Sterben Sprüche – klassisch
68 Sprüche gefunden
Der baltische Junker Die baltischen Junker aus deutschem Geschlecht, Oft waren es wilde Gesellen, Hochmütig und ehrlich und selbstgerecht, Unfähig, sich schlau zu verstellen. Sie lernten zu wenig und jagten zu viel, Sie lebten zu ungebunden Und saßen so gerne beim Kartenspiel Bis tief in die Abendstunden. Und wußten im Stalle besser Bescheid Als unter Schreibern und Knechten Und waren in allen Gefahren bereit, In erster Reihe zu fechten. Und wenn von bolschewistischem Hund Geleitet zum Richtplatz sie gingen, Dann zog es spöttisch um ihren Mund, Bevor sie die Kugel empfingen. Sie lernten zu wenig, sie lebten zu treu Als ihrer Vorfahren Erben, Doch flüsterten selbst ihre Henker scheu: Sie wissen aufrecht zu sterben! Die Hölle gärt. Aus allen Finsternissen Bäumt sich ihr Widerspruch in steiler Wut, Ohnmächtig fordernd, was sich ganz entrissen. Aus Himmeln aber brandet Rosenfeuerglut! Durch dampfendes Gewölk, sich klar enthüllend, Emporgetürmt ins letzte Ätherblau, Mit unfaßbarem Licht die Räume füllend, Wächst eines Münsters Riesenwunderbau! Heerscharen sel'ger Seraphs Stuf' auf Stufen, Verklärten Leib's palmschwingend, -- jedes Ohr Erfüllt ein Preisen, Klingen, Winken, Rufen, -- Es rauscht, es harst, es drängt, es glänzt empor Und jubelt auf in einem Gottfrohlocken! Durch alle Himmel, sternenweltenweit, Schwingen die Glocken -- die Glocken -- die Glocken Der Ewigkeit!
Man soll vom Leben scheiden wie Odysseus von Nausikaa schied, — mehr segnend als verliebt.
Von allen, die das dunkle Tor durchquert, - Wie seltsam - keiner ist zurückgekehrt, Die Straße uns zu schildern, die er fuhr, Die zu erforschen jeder einstens fährt.
In der Tat also [...] trachten die richtig Philosophierenden danach zu sterben, und der Tod ist ihnen unter allen Menschen am wenigsten furchtbar.
Die Stunde, nach der ich verlangte, ist nun gekommen.
An die Parzen Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe. Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil'ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen, Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinabgeleitet; Einmal Lebt' ich, wie Götter, und mehr bedarf's nicht.
Wer sterben gelernt hat, ist ein freier Mensch.
Viel tausend Jahr' hat der Himmel gelacht, Bevor man hat an dich gedacht; Die Blumen, sie blühten, die Vögel, sie sangen, Eh' Dir ein Frühling aufgegangen; Von tausend Tagen unendlicher Lust Hast nichts, o Menschenkind, gewußt, Und doch ist's dir nicht eben leid Um jene nicht genoss'ne Zeit. Warum willst du dich nun beklagen, Daß, wenn sie dich zu Grabe tragen, Du wieder von viel tausend Jahren Wirst nichts empfinden und nichts erfahren?
Schätze, die bringst du doch nicht hinab zu des Acherons Fluten, Und in den stygischen Kahn steigst du ja nackt nur, o Tor!
Wer nicht eh stirbt, als er stirbt, Der vertirbt, wann er vertirbt.
Meinen tongeformten Becher brach ich gestern Nacht entzwei; Trunken bin ich wohl gewesen, und mir däuchte, einen Schrei Hört' ich durch des Bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen: "Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"
Sollte die Freiheit zu streben, die uns die Götter in allen Umständen des Lebens gelassen haben, sollte diese ein Mensch dem andern verkümmern können?
Denn die Geister hoher Weisen schweben Nicht in Nacht sich hüllend aus dem Leben In die Wohnung der Vergessenheit. Ihre Weisheit waltet fort hier oben; Ihrer Weisheit Götterwerke loben Die Entschwebten bis in Ewigkeit. Preis und Dank für ehrenwerte Taten; Preis und Dank für das, was sie geraten, Was sie wohl geordnet, wohl bestellt; Für die Fackel, die sie hoch gehalten, Die des Irrtums Chaos zu gestalten Wandelloser Wahrheit aufgehellt.
Sokrates wählte lieber den Giftbecher, als daß er seine Zunge bezähmte; aber ich weiß nicht, ob es eine Freude ist, für den Irrtum anderer zu leiden.
Grabschrift unsres Haushahns An diesem Baume ruht der Haushahn, treu und gut. Er führt' ins achte Jahr der lieben Hennen Schar. Als wackrer Ehemann rührt' er kein Krümchen an, was wir ihm vorgebrockt, bis er die Fraun gelockt. Nun strotzt er nicht mehr im Hofe stolz umher und jagt aus seinem Ort des Nachbarn Hühner fort. Nun schützt er nicht vor Graun im Sturm und Nacht die Fraun. Nun wecket uns nicht früh sein helles Kikeriki. Vor Alter blind und taub, sank er zuletzt in Staub. Sein Kamm, so schön und rot, hing nieder, bleich vom Tod. Hier graben wir ihn ein, wir Kinder, groß und klein, und sagten wehmutsvoll: du guter Hahn, schlaf' wohl!
Lernt sterben, sprach im Hospital Ein Mönch zu einem kranken Greise. Was lernen? rief der graue Weise: Man kann es gleich beim erstenmal.
Aber an Sterbebetten ist es doch wie ein Klugwerden, das verachtet und verläßt, was groß dünkt, um zu bewahren, was groß ist.
Ob Himmel dich, ob Hölle einst umschließt? Zur Richtschnur sei dir dies empfohlen: Wenn eine Träne dir beim Sterben fließt, Dem Klugen wird's eine Lehre sein.
Doch wie du auch ein Ende nimmst, du kehrest zu den Göttern, kehrst ins heilge, freie, jugendliche Leben der Natur, wovon du ausgingst, und das ist ja dein Verlangen nur und auch das meine.
Als der französische Schriftsteller Bernard Le Bovier de Fontenelle im Sterben lag, fragte man ihn: "Wie geht's?" – "Es geht nicht", antwortete er, "ich gehe."
Gute Nacht Gute Nacht! Meine Wallfahrt ist vollbracht. Paradieses Ruh' und Frieden Säuseln um den Lebensmüden. Tod, wo ist nun deine Macht? Gute Nacht! Weinet nicht! Bleibt getreu des Lebens Pflicht; Liebt das Wahre, liebt das Gute; Denn es schläft mit frohem Mute Nur der edle Mensch allein Ruhig ein!