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Über naive und sentimentalische Dichtung 1795/1796

Denker und Dichter Die Weisheit ist wie rotes Gold, Das in der Berge Adern rollt; Das Lied ist wie der Sonnenschein, Von oben fließt's in's Herz hinein! In Schutt und Stein verborgen ruht Der Weisheit Schatz, das goldne Gut; In Himmelsfernen, morgenhell, Entspringt der frische Liederquell. Der ernste Denker sitzt und sinnt Daß er der Weisheit Schatz gewinnt; Der Sänger auf zum Himmel sieht, Und sieh, der Seele blüht ein Lied.

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Seele ist rollendes Wagenrad – Vernünftigkeit wie Wagenschmiere. Wehe dem, der beide verwechselt; er richtet nur Unheil an.

Langbehn, Der Geist des Ganzen, posthum hg. von B. M. Nissen 1930

Sich selbst und ihren Frieden kann die Seele nur in einem Reiche finden, dessen Herr sie nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen sucht.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

Man macht sich selten klar, in welchem Umfang unsere Vorstellungen von den seelischen Prozessen bloß symbolische Bedeutung besitzen.

Simmel, Philosophie des Geldes, 1900. Synthetischer Teil. 6. Der Stil des Lebens. III.

Die reine Seele Die reine Seele, dieses tote Gold, das blinkend in der weiten Wüste liegt und das sein Herr verehrungsvoll umkriecht, indes sein leerer Magen knurrt und grollt, daß er den Klumpen nicht zu Markte bringt und feilschend ihn zu Wein und Datteln macht und ihn in einer roten Haremsnacht verpraßt – nun liegt sie da und gleißt und blinkt voll Arroganz und heiliger Begier, die reine Seele – in den Dreck mit ihr!

Sack, Gedichte. Die drei Reiter, in: Gesammelte Werke, Band 2, posthum hg. von Paula Sack, Berlin 1920

Meine Seele ist so fremd Meine Seele ist so fremd allem, was als Welt sich preist, allem, was das Leben heißt. Meine Seele ist so rein – keine Scham ist ihr zu eigen. – Nackend steht sie, ohne Hemd abseits eurem Lebensreigen. – Darum nennt ihr sie gemein. Meine Seele weiß es kaum, daß ihr schmähend sie verflucht; – sie tut keiner andern wehe; – ihren fernen, fremden Traum stört nicht einmal eure Nähe! – – Meine Seele sucht. – Sie sucht.

Mühsam, E., Gedichte. Sammlung 1898-1928. Erster Teil: Verse. Erstdruck in: Die Wüste, Gedichte von Erich Mühsam, Berlin 1904

Der Inhalt der Seele gleicht nicht der Perlenschnur des indischen Märchens, sondern dem immer wieder nach denselben Gesetzen sich zusammenschließenden Kristall; bekanntlich gibt es ja auch flüssige Kristalle.

Kessler, Nationalität, in: Die Zukunft, hg. von Maximilian Harden, Berlin, Jg. 14, Heft 27, 7. April 1906

Es ist ein gewöhnlicher Gedanke, den man gerade deshalb leicht vergißt, daß tagtäglich die fühlenden Seelen immer seltener und die Verstandesmenschen immer häufiger werden.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822. Drittes Buch. Aphorismen, 161.

Jeder Zustand der menschlichen Seele hat irgendeine Parabel in der physischen Schöpfung, wodurch er bezeichnet wird, und nicht allein Künstler und Dichter, auch selbst die abstraktesten Denker haben aus diesem reichen Magazine geschöpft.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Theosophie des Julius. Die Welt und das denkende Wesen

Wenn die Seele in sich selbst leer und in sich geschlossen ist, ja, wenn das eigene, geräuschvolle Ich ganz fort ist, dann ist Raum und Stille, dass anderes Platz finden und sich vernehmbar machen kann.

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Die Schönheit der Seele bringt auch in einen ungestalteten Körper Reize; so wie ihre Häßlichkeit dem vortrefflichsten Baue und den schönsten Gliedern desselben, ich weiß nicht was eindrückt, das einen unzuerklärenden Verdruß erwecket.

Lessing, Der Freigeist, entstanden 1749, Erstdruck 1755. Zweiter Aufzug, erster Auftritt, Juliane

Täglich treiben uns die Stürme der Seele um.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 88. Brief. Übers. Internet Originaltext: Tempestates nos animi cotidie iactant.

Die Seele aber ist in zwei Teile geteilt, von denen der eine Anteil an der Vernunft hat, der andere hingegen nicht.

Cicero, Gespräche in Tusculum (Tusculanae disputationes), 45 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Est enim animus in partis tributus duas, quarum altera rationis est particeps, altera expers.

Die Seele ist ein einfaches Wesen, welches unendlicher Vorstellungen fähig ist.

Lessing, Daß mehr als fünf Sinne für den Menschen sein können, entstanden vermutlich Ende der 70er Jahre, Erstdruck 1795

"Sich sammeln." Woher stammt das Wort? Es gibt das Bild der zusammengesetzten Wesenheit der Seele.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Lassen wir doch unsere Seele schön sein! Es bedarf dazu eines einzigen: des Gehorsams gegen das Gewissen.

Seemann, Funken, 1940

Unser Seelenzustand gleicht den Bergspitzen, die als Inseln aus dem dunklen Meere hervorragen.

Lüttwitz, Wo ist das Glück? Aphorismen, 1911

Aus den Augen der Menschen blickt zuweilen ein gequältes Tier, das nicht reden kann.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914