Seele Sprüche – sinn

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Unser Lebendiges das ist die Seele – sie ist Leben, und nimmer hat der Tod Macht über sie.

Baer, Jahresgedanken einer Frau, 1921

Die Seele des Menschen ist eine Leuchte Gottes.

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Einen Arzt hörte ich sagen: die Seele ist ein Papier, das keinen Kurswert hat.

Goncourt, Ideen und Impressionen (Idées et sensations), 1866 (dt. 1904)

Einem jedem ist die Sorge um seine Seele selbst überlassen und kommt ihm zu.

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Am Meer Wie ist dir nun, meine Seele? Von allen Märkten des Lebens fern, darfst du nun ganz dein selbst genießen. Keine Frage von Menschenlippen fordert Antwort. Keine Rede noch Gegenrede macht dich gemein. Nur mit Himmel und Erde hältst du einsame Zwiesprach. Und am liebsten befreist du dein stilles Glück, dein stilles Weh in wortlosen Liedern. Wie ist dir nun, meine Seele? Von allen Märkten des Lebens fern darfst du nun ganz dein selbst genießen.

Morgenstern, C., Gedichte. Ich und die Welt

Die Seele ist die Brücke, die zur Unsterblichkeit führt.

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Das größte Elend hienieden ist nicht das soziale, sondern die Verkümmerung so vieler Menschenseelen.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Das Wort Seele gehört zu den Worten, die jedermann braucht, ohne sie zu verstehen. Wir verstehen nur die Dinge, von denen wir eine Vorstellung haben. Von der Seele, vom Geist haben wir keine Vorstellung; also verstehen wir sie nicht.

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Wir heißen Seele, was beseelt; mehr wissen wir nicht.

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Schau, Bruder, selbst wenn unser Gemüt dann und wann von dem Problem erfüllt ist, "Gibt es einen Gott, oder gibt es ihn nicht?", so ist das kein Grund für uns, absichtlich etwas Gottloses zu tun.

van Gogh, Briefe. An seinen Bruder

Man kann die Seele nicht in das Gewand der Tugend kleiden. Die Tugend ist einfach der Gesundheitszustand der Seele.

May, K., Gedichte. Himmelsgedanken, 1900

Im Leben gilt Verstand weit mehr als Gemüt und erreicht auch weit mehr; doch ohne Gemüt keine Zuneigung noch Liebe.

Baer, Jahresgedanken einer Frau, 1921

Das Leben der Seele reicht weiter als in Siriusfernen. Daher die vielen Widersprüche ihrer Ethik mit den Gesetzen der Natur auf der Erde, diesem kleinen Winkel des Alls.

Stehr, H., Tagebücher. 1907

Ins ew'ge Licht das Irdische getaucht, Das ist's, was deine Seele braucht.

Steinhausen, Aus meinem Leben. Erinnerungen und Betrachtungen, 1912

Es ist so herrlich, eine Seele sein nennen zu können, und doch können so viele Menschen sich nur über neue Kleider freuen.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39

Sonett der Seele Willensdrang von tausend Wesen Wogt in uns vereint verklärt: Feuer loht und Rebe gärt Und sie locken uns zum Bösen. Tiergewalten, kampfbewährt, Herrengaben, auserlesen, Eignen uns und wir verwesen Einer Welt ererbten Wert. Wenn wir unsrer Seele lauschen, Hören wir's wie Eisen klirren, Rätselhafte Quellen rauschen, Stille Vögelflüge schwirren ... Und wir fühlen uns verwandt Weltenkräften unerkannt.

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Wir sehen im täglichen Leben oft, daß die Menschen ein verschieden langes inneres Leben führen. Der eine lebt äußerlich achtzig oder neunzig Jahre, und auch seine Seele bildet sich immer weiter; der andere lebt äußerlich ebensolange, aber seine Seele ist mit fünfzig, mit dreißig, mit fünfzehn, mit zehn Jahren stehengeblieben; nur Erfahrung, Ausdrucksweise und äußere Umgangsformen sind dem Alter seines Leibes entsprechend.

Ernst, Der Zusammenbruch des deutschen Idealismus. An die Jugend, 1918

Das Spiel der Welt 1. Dialog: Die Seele sprach zur Welt: Du machst dich viel zu wichtig. Dein Spiel ist ohne mich im Grunde null und nichtig. Zur Seele sprach die Welt: Das ist im Grunde richtig. Das Spiel machst du, nicht ich; drum ist es gründlich nichtig. 2. Moral: Die Seele macht sich gern mit ihrer Welt zu wichtig; Weltseele muß man sein, dann macht man Alles richtig. 3. Kritik: Das ist ein schlechter Spaß; du hältst die Welt zum Narren und rätst ihr obendrein zu deinem eignen Sparren. 4. Antikritik: Das ist kein schlechter Spaß, ich hab gar gut erfahren: wo Weisheit ratlos steht, ist Narrheit flugs im Klaren. 5. Supermoral: Die Seele mahnt sich stets: sei endlich ganz und tüchtig! so bleibt sie ewig halb weltsüchtig, halb weltflüchtig.

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Warum muß ich so unaufhörlich unter mir und anderen leiden! Meine Seele ist fortwährend das Spiel über sie hinziehender Schatten.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1906

Seele ist rollendes Wagenrad – Vernünftigkeit wie Wagenschmiere. Wehe dem, der beide verwechselt; er richtet nur Unheil an.

Langbehn, Der Geist des Ganzen, posthum hg. von B. M. Nissen 1930

Leib und Seele Des herrlichsten Leibes Schimmer Verblaßt wie im Herbste das Laub, Doch Seelenadel fällt nimmer Dem Leid und dem Alter zum Raub.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913