Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Der Kirche Abendmahl ist nur gebacken Brot, Die letzte Ölung kann nichts ändern an dem Tod.

Lenau, Die Albigenser. Versepos, entstanden 1838/1842

Die meisten unserer Brüder sterben gemeinhin in Fragezeichen, einige in Verwunderungszeichen, viele in Komma; wer stirbt im Punktum?

Hippel, Lebensläufe nach aufsteigender Linie nebst Beylagen A, B, C, 1778-81

Die menschliche Spezies ist die einzige, die weiß, dass sie sterben muss.

Voltaire, Philosophisches Wörterbuch (Dictionnaire philosophique portatif), 1764

Gott, einen Strahl aus deinen Wolken sende Auf dieser Vorstadt schmerzenreiches Dach! Hier ringt ein Mensch mit seinem schweren Ende, Sei gnädig, hilf der armen Seele nach! Zieh aus der Kinder fesselndem Gewimmer, Zieh aus des Weibs Umschlingung ihn zu dir. Herr, säume nicht! Er duldet ja noch immer, Herr, schläfst du auch? O wache, Herr, mit mir! Am niedren Fenster schleich ich sacht vorüber, Noch glimmt der Lampe Docht, wer löscht sie aus? Sie schimmert durch die Laden, stündlich trüber, Und Käuzlein flattern um das Sterbehaus. Hu! Fort von dieser schauervollen Schwelle, Hier tut ein Andrer Wächterdienst als ich. Dort lagert er, der schreckliche Geselle, Und kauert lauernd vor die Türe sich. Er malt ein Kreuz, ein weißes, an die Schalter, Er winkt, er klopft ... O Würger, halte an! Es ist geschehn. Hab Dank, du alter, kalter Nachtwächtersmann, du hast dein Werk getan!

Dingelstedt, Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters, 1841

Schlecht wird leben, wer nicht zu sterben weiß.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 11. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Male vivet quisquis nesciet bene mori

Wenn man stirbt, hat man ganz andere Dinge zu tun, als an den Tod zu denken.

Svevo, Zenos Gewissen (La coscienza di Zeno), 1923. Übers. Internet.

Sicher ist, dass man sterben muss, unsicher, ob bereits an diesem Tag.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Moriendum enim certe est, et incertum an hoc ipsi die

Mein Buch ist voll, gezählt sind meine Tage.

Byron, Manfred, Dramatisches Gedicht, Erstdruck als »The Prisoner of Chillon«, 1816. 3. Akt, 4. Szene, Manfred

Wer gelernt hat zu sterben, hat verlernt zu dienen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 26. Brief. Übers. Internet Originaltext: Qui mori didicit servire dedidicit

Sterblich ist alles Gut der Sterblichen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 98. Brief. Seneca zitiert hier Metrodorus. Übers. Internet Originaltext: Mortale est omne mortalium bonum.

Ihr, die ihr leset, wandelt noch unter den Lebenden, ich aber, der ich schreibe, werde lange schon meinen Weg in das Reich der Schatten gegangen sein.

Poe, Gesammelte Werke, 6 Bde., hg. von Franz Blei, München 1922. Bd. I: Schatten, eine Parabel. Übers. Franz Blei

Zur Unzeit stirbt niemand, der als Unglücklicher stirbt.

Publilius Syrus, Sprüche (Sententiae), um 50 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nemo immature moritur, qui moritur miser

O welch ein Unglück ist es, nicht zu wissen, wie man stirbt!

Seneca, Agamemno (Agamemnon). V. 611. Übers. Internet Originaltext: O quam miserum est nescire mori!

Ist das nicht, so frage ich, Irrsinn, zu sterben nämlich, um nicht zu sterben?

Martial, Epigramme, um 101 n. Chr. 2, 80 Übers. Internet Originaltext: Hic, rogo, non furor est, ne moriare mori?

Ist es wirklich Pflicht, ein krankes, schwaches Leben nach Möglichkeit noch zu verlängern? Ist ein schnelles Verflackern nicht besser, wo die Flamme noch bis zuletzt wärmen und leuchten kann, anstatt eines langsamen, trüben Verglimmens?

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Man staunt oft über den lachenden, tanzenden Leichtsinn der Menschen, die es doch alle wissen, dass jeder Schritt sie ganz bestimmt dem Tode entgegenführt!

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Wenn man an die Grenze geht, muss man sich den Zollwächter gefallen lassen, darum hadre keiner mit einem Arzt.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Sterben müssen ist Bitterkeit, sterben dürfen Süße.

Seemann, Funken, 1940

Wer weiß es denn, ob einst in lichten Höh'n Wir alle unsre Lieben wiedersehn, Wer weiß es denn, was einst geschieht mit unsrer Aschen? Ich weiß es nicht − ich lass mich überraschen.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)

Und senkst du schon die Fackel, Thanatos? Ich fühle, wie das starke Licht sich neigt. Die Schatten fallen breiter auf den Weg. Die Stille wächst, das große Dunkel steigt.

Keiter, Tröstungen. Gedichte von M. Herbert (Therese Keiter), 1912. aus dem Gedicht "Thanatos"