Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

Letzter Spruch Wie bald sind ausgetrunken die Becher der Zeit, die brausenden – und es folgen die schalen. Und ein Tag kommt – der stillste. Da leerst du den schalsten der Becher. Aber sein Rausch währt ewig. Dann wirst du nicht mehr trinken. Alle läßt du vorüber: denn dich dürstet nicht mehr.

Binding, Sieg des Herzens. Gedichte, 1937

Es gibt für diejenigen, die zum Himmel gehen, keine andere Fähre als die Tugend; sie gleicht dem Schiffe des Kaufmanns, der übers Meer zu gehen gedenkt.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Wohin können wir denn sterben, wenn nicht in immer höheres, größeres – Leben hinein!

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1908

Es gibt niemanden, der nicht anseinem Tagestürbe. Du verlierst nichts vondeinerZeit; denn die, die du noch außerdem hast, gehört eben nicht dir.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 69. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Nemo nisi suo die moritur. Nihil perdis ex tuo tempore, nam quod relinquis alienum est

O leben, wie man wünscht zu leben, Und, seines ganzen Lebens sich bewußt, Die Freundes-Hand dem Tode geben; So sterben, das ist eine Lust!

Gleim, Die goldnen Sprüche des Pythagoras. Aus dem Griechischen von Gleim, 1786

Die Wünsche. Sterbliche sind wir und sterblich sind all’ unsere Wünsche: Leid und Freude, sie gehn oder wir gehen vorbei.

Herder, Blumen, aus der Griechischen Anthologie gesammlet (in: Zerstreute Blätter, 1. und 2. Sammlung), 1785-86. Erste Sammlung. Zweites Buch

Darf ich mir noch ein Glück zum letzten Ziel erlesen; So stell' im Scheiden sich bei mir kein Schrecken ein: Und wie bisher mein Schlaf des Todes Bild gewesen; So müss' auch einst mein Tod dem Schlummer ähnlich sein!

Hagedorn, F., Gedichte. Moralische Gedichte. Aus: Wünsche, aus einem Schreiben an einen Freund, 1733

Zu sterben ist so schwer nicht, alter Mann.

Byron, Manfred, Dramatisches Gedicht, Erstdruck als »The Prisoner of Chillon«, 1816. 3. Akt, 4. Szene, Manfred zu Abt

Durch Einsamkeit Durch Einsamkeiten, Durch waldwild' Geheg, Über nebelnde Weiten Wandert mein Weg – Fern über dem Berge An ruhsamer Flut Harrt meiner ein Ferge … Der rudert mich gut – An ein stilles Geländ, Ewig gemieden Und ewig ersehnt – Zum Frieden …

Wildgans, Gedichte. Herbstfrühling, 1909

Ein Sprichwort in Neverland sagt, dass jedesmal, wenn du atmest, ein Erwachsener stirbt.

Barrie, Peter Pan, oder der Junge, der nicht erwachsen werden wollte (Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up), 1904. Übers. Internet

Wie schön ist es doch zu sterben, wie man gelebt hat!

Hugo, Der Glöckner von Notre-Dame (Notre-Dame de Paris), 1831. Worte der Figur Pierre Gringoire

… wenn ich nicht sterben will, dürfte ich nicht leben.

Leopardi, Briefe. An Pietro Giordani, Pisa, 5. Mai 1828. Übers. www.Internet

Vorgefühl Wieder hüllen Wolkenmassen Über mir den Himmel ein; Meines Schicksals neidisch Hassen Dräut mit kaum verschmerzter Pein ... Tret' ich meinem Los entgegen Mit verachtungstrotz'gem Mut? Wird auch jetzt die Seele hegen Stolz, Geduld und Jugendglut? Matt bin ich vom Sturm des Lebens, Zittern macht mich kein Orkan! Ach, vielleicht strebt nicht vergebens Sichrem Hafen zu mein Kahn! ... Doch mit schmerzumflorten Blicken Ahn' ich naher Trennung Qual – Und ich eile, dir zu drücken Deine Hand zum letztenmal. Flüstre „Lebe wohl!“ mir herzlich, Du mein holdes Engelsbild! Hebe oder senke schmerzlich Deinen Blick so lieb und mild – Ewig wird das Deingedenken Stolze Kraft und Hoffnungsmut Meiner müden Seele schenken, Als Ersatz der Jugenglut.

Puschkin, Gedichte, übersetzt von Friedrich Fiedler, Leipzig 1907

Der Tod äfft die Geburt; beim Sterben sind wir so hilflos und nackt wie neugeborne Kinder.

Büchner, Dantons Tod, 1835. Originaltext

O Gott, wie häßlich bitter ist das Sterben!

Heine, H., Gedichte. Aus: Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht

Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht. Mir jauchzte stets mein Volk, wenn ich die Leier Der Dichtkunst schlug. Mein Lied war Lust und Feuer, Hat manche schöne Gluten angefacht. Noch blüht mein Sommer, dennoch eingebracht Hab ich die Ernte schon in meine Scheuer – Und jetzt soll ich verlassen, was so teuer, So lieb und teuer mir die Welt gemacht! Der Hand entsinkt das Saitenspiel. In Scherben Zerbricht das Glas, das ich so fröhlich eben An meine übermütgen Lippen preßte. O Gott! wie häßlich bitter ist das Sterben! O Gott! wie süß und traulich läßt sich leben In diesem traulich süßen Erdenneste!

Heine, H., Gedichte. Hier: entst. 1854, ersch. im Deutschen Musenalmanach 1857

Todesgedanken Ich bin noch nicht gestorben, Und wenn ich einmal sterbe, Dann will man mich begraben, Und dann soll ich vermodern, Und nicht noch einmal tanzen. Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Rosen pflükken, Weil ich den Duft noch rieche; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Mädchens küssen, Weil ich den Kuß noch fühle; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich den Wein verbrauchen. Werd ich im Grab auch dursten?

Gleim, J. W. L., Gedichte. Versuch in scherzhaften Liedern und Lieder, 1744. Originaltext

Ich weiß nicht, ob es nothwendig ist, noch beyzufügen, daß ein Mensch in meinem Alter sich oft und gerne wiederholt, und wenn er sich sogar dem Tode nahe fühlt oder gar auf dem Todbette befindet, sich in Gegenständen, die ihm noch vorzüglich am Herzen liegen, nicht genug wiederholen und nicht satt werden kann, davon zu reden, bis sein Athem ihm selber aus geht.

Pestalozzi, Schwanengesang, 1826. Originaltext

Der Fall ist nun klar: Es geht um Licht oder Dunkelheit, und jeder muss sich entscheiden, wo er steht.

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Die Menschen taumeln hin zum Schlunde

Hugo, Oden und Balladen (Odes et ballades), 1818-1822, übersetzt von Ludwig Seeger 1860. Der Dichter in Zeiten der Revolution. Erste Ode, 1821. Originaltext der Übersetzung

Jeder stirbt für sich allein.

Fallada, Jeder stirbt für sich allein, 1947