Sterben Sprüche

Sprüche über Sterben

587 Sprüche in dieser Kategorie

O wie schwer ist der Entschluss zum Sterben!

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Der Große ist ein geborenes Kind. Wenn er stirbt, hinterlässt er der Welt die große Botschaft des Kindes.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [125]

Für alle tritt mit der letzten Stunde dasselbe ein, was vor der ersten war, und Gefühl und Bewußtsein gibt es für Seele und Körper nach dem Tode so wenig als vor der Geburt. Menschliche Eitelkeit setzt die Existenz in die Zukunft fort, und erlügt ein Leben in die Zeit des Todes hinein, indem sie der Seele bald Unsterblichkeit, bald Umgestaltung, bald den Unterirdischen Bewußtsein beilegt und Manen verehrt und die zu Göttern macht, die sogar Menschen zu sein aufgehört haben.

Plinius d. Ä., Naturgeschichte (Naturalis historia), ca. 77 n. Chr. 7, 188f. Deutsche Übersetzung bei Ludwig Friedländer in: Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der Zeit von August bis zum Ausgang der Antonine (3. Teil), Leipzig 1871

Geistige Höhe Siehst du dort die Alpenfirne Ragen in das reine Blau? Rosig Licht küßt ihr die Stirne, Ihren Fuß hüllt Nebelgrau. Also soll dein Geist sich heben Aus dem Druck der Erdenqual, Auf zu reinem Geistesleben, In der Wahrheit Himmelsstrahl. Unablässig mußt du kämpfen, Ringen mit der ganzen Kraft, Bis du aus den trüben Dämpfen Dich zur Klarheit aufgerafft. Wirst von Erdenleid genesen Auf des Denkens reiner Höh'; Und zu Staub wird bald verwesen All' dein vieles Lebensweh. Einsam freilich wirst du stehen, Von der Welt vergessen auch; Aber frisch wird dich umwehen Gottes ew'ger Liebeshauch.

Weller (Hg.), Dichterstimmen der Gegenwart. Eine Sammlung vom Felde der deutschen Lyrik seit 1850, 1856

Den Schlüssel zu meiner Tür gebe ich zurück. Nichts will ich mehr aus meinem Haus. Ich bitte nur um Eure letzten lieben Worte.

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Sterben ist das Auslöschen der Lampe im Morgenlicht, nicht das Auslöschen der Sonne.

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Mein Kahn ist ohne Steuer, er fährt mit dem Wind, der in den untersten Regionen des Todes bläst.

Kafka, Der Jäger Gracchus, entstanden 1917, veröffentlicht 1924 (posthum)

Hast du verstanden? Halte mich nicht zurück! Meine Zeit ist gekommen, ich muss sterben!

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Ist die Zeit gekommen, bleibe ich nicht länger hier. Mein Herz lebt in diesem jungen Baum – in seinen Blüten, in seiner zarten Blätter Tanz. Meine Hoffnung auf immer neue selige Frühlinge bleibt bestehen. Ich selbst werde gehen.

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Der Mensch stirbt stückweis, wie uns die Philosophen sagen; und dabei führt er fast immer den Tod an; denn ist es wirklich immer Leben, was dieser mit seiner Knochenhand ergreift?

Balzac, Physiologie der Ehe (Physiologie du mariage), 1829. Der eheliche Friede

Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen, Die weißen Blütenträume sind vorbei. Welkend muß man goldne Blätter tragen. Jung? Ich werde es nicht länger sein. So wie früher wirst du nicht mehr pochen, Herz, erfaßt vom kalten, rauen Reif, Und das Land, aus Birkenbast geflochten, Lockt nicht mehr, es barfuß zu durchstreifen. Wanderlust, dein Geist flammt immer rarer Von den weiten Lippen, bald ist Schluß. Meine Frische konnt ich nicht bewahren, Der Augen Wildheit, der Gefühle Überfluß. Geizig bin ich mit dem Wünschen heute, Du, mein Leben? träumte ich dich nur? Frühjahrshatz, und ich, der junge Reiter Auf rosenrotem Roß, verlor die Spur. Wir alle sind bestimmt, hier zu verwesen, Still rinnt Sirup übers Ahornblatt… Darum seist auf ewig du gepriesen, Daß du kamst zu blühen und dann starbst.

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So viel unersetzliche Menschen sind schon dahingegangen … und noch immer besteht die Welt?

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Der Traum eines Neugierigen Kennst du wie ich die lockendsüßen Leiden, Und nennt man einen Sonderling auch dich? Ich lag im Tod. – Begier und Furcht, die beiden Vermischten sich im Herzen wunderlich. Nur Angst und Hoffnung, nichts von Groll und Streiten. Je mehr der Sand der schlimmen Uhr entwich, Fühlt' ich's nur süßer, herber mich durchgleiten, Und von der Welt riss meine Seele sich. Und harrte wie ein Kind, von Gier erfüllt. Den Vorhang hassend, der das Wunder hüllt. Der Vorhang stieg: ein kalter Strahl des Lichts – Und eisiger Schauder durch das Herz mir kroch: Kein Wunder kam, tot war ich, – weiter nichts? Der Vorhang stieg, ich warte immer noch.

Baudelaire, Gedichte. Die Blumen des Bösen (Les fleurs du mal), 1857-66

Ich sehe ein schwarzes Licht.

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Nichts ist dem Menschen so wenig eigen als die Freuden, die er besitzt; nichts so sehr sein, als die Freuden jenseits des Grabes.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. 5. Nacht

Man sagt, sterben sei schwer, und doch kann es ein jeder.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

In der gleichen Art und Weise stirbt der Tatenlose ebenso wie der Schaffensfreudige.

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O schwer ists, in der Fremde sterben unbeweint.

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 2. Akt, 7. Auftritt, Montgomery

Immer besser, immer heiterer!

Schwab, Schiller's Leben in drei Büchern, 1840. Das antwortete er Karoline, als sie ihn kurz vor seinem Tode fragte, wie es ihm gehe.

Was vollkommen ward, alles Reife – will sterben!

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Vierter und letzter Teil, 1885. Das Nachtwandler-Lied

Tüchtiges Leben endet auf Erden nicht mit dem Tode, es dauert in Gemüt und Tun der Freunde, wie in den Gedanken und der Arbeit des Volkes.

Freytag, Karl Mathy. Geschichte seines Lebens, 1870