Seele Sprüche – sinn

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Vergeßt euer zufälliges irdisches Selbst, euer Selbst, das ohnehin zugrunde gehen muß durch Hunger und Krankheit, durch Verzweiflung und Aufruhr; denkt an euer ewiges, himmlisches Selbst, an eure Seele.

Ernst, Grundlagen der neuen Gesellschaft, 1929

Sich selbst und ihren Frieden kann die Seele nur in einem Reiche finden, dessen Herr sie nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen sucht.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

Was unsere Seele durch Kunst und Wissenschaft gewinnt, verliert sie in dem Schnürleib der Convention und des Glaubens.

Glaßbrenner, Komischer Volkskalender für 1849. Gähnereien eines Blashirten

Innerhalb der Natur steht alles, was eine Seele hat, miteinander, und in entsprechend modifizierter Weise auch mit allem Unbeseelten, in einer ursprünglichen Verbindung.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

An diesem entsetzlichen Gefühl eines blinden, abgeschnittenen Raums hinter allem Ausgefüllten, an dieser Hälfte, die immer noch fehlt, wenn auch alles schon ein Ganzes ist, bemerkt man schließlich das, was man die Seele nennt.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Und meine Seele Und meine Seele Trat vor mich hin In kotbesudeltem Purpurgewande Und sah mich an, Todestraurig, Mit schwimmenden Augen ... Und klagend klangen die Worte: Siegt die Gemeinheit? Siegt die Not des Daseins? Muss ich sterben? Und ich nickte, Langsam, Wortlos-ergeben, Dreimal.

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Seele und Leib sind nichtDinge, sondernVorgänge.

Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlaß, unter Mitwirkung von Manfred Schröter hg. von Anton Mirko Koktanek, C. H. Beck 1965

Die Existenz der Seele ist ferner deshalb notwendig, weil es einen Regierer (adhiṣṭhâtṛ) geben muß. Wie der ungeistige Wagen von dem mit Intelligenz begabten Lenker geleitet wird, so muß die gesamte ungeistige Materie von einem geistigen Prinzip regiert werden. […]

Garbe, Die Sâmkhya-Philosophie, 1894. Die Lehre von der Seele

Das menschliche Seelenleben ist kein Sein, sondern ein Werden.

Adler, Die Technik der Individualpsychologie. 2. Teil: Die Seele des schwererziehbaren Schulkindes, 1930

Die Geschichte der Seele ist keine Naturgeschichte: ihr Anfang, ihre Mitte und ihr Ausgang ist nur im Reiche der Freiheit, d.h. des Geistes, zu suchen.

Heinroth, Die Psychologie als Selbsterkenntnißlehre, 1827

Der Inhalt der Seele gleicht nicht der Perlenschnur des indischen Märchens, sondern dem immer wieder nach denselben Gesetzen sich zusammenschließenden Kristall; bekanntlich gibt es ja auch flüssige Kristalle.

Kessler, Nationalität, in: Die Zukunft, hg. von Maximilian Harden, Berlin, Jg. 14, Heft 27, 7. April 1906

Meine Seele Meine Seele schläft vor dir; Weck' sie nicht mit rauhem Schrei'n. Von dem deinen nie begehrt, Schlief mein Wesen ein. Wie ein dunkler Fittich schwebt Über ihr dein kalter Hohn – Und doch lacht sie, – denn sie träumt, Träumt vom Glück so lange schon. Kling, kling, es zittern die Saiten Wieder vom Lebensspiel. Sie klingen und klagen noch immer, Immer das alte Lied. Das Lied von Liebe und Sehnsucht, Von ungelebter Lust, Das meine gefrorene Seele Belauscht in erstarrter Brust. Ihr ungeküssten Lippen, Euch schloss keine Liebe zu; Noch immer verlangend geöffnet, Küsst nur ein Traum euch wund. Im Traum nur, ihr suchenden Hände, Umschliessen euch Finger warm, Im Traum nur halt' ich die Liebe, Das jauchzende Glück im Arm. Du hast dein Leben gelebt, Ich hab's geträumt. Dir hat das Herz in Stürmen gebebt, In Wonnen die Lippe geschäumt. Dich trägt dein Gott auf zur Höh', Vom Festmahl des Lebens einst müde und satt, Wenn Winde mich wehen in Grabesnäh', Vom Baume des Lebens ein welkendes Blatt

Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, 1905

Jeder Zustand der menschlichen Seele hat irgendeine Parabel in der physischen Schöpfung, wodurch er bezeichnet wird, und nicht allein Künstler und Dichter, auch selbst die abstraktesten Denker haben aus diesem reichen Magazine geschöpft.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Theosophie des Julius. Die Welt und das denkende Wesen

Eine edle Seele adelt alles, was sie ist, und was sie thut; den Gebrauch des Reichthums und das Ertragen des Mangels.

La Roche, Rosaliens Briefe an ihre Freundin Mariane von St**, anonymer Erstdruck 1779-81. 63. Brief. Originale Rechtschreibung

Eine Erhebung der Seele aber, die sich in Gefahren und Mühen zeigt, zählt zu den Lastern, wenn sie frei von Gerechtigkeit ist und nicht für das allgemeine Wohl, sondern nur für das eigene kämpft.

Cicero, Von den Pflichten (De officiis), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Sed ea animi elatio, quae cernitur in periculis et laboribus, si iustitia vacat pugnatque non pro salute communi, sed pro suis commodis, in vitio est

Die Seele aber ist in zwei Teile geteilt, von denen der eine Anteil an der Vernunft hat, der andere hingegen nicht.

Cicero, Gespräche in Tusculum (Tusculanae disputationes), 45 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Est enim animus in partis tributus duas, quarum altera rationis est particeps, altera expers.

Jedes Stäubchen der Materie kann einer Seele zu einem Sinn dienen. Das ist, die ganze materielle Welt ist bis in ihre kleinsten Teile beseelt.

Lessing, Daß mehr als fünf Sinne für den Menschen sein können, entstanden vermutlich Ende der 70er Jahre, Erstdruck 1795

Der Tod zertrümmert Gefäße. Was schiert das den Inhalt?

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Wie der Gott, so die Seele; wie der Himmel, so das Meer.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Wo die Wesenlosen lärmen, schweigt das Leben.

Steinmüller, Die Rhapsodien des Lebens, o.J. (um 1920)

Der Mensch lebt einzig von seiner Seele, sie ist seine Nahrung, seine Heimat, seine Kraft.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929