Sterben Sprüche
Sprüche über Sterben
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in der Gestalt, wie der Mensch die Erde verläßt, wandelt er unter den Schatten, und so bleibt uns Achill als ewig strebender Jüngling gegenwärtig.
Der kennt diese Stimmung, der von einem liebgewordenen Ort scheiden will. Dann scheint es, als wenn alle Dinge von uns Abschied nehmen, eines nach dem anderen. Die Fäden sind gelöst, und wenn auch die leiblichen Sinne noch das Bild der Umgebung empfangen, die Seele selbst ist schon getrennt davon. So muß es sein in Stunden, die dem Tode vorangehen.
Weise Rüste Speise. Zur vorhabenden Reise. Kalte Rast, Leg ab die Last, Die du nicht mehr nötig hast. Diese Bahn Ist abgetan, Tritt sie nicht von vornen an. Jung und kühn, Mag sich bemühn, Du wirst nicht noch einmal grün.
Wenn einst, im Arm der Lust ermattet, Dein Wunsch den müden Flügel dehnt, Der Herbst dein Lächeln überschattet Und sich dein Blick nach Ruhe sehnt; Dann streue durch Platanengänge Erinnerung ihr Dämmerlicht, Und selbst der Wehmuth Blick verdränge Das Schattenbild der Freude nicht.
Im Nirwana des Inders nimmt sich das Bild der Welt aus wie eine Null, die sich in den Schwanz beißt.
Gesittete Menschen nehmen so Abschied aus dem Leben, wie aus der Gesellschaft, gleich als wenn sie vermuteten, solche einmal wieder zu sehen.
Es stirbt der Mensch und was durch ihn entsteht! Und zögert oft der Tod, zu überraschen, Spät dünkt's euch, weil ihr so schnell verweht.
Vergilbte Blätter Weil du mir so früh entschwunden, Blieb ein unerfülltes Glück Ungenoss'ner schöner Stunden Ruhelos in mir zurück. Ungeküßte Küsse leben In getrennten Herzen fort, Und die Lippe fühlt noch beben Das zu früh verstummte Wort.
Mancher fürchtet weit weniger den Tod, als die Operation des Sterbens. Da macht man sich die allersonderbarsten Begriffe von der letzten Todesnot, der gewaltsamen Trennung der Seele von ihrem Körper u. dgl. mehr. Aber dies alles ist völlig ungegründet. Gewiß hat noch kein Mensch das Sterben selbst empfunden, und eben so bewußtlos, wie wir ins Leben treten, eben so treten wir wieder heraus. Anfang und Ende fließen hier wieder zusammen.
Todesahnen Es starb der Tag mit seiner Noth ... Die Sonne streut ihr leuchtend Roth Um seinen Sarg und hüllt ihn ein, "Gesegnet soll dein Schlummer sein!" Ein Todestraum kommt über mich – Wie lange noch, dann ruh' auch ich, Und was mir Wonne schuf und Pein, Hüllt leuchtend wohl die Sonne ein!
Das tiefe Kämmerlein Es grub der Tod ein Kämmerlein, Grub's in die Erde tief, Gar weit von Schmerz und Sonnenschein – Mein schöner Liebster schlich hinein Und schlief. Ich kniee draußen ganz allein Und klopfe an die Thür: "Wenn du mich liebst, erbarm' dich mein Und tritt aus deinem Kämmerlein Herfür!" Nichts regt sich! Nur des Käuzchens Schrein Irrt durch die Luft so hohl! Ein Schauer rinnt durch mein Gebein – Wie schwarz die Nacht, wie kalt der Stein .. "Leb wohl …"
Abschied Du nimmst als Strebenden Den kranken Mann, Siehst als noch Lebenden Den Todten an. O rufe nicht zur Wehr, Mich nicht zum Thun; Mir ziemt kein Kämpfen mehr, Mir ziemt nur Ruhn. Lieg ich im Bette hier Wie in der Gruft, Steigt der Gedanke mir Hoch in die Luft; Ich überschau' als Schwan Mit Vogelblick Des Lebens wirre Bahn Und mein Geschick. Nicht war, was ich geschafft, Allwege gut. Ach, bald gebrach's an Kraft Und bald an Muth. Hier von des Glückes Huld Ward ich begrüßt; Dort hab' ich eigne Schuld Wie schwer gebüßt. Das, halb im Traume, geht An mir vorbei, Mein Leben ist verweht, Und ich bin frei. Was blieb dir, Seele, nun, Als daß mit Ernst Du in dir selber ruhn? Du sterben lernst?
Den Ernst aber werden sie [unsere ungläubige gebildete Welt] kennen lernen in der Todesstunde, und dann werden die Leichtsinnigen inne werden, daß sie eigentlich nur wie in einer Komödie gelebt, nur eine ihnen behagliche Rolle gespielt haben, ohne je an die Wirklichkeit außerhalb ihrer Theateratmosphäre, an die minder glücklichen Zustände der Mitmenschen und an das große Schicksal, welches draußen sich vollzieht, an das Ende aller irdischen Dinge und an ihren eigenen ewigen Beruf zu denken, auf den nicht vorbereitet zu sein sie dann plötzlich mit Schauer und Angst erfüllen wird.
Liebste Gattin und Mutter Es war mir nicht möglich, euch von diesen Schmerzen, die ihr jetzt um meinetwillen zu leiden habt, zu befreien. Wie hart wird es für unseren lieben Heiland gewesen sein, dass er durch sein Leiden und Sterben seiner lieben Mutter so große Schmerzen bereiten musste.
Letzter Wunsch Was wäre doch mein letzter Wunsch, Wenn ich dereinst zur Grube fahr'? Ein Gräblein tief geborgen wohl Auf einsam stiller Bergeshöh'; Auf jener Höh', wo ich als Kind Den ersten Schmetterling gesehn, Dem ersten Lerchensang gelauscht An einem lichten Frühlingstag. Doch jenes Zeichen fluchbeschwert, Das wie ein Alp die Welt umarmt, Weil sie ans Kreuz den Besten schlug, – O, pflanzt es nicht auf meinen Staub! Mir pflanzet einen jungen Baum, Auf daß er wachse und gedeih'; Vielleicht kommt einst ein Zimmermann, Der ihn zu einer Wiege fällt. – Vielleicht kommt eine Mutter, die Ein Kindlein in die Wiege legt, Das noch einmal die Welt erlöst Und nicht dafür gekreuzigt wird.