Sterben Sprüche – hoffnung

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Letzte Bitte Du sagst mir kalt, ich soll dich meiden, Weil ich zu hoffen nichts mehr habe – Ich fühl' es längst und will auch scheiden, Doch bitt' ich noch um eine Gabe. Gib mir dein Bild! In seine Züge Will dichten ich ein Herz hinein, Und durch der Dichtung holde Lüge Doch in der Ferne glücklich sein.

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Ruhmvoll zu sterben ist den Menschen doch ein Trost.

Aischylos, Agamemnon (Erster Teil der Orestie), 458 v. Chr

Hier soll ich also dauernd bleiben, hier ist mein Haus und Hof bestellt – mich aber plötzlich überfällt ein Bangen, nimmer zu beschreiben! Hier ist mein Hof, hier ist mein Haus – und auch mein Grab – hier harrt die Erde, bereit, daß ich verschüttet werde! Mir ist, als wär' mein Hoffen aus! Mir ist, als ob der Tod sich setze zu mir, in eine stille Ecke wie Spinnen an der Zimmerdecke, zu weben mich in seine Netze!

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Ich will in die Sonne sehn Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, wie sie in brennenden Wolken verloht… ich will mit der Sonne gehn, wenn ich sterbe, in sommerflammendem Abendrot. Die Fenster auf! dort drüben ist meine Heimat und nicht in eurer Nacht und Not! Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, und sinken gleich ihr in strahlendem Tod.

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Sollte mich in plötzlichem Ruin Feuerblick und heitre Laune flieh'n, Sollte sich durch Ader und Gebein Bange Qual und dumpfe Schwere zieh'n, Nicht, o nicht mit herben Ärzenei'n, Denn ich hasse diese Medicin, Kommt zu mir mit einem Becher Wein, Kommt Laute, Flöte, Tamburin! Wirket das zu wenig auf mich ein, Kommt mit einem süßen Mundrubin! Wird umsonst auch diese Mühe sein – Dann Ade! dann sprich: Begrabet ihn!

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Die Gewissheit zu sterben ist zuweilen der einzige Trost dieses Lebens.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Die Urnen edler Geister fachen hell das Feuer in einer starken Seele an [...]. Nur wer kein Erbteil hinterläßt an Liebe, den freut die Urne wenig.

Foscolo, Die Gräber (I sepolcri), 1807

Geistige Höhe Siehst du dort die Alpenfirne Ragen in das reine Blau? Rosig Licht küßt ihr die Stirne, Ihren Fuß hüllt Nebelgrau. Also soll dein Geist sich heben Aus dem Druck der Erdenqual, Auf zu reinem Geistesleben, In der Wahrheit Himmelsstrahl. Unablässig mußt du kämpfen, Ringen mit der ganzen Kraft, Bis du aus den trüben Dämpfen Dich zur Klarheit aufgerafft. Wirst von Erdenleid genesen Auf des Denkens reiner Höh'; Und zu Staub wird bald verwesen All' dein vieles Lebensweh. Einsam freilich wirst du stehen, Von der Welt vergessen auch; Aber frisch wird dich umwehen Gottes ew'ger Liebeshauch.

Weller (Hg.), Dichterstimmen der Gegenwart. Eine Sammlung vom Felde der deutschen Lyrik seit 1850, 1856

Der Traum eines Neugierigen Kennst du wie ich die lockendsüßen Leiden, Und nennt man einen Sonderling auch dich? Ich lag im Tod. – Begier und Furcht, die beiden Vermischten sich im Herzen wunderlich. Nur Angst und Hoffnung, nichts von Groll und Streiten. Je mehr der Sand der schlimmen Uhr entwich, Fühlt' ich's nur süßer, herber mich durchgleiten, Und von der Welt riss meine Seele sich. Und harrte wie ein Kind, von Gier erfüllt. Den Vorhang hassend, der das Wunder hüllt. Der Vorhang stieg: ein kalter Strahl des Lichts – Und eisiger Schauder durch das Herz mir kroch: Kein Wunder kam, tot war ich, – weiter nichts? Der Vorhang stieg, ich warte immer noch.

Baudelaire, Gedichte. Die Blumen des Bösen (Les fleurs du mal), 1857-66

Immer besser, immer heiterer!

Schwab, Schiller's Leben in drei Büchern, 1840. Das antwortete er Karoline, als sie ihn kurz vor seinem Tode fragte, wie es ihm gehe.

Wohl bin ich nur ein Ton Im schönen Liede Gottes; Doch wie das schöne Lied Wird nimmermehr verklingen, So wird der Ton im Liede Auch nimmer gehn verloren, Nicht brechen sich am Grabe: Und was im Erdenleben Mit ihm zusammenklang, Wird einst mit ihm erklingen Zu freudigen Akkorden Im Strom des ewgen Liedes.

Lenau, N., Gedichte. Aus: Der Steirertanz

Weinet nicht! Weinet nicht, o weinet nicht Um die Lieben, die geschieden! Wenn ein Menschenherz hier bricht, Geht es ein zum ew'gen Frieden. Gönnt ihm, daß der Kampf vollbracht, Freut euch, daß es ausgerungen; Daß aus finstrer Erdennacht Es zum Licht ist vorgedrungen! Wir, die noch im Kampfe stehn, An der Last noch müssen tragen Und den letzten Gang noch gehn, Wir sind eher zu beklagen. Laßt es Freudenthränen sein, Die an teuern Gräbern fließen! – Hoffnungsblüten, duftig, rein, Mögen aus dem Staube sprießen!

Lüttringhaus (Hg.), Lebensworte aus dem Munde guter und großer Menschen aller Zeiten und Völker für Geist und Gemüt, hg. von J. D. Lüttringhaus, Lüdenscheid, um 1880

…sonder Anker sind wir vor dem Todessturz.

Euripides, Der rasende Herakles (auch: Der Wahnsinn des Herakles), zwischen 422 und 414 v. Chr.. V. 326. Amphitryon zu König Lykos

Letzter Wunsch Was wäre doch mein letzter Wunsch, Wenn ich dereinst zur Grube fahr'? Ein Gräblein tief geborgen wohl Auf einsam stiller Bergeshöh'; Auf jener Höh', wo ich als Kind Den ersten Schmetterling gesehn, Dem ersten Lerchensang gelauscht An einem lichten Frühlingstag. Doch jenes Zeichen fluchbeschwert, Das wie ein Alp die Welt umarmt, Weil sie ans Kreuz den Besten schlug, – O, pflanzt es nicht auf meinen Staub! Mir pflanzet einen jungen Baum, Auf daß er wachse und gedeih'; Vielleicht kommt einst ein Zimmermann, Der ihn zu einer Wiege fällt. – Vielleicht kommt eine Mutter, die Ein Kindlein in die Wiege legt, Das noch einmal die Welt erlöst Und nicht dafür gekreuzigt wird.

Rosegger, Heimgarten. Zeitschrift für das deutsche Haus, 1876-1918

Glaube des Lahmen Erlöst von irdischen Gebresten, Flieg' einst ich auf zu himmlischen Festen, Vergessen ist das Weh der Erden, Wenn meine Füße Flügel werden!

Claar, Weltliche Legenden. Gedichte, 1899

Es gibt für diejenigen, die zum Himmel gehen, keine andere Fähre als die Tugend; sie gleicht dem Schiffe des Kaufmanns, der übers Meer zu gehen gedenkt.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Darf ich mir noch ein Glück zum letzten Ziel erlesen; So stell' im Scheiden sich bei mir kein Schrecken ein: Und wie bisher mein Schlaf des Todes Bild gewesen; So müss' auch einst mein Tod dem Schlummer ähnlich sein!

Hagedorn, F., Gedichte. Moralische Gedichte. Aus: Wünsche, aus einem Schreiben an einen Freund, 1733

Vorgefühl Wieder hüllen Wolkenmassen Über mir den Himmel ein; Meines Schicksals neidisch Hassen Dräut mit kaum verschmerzter Pein ... Tret' ich meinem Los entgegen Mit verachtungstrotz'gem Mut? Wird auch jetzt die Seele hegen Stolz, Geduld und Jugendglut? Matt bin ich vom Sturm des Lebens, Zittern macht mich kein Orkan! Ach, vielleicht strebt nicht vergebens Sichrem Hafen zu mein Kahn! ... Doch mit schmerzumflorten Blicken Ahn' ich naher Trennung Qual – Und ich eile, dir zu drücken Deine Hand zum letztenmal. Flüstre „Lebe wohl!“ mir herzlich, Du mein holdes Engelsbild! Hebe oder senke schmerzlich Deinen Blick so lieb und mild – Ewig wird das Deingedenken Stolze Kraft und Hoffnungsmut Meiner müden Seele schenken, Als Ersatz der Jugenglut.

Puschkin, Gedichte, übersetzt von Friedrich Fiedler, Leipzig 1907

Der Kirche Abendmahl ist nur gebacken Brot, Die letzte Ölung kann nichts ändern an dem Tod.

Lenau, Die Albigenser. Versepos, entstanden 1838/1842

Gott, einen Strahl aus deinen Wolken sende Auf dieser Vorstadt schmerzenreiches Dach! Hier ringt ein Mensch mit seinem schweren Ende, Sei gnädig, hilf der armen Seele nach! Zieh aus der Kinder fesselndem Gewimmer, Zieh aus des Weibs Umschlingung ihn zu dir. Herr, säume nicht! Er duldet ja noch immer, Herr, schläfst du auch? O wache, Herr, mit mir! Am niedren Fenster schleich ich sacht vorüber, Noch glimmt der Lampe Docht, wer löscht sie aus? Sie schimmert durch die Laden, stündlich trüber, Und Käuzlein flattern um das Sterbehaus. Hu! Fort von dieser schauervollen Schwelle, Hier tut ein Andrer Wächterdienst als ich. Dort lagert er, der schreckliche Geselle, Und kauert lauernd vor die Türe sich. Er malt ein Kreuz, ein weißes, an die Schalter, Er winkt, er klopft ... O Würger, halte an! Es ist geschehn. Hab Dank, du alter, kalter Nachtwächtersmann, du hast dein Werk getan!

Dingelstedt, Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters, 1841

Wer weiß es denn, ob einst in lichten Höh'n Wir alle unsre Lieben wiedersehn, Wer weiß es denn, was einst geschieht mit unsrer Aschen? Ich weiß es nicht − ich lass mich überraschen.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)