Sterben Sprüche – klassisch

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Sollten irgendwann alle Planeten und Sterne untergehen, auch dann sterben wir nur ein Mal.

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Der Alte Nun steh ich über Grat und Kluft in abendlichen Rosen, und höre durch die klare Luft das Leben tief vertosen. Ein Adler rauscht ins Tal hinab, wo meine Toten schlafen, was ich geliebt dort unten hab, weiß ich in sicherm Hafen. Und bin nun über Leid und Zeit und meinen Sternen näher, und schaue in die Ewigkeit, ein stillgemuter Späher. Durch eine selige Bläue schwimmt ein Nachen da herüber, naht, neigt den schwanken Bord, und nimmt sanft schaukelnd mich hinüber.

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Du, der Gelesenste, den alle Leser preisen! Du, Lieber, der der Liebling ist Von unsern dreimal sieben Weisen, Bedenke, daß du sterblich bist!

Bouterwek, Neue Vesta. Kleine Schriften zur Philosophie des Lebens und zur Beförderung der häuslichen Humanität, hg. von Fr. Bouterwek, 11 Bde., 1803-1810

Ich möcht' nicht … Ich möcht' nicht sterben als Journalist [Und blühten mir Bolzens unsterbliche Ehren!] Und bis ans Ende den Tagesmist In dampfende Häuflein zusammenkehren. Ich möcht' nicht sterben als Kapitalist, Die letzte Nacht in der Sorge Krallen: Ob Eisen und Kohle noch sicher ist, Und ob in London die Minen gefallen. Ich möcht' nicht sterben, vom Beifall umtobt Unreifer Gesellen, die mich gelesen, Und heiß von Müller und Schultze gelobt, Weil ich »talentvoll«, wie sie, gewesen. Ich möcht' nicht sterben im Überfluß, Nicht als Gehetzter kommen zur Strecke. Ich möchte sterben an einem Kuß, Geraubt hinter blühender Weißdornhecke. An einem Kuß, von Lippen getauscht, Die schauernd im ersten Maiwind erschlossen, Auf die, die alle meine Träume berauscht, Der Lenz seine seligsten Freuden gegossen. Ich möchte sterben, wie einer schied, Den hatten die seligen Götter gerne: Die Hand am Humpen, im Herzen ein Lied Und im brechenden Blick die ewigen Sterne.

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Von Natur aus weiß der Mensch standhaft zu leiden und stirbt in Frieden. Die Ärzte mit ihren Verordnungen, die Philosophen mit ihren Lehrsätzen, die Priester mit ihren Ermahnungen entmutigen sein Herz und machen, daß er das Sterben verlernt.

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Für ewig ist ja nicht gestorben, Was man für diese Welt begräbt.

Holtei, K., Gedichte. Aus: Die letzte Stunde, 1839

Auch die Nachtigall röchelt in ihrer Todesstunde.

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Wenn ich einmal von hier mich wende, sei dies mein Abschiedswort: unübertrefflich ist, was ich gesehen.

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Die Urnen edler Geister fachen hell das Feuer in einer starken Seele an [...]. Nur wer kein Erbteil hinterläßt an Liebe, den freut die Urne wenig.

Foscolo, Die Gräber (I sepolcri), 1807

Der Große ist ein geborenes Kind. Wenn er stirbt, hinterlässt er der Welt die große Botschaft des Kindes.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [125]

Für alle tritt mit der letzten Stunde dasselbe ein, was vor der ersten war, und Gefühl und Bewußtsein gibt es für Seele und Körper nach dem Tode so wenig als vor der Geburt. Menschliche Eitelkeit setzt die Existenz in die Zukunft fort, und erlügt ein Leben in die Zeit des Todes hinein, indem sie der Seele bald Unsterblichkeit, bald Umgestaltung, bald den Unterirdischen Bewußtsein beilegt und Manen verehrt und die zu Göttern macht, die sogar Menschen zu sein aufgehört haben.

Plinius d. Ä., Naturgeschichte (Naturalis historia), ca. 77 n. Chr. 7, 188f. Deutsche Übersetzung bei Ludwig Friedländer in: Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der Zeit von August bis zum Ausgang der Antonine (3. Teil), Leipzig 1871

Was vollkommen ward, alles Reife – will sterben!

Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, 1883-1885 (1. vollständige Ausgabe aller Teile 1892). Vierter und letzter Teil, 1885. Das Nachtwandler-Lied

Was ein Sterbender sagt, wird immer bedeutsam; durch das Menschliche klingt das Ewige hindurch.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Herr, wie du willst, soll mir geschehn, Und wie du willst, so will ich gehn: Hilf deinen Willen nur verstehn. Herr, wenn du willst, dann ist es Zeit, Und wenn du willst, bin ich bereit, Heut und in alle Ewigkeit.

Kral (Hg.), Christliches Zitatenlexikon, hg. von Josef Kral, 1950. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des IGW Verlags

Amen! Und laß' als guten Mann mich sterben! –

Shakespeare, König Richard III. (The Tragedy of King Richard the Third), Erstdruck 1597

in der Gestalt, wie der Mensch die Erde verläßt, wandelt er unter den Schatten, und so bleibt uns Achill als ewig strebender Jüngling gegenwärtig.

Goethe, J. W., Theoretische Schriften. Winckelmann. Cotta, Tübingen 1805

Wenn einst, im Arm der Lust ermattet, 
Dein Wunsch den müden Flügel dehnt,
 Der Herbst dein Lächeln überschattet
 Und sich dein Blick nach Ruhe sehnt; 
Dann streue durch Platanengänge Erinnerung ihr Dämmerlicht,
 Und selbst der Wehmuth Blick verdränge Das Schattenbild der Freude nicht.

Steigentesch, Gedichte, 2. vermehrte Auflage 1808 (EA: 1805). Originaltext

Letzter Spruch Wie bald sind ausgetrunken die Becher der Zeit, die brausenden – und es folgen die schalen. Und ein Tag kommt – der stillste. Da leerst du den schalsten der Becher. Aber sein Rausch währt ewig. Dann wirst du nicht mehr trinken. Alle läßt du vorüber: denn dich dürstet nicht mehr.

Binding, Sieg des Herzens. Gedichte, 1937

Es gibt für diejenigen, die zum Himmel gehen, keine andere Fähre als die Tugend; sie gleicht dem Schiffe des Kaufmanns, der übers Meer zu gehen gedenkt.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Es gibt niemanden, der nicht anseinem Tagestürbe. Du verlierst nichts vondeinerZeit; denn die, die du noch außerdem hast, gehört eben nicht dir.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 69. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Nemo nisi suo die moritur. Nihil perdis ex tuo tempore, nam quod relinquis alienum est

Ich weiß nicht, ob es nothwendig ist, noch beyzufügen, daß ein Mensch in meinem Alter sich oft und gerne wiederholt, und wenn er sich sogar dem Tode nahe fühlt oder gar auf dem Todbette befindet, sich in Gegenständen, die ihm noch vorzüglich am Herzen liegen, nicht genug wiederholen und nicht satt werden kann, davon zu reden, bis sein Athem ihm selber aus geht.

Pestalozzi, Schwanengesang, 1826. Originaltext