Sterben Sprüche – hoffnung
84 Sprüche gefunden
Laß das Jagen Wenn die Wogen unten toben, Menschenwitz zu schanden wird, Weist mit feur'gen Zügen droben Heimwärts dich der Wogen Hirt. Sollst nach keinem andern fragen, Nicht zurückschau'n nach dem Land, Faß das Steuer, laß das Zagen: Aufgerollt hat Gottes Hand Diese Wogen zum Befahren Und die Sterne, dich zu wahren!
Vor den Türen Ich habe geklopft an des Reichtums Haus; Man reicht mir 'nen Pfennig zum Fenster heraus. Ich habe geklopft an der Liebe Tür; Da stehen schon fünfzehn andre dafür. Ich klopfte leis an der Ehre Schloß; "Hier tut man nur auf dem Ritter zu Roß." Ich habe gesucht der Arbeit Dach; Da hört' ich drinnen nur Weh und Ach! Ich suchte das Haus der Zufriedenheit; Es kannt' es niemand weit und breit. Nun weiß ich noch ein Häuslein still, Wo ich zuletzt anklopfen will. Zwar wohnt darin schon mancher Gast, Doch ist für viele im Grab noch Rast.
Auferstehung Wenn einer starb, den du geliebt hienieden, So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, Daß ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden. Da fühlst du bald, daß jener, der geschieden, Lebendig dir im Herzen auferstehe; In Luft und Schatten spürst du seine Nähe, Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden. Ja, schöner muß der Tote dich begleiten, Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein, Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten. Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten; Und was du ewig liebst, ist ewig dein.
Hörst du, wie um unser Haus Geht der Wind? Wein' dir nicht die Augen aus, Liebes Kind! Wolke, Wind und Herzensgram Bald vergeht, Blauer Himmel wundersam Drüber steht. Weine, weine nicht so sehr! Längst hat Ruh' Eine, die – 's ist lange her – Litt wie du.
Der Bruder stirbt nicht, sondern sein Elend.
Unmittelbar Du glatter Mann mit dem geistlichen Kleid, Ich bitte dich, lass' mich im Sterben in Ruh. Ruf' ich zu Gott in meinem Leid, So brauch' ich keinen Vermittler dazu.
Du stirbst doch nicht so oft, als du den Tod dir wünschtest.
Wir gehen immer, wohin wir müssen: wenigen nach und hoffentlich zuletzt denn doch auch vielen vorauf.
Ob nachts auch thränenfeucht dein Pfühl, Und heiß die ruhelosen Lider, Einst wirst du schlummern sanft und kühl, Und keine Sorge weckt dich wieder. Vergehe nicht in Angst und Qual, Es eilt die Stunde, dich zu retten; Vier Bretter nur braucht's dünn und schmal, Ein müdes Menschenherz zu betten. Und du auch findest eine Hand, Die Augen sanft dir zuzudrücken, Mit einer Blume, einem Band Dir Deinen Sarg noch auszuschmücken. Der Tod bring Ruhe deinem Harm, Die dir das Leben nie vergönnte; Halt aus: es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.
Ich gehe an keinem gewaltsamen Unglück zugrund, sondern stolpere über einen Strohhalm.
"Ihr seid das Salz der Erde", hast gesagt, Als auf die Erde mich entließest, Gott. Froh war ich, stolz, und habe nie geklagt. Nun muß ich bitten, denn ich bin in Not. Ich bin ein alter Mann und müder Mann. Ich möchte flehn: "Nimm mich zurück zu dir. Die Welt ist so, daß ich nicht leben kann. Ich kann nicht Salz mehr sein, was soll ich hier?" Doch eine Sünde wäre das Gebet, Denn Sünde ist es, wenn ein Mensch erschlafft, Den Gott dahin gestellt hat, wo er steht. Noch hab ich nichts, das ich gesollt, geschafft. Ich war nicht Salz bis nun. Dein Atem weht, Mein Leben geht. Gib Kraft mir, gib mir Kraft.
Alles geht vorüber Auch dieses wird vorübergehen, Sei's Gram, sei's Lust, Wer kam, der nicht vorübergehen Zuletzt gemußt? Drum tröste dich in allen Wehen, Gib dich zur Ruh' – Wenn jene nicht vorübergehen, So gehest du.
Ins stille Land! Wer leitet uns hinüber? Schon wölkt sich uns der Abendhimmel trüber, Und immer trümmervoller wird der Strand. Wer leitet uns mit sanfter Hand Hinüber, ach! hinüber Ins stille Land? Ins stille Land! Zu euch, ihr freien Räume Für die Veredlung! Zarte Morgenträume Der schönen Seelen! künft'gen Daseins Pfand. Wer treu des Lebens Kampf bestand, Trägt seiner Hoffnung Keime Ins stille Land. Ach Land! ach Land! Für alle Sturmbedrohten Der mildeste von unsers Schicksals Boten Winkt uns, die Fackel umgewandt, Und leitet uns mit sanfter Hand Ins Land der großen Toten, Ins stille Land.
Kämpfe Arme Seele, die sich selbst verzehrt! Sehnsucht, die ins Leben möchte greifen Und dem blühenden doch angstvoll wehrt – Arme Hand, die an dem goldnen Reifen Heimlich dreht, weil sie das Glück begehrt, Und doch nicht vermag, ihn abzustreifen – Augen, die dem Lichte abgekehrt, Ruhelos durch Nacht und Dunkel schweifen – Jene Weisheit, die »Entsagung« lehrt, Werdet ihr die bittre je begreifen?
Gute Nacht Gute Nacht! Meine Wallfahrt ist vollbracht. Paradieses Ruh' und Frieden Säuseln um den Lebensmüden. Tod, wo ist nun deine Macht? Gute Nacht! Weinet nicht! Bleibt getreu des Lebens Pflicht; Liebt das Wahre, liebt das Gute; Denn es schläft mit frohem Mute Nur der edle Mensch allein Ruhig ein!
Letzter Dienst Drück' mir du die Augen zu, Wenn sie einst erblinden, Denn sie werden sich zur Ruh Nicht von selber finden. Werden starren unverwandt In des Lichtes Fließen; Keine wird wie deine Hand Sie so linde schließen.
Nun hat das Leben mir auch dich genommen… nun hab ich nichts mehr zu verlieren, nichts! du warst das Letzte, das ich einst noch lieb gewonnen… und halten wollte… halten… o mit der ganzen Sehnsucht dessen, der es noch einmal wagt, sich aufzuraffen, den Glauben seiner Jugend sich zu retten… Du warst ihr großer Sonnenuntergang… Nun hab ich nichts mehr zu verlieren, drum ich zittern müßte… nichts mehr, nichts, das mir das Haupt könnt beugen… nichts mehr, nichts, das mich noch zwänge, auf den Knien zu liegen! Nun … werd ich … siegen!
Ein wundersames Wort das Einst: Es weist auf das, was war, zurück, Und wenn du um Verlornes weinst, Verheißt es dir zukünft'ges Glück. Einst war's um dich, in dir so licht, Dann kam das Voneinandergehn; Doch sei getrost, verzage nicht: Einst kommt ein schönes Wiedersehn.
Es stirbt nur das Elend, nicht der Mensch.
Der Morgen O sieh den Morgen lächelnd sich entschleiern, O sieh den Turm, wie er von Strahlen glüht. Horch! Wie dem Ruhm die Freude, zieht Des jungen Tages ersten Feuern Entgegen schon der Wälder erstes Lied. Ja, lächle nur bei all dem Schönen. Dieselbe Sonne leuchtet deinen Tränen, Wenn morgen mich der dunkle Sarg verschlingt. Ob meinem Grabe von denselben Tönen Erschallt der Wald, davon er heute klingt? Dann aber wird die Seele selig schweben Im Grenzenlosen über Raum und Zeit. Im Morgenrot der Ewigkeit Wird man erwachen einst vom Leben, Gleichwie aus wüster Traumgesichte Streit.
Der Himmel ist geöffnet über mir, Und eine Stimme, solchen Wohllauts voll, Wie niemals ihn ein Erdenkind vernahm, Der ewgen Liebe und der Allmacht Stimme Vereint zu einem wundersamen Klang, Ruft laut aus lichten Höhen: »Komm – o komm!« Ich aber steh auf einem uferlosen, In Eisesfrost erstarrten Ozean; Da grünt kein Baum, da wellen keine Hügel, Da ragt kein Bergesgipfel wolkennah; Die Sehnsucht flammt, doch hebt sie nicht empor, Und Flügel – Flügel – hat mir Gott versagt.