Sterben Sprüche – zukunft
128 Sprüche gefunden
Kein Bedauern, Rufen und kein Klagen, Die weißen Blütenträume sind vorbei. Welkend muß man goldne Blätter tragen. Jung? Ich werde es nicht länger sein. So wie früher wirst du nicht mehr pochen, Herz, erfaßt vom kalten, rauen Reif, Und das Land, aus Birkenbast geflochten, Lockt nicht mehr, es barfuß zu durchstreifen. Wanderlust, dein Geist flammt immer rarer Von den weiten Lippen, bald ist Schluß. Meine Frische konnt ich nicht bewahren, Der Augen Wildheit, der Gefühle Überfluß. Geizig bin ich mit dem Wünschen heute, Du, mein Leben? träumte ich dich nur? Frühjahrshatz, und ich, der junge Reiter Auf rosenrotem Roß, verlor die Spur. Wir alle sind bestimmt, hier zu verwesen, Still rinnt Sirup übers Ahornblatt… Darum seist auf ewig du gepriesen, Daß du kamst zu blühen und dann starbst.
Der Traum eines Neugierigen Kennst du wie ich die lockendsüßen Leiden, Und nennt man einen Sonderling auch dich? Ich lag im Tod. – Begier und Furcht, die beiden Vermischten sich im Herzen wunderlich. Nur Angst und Hoffnung, nichts von Groll und Streiten. Je mehr der Sand der schlimmen Uhr entwich, Fühlt' ich's nur süßer, herber mich durchgleiten, Und von der Welt riss meine Seele sich. Und harrte wie ein Kind, von Gier erfüllt. Den Vorhang hassend, der das Wunder hüllt. Der Vorhang stieg: ein kalter Strahl des Lichts – Und eisiger Schauder durch das Herz mir kroch: Kein Wunder kam, tot war ich, – weiter nichts? Der Vorhang stieg, ich warte immer noch.
Immer besser, immer heiterer!
Wohl bin ich nur ein Ton Im schönen Liede Gottes; Doch wie das schöne Lied Wird nimmermehr verklingen, So wird der Ton im Liede Auch nimmer gehn verloren, Nicht brechen sich am Grabe: Und was im Erdenleben Mit ihm zusammenklang, Wird einst mit ihm erklingen Zu freudigen Akkorden Im Strom des ewgen Liedes.
Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
Herr, wie du willst, soll mir geschehn, Und wie du willst, so will ich gehn: Hilf deinen Willen nur verstehn. Herr, wenn du willst, dann ist es Zeit, Und wenn du willst, bin ich bereit, Heut und in alle Ewigkeit.
Ehe ein Vogel stirbt, werden seine Töne traurig; ehe ein Mensch stirbt, werden seine Worte gut.
Die letzte Stunde wünsche ich mir nicht zu frühe und wünsche sie mir nicht zu spät.
Weise Rüste Speise. Zur vorhabenden Reise. Kalte Rast, Leg ab die Last, Die du nicht mehr nötig hast. Diese Bahn Ist abgetan, Tritt sie nicht von vornen an. Jung und kühn, Mag sich bemühn, Du wirst nicht noch einmal grün.
Todesahnen Es starb der Tag mit seiner Noth ... Die Sonne streut ihr leuchtend Roth Um seinen Sarg und hüllt ihn ein, "Gesegnet soll dein Schlummer sein!" Ein Todestraum kommt über mich – Wie lange noch, dann ruh' auch ich, Und was mir Wonne schuf und Pein, Hüllt leuchtend wohl die Sonne ein!
Schnell gehst du, Welt, schnell läufst du, Jahr. Nichts bleibet wie es gestern war. Und morgen bist du, Mensch, gefällt aus dieser Welt von diesem Jahr.
Letzter Wunsch Was wäre doch mein letzter Wunsch, Wenn ich dereinst zur Grube fahr'? Ein Gräblein tief geborgen wohl Auf einsam stiller Bergeshöh'; Auf jener Höh', wo ich als Kind Den ersten Schmetterling gesehn, Dem ersten Lerchensang gelauscht An einem lichten Frühlingstag. Doch jenes Zeichen fluchbeschwert, Das wie ein Alp die Welt umarmt, Weil sie ans Kreuz den Besten schlug, – O, pflanzt es nicht auf meinen Staub! Mir pflanzet einen jungen Baum, Auf daß er wachse und gedeih'; Vielleicht kommt einst ein Zimmermann, Der ihn zu einer Wiege fällt. – Vielleicht kommt eine Mutter, die Ein Kindlein in die Wiege legt, Das noch einmal die Welt erlöst Und nicht dafür gekreuzigt wird.
Glaube des Lahmen Erlöst von irdischen Gebresten, Flieg' einst ich auf zu himmlischen Festen, Vergessen ist das Weh der Erden, Wenn meine Füße Flügel werden!
Letzter Spruch Wie bald sind ausgetrunken die Becher der Zeit, die brausenden – und es folgen die schalen. Und ein Tag kommt – der stillste. Da leerst du den schalsten der Becher. Aber sein Rausch währt ewig. Dann wirst du nicht mehr trinken. Alle läßt du vorüber: denn dich dürstet nicht mehr.
Wohin können wir denn sterben, wenn nicht in immer höheres, größeres – Leben hinein!
Es gibt niemanden, der nicht anseinem Tagestürbe. Du verlierst nichts vondeinerZeit; denn die, die du noch außerdem hast, gehört eben nicht dir.
Darf ich mir noch ein Glück zum letzten Ziel erlesen; So stell' im Scheiden sich bei mir kein Schrecken ein: Und wie bisher mein Schlaf des Todes Bild gewesen; So müss' auch einst mein Tod dem Schlummer ähnlich sein!
Vorgefühl Wieder hüllen Wolkenmassen Über mir den Himmel ein; Meines Schicksals neidisch Hassen Dräut mit kaum verschmerzter Pein ... Tret' ich meinem Los entgegen Mit verachtungstrotz'gem Mut? Wird auch jetzt die Seele hegen Stolz, Geduld und Jugendglut? Matt bin ich vom Sturm des Lebens, Zittern macht mich kein Orkan! Ach, vielleicht strebt nicht vergebens Sichrem Hafen zu mein Kahn! ... Doch mit schmerzumflorten Blicken Ahn' ich naher Trennung Qual – Und ich eile, dir zu drücken Deine Hand zum letztenmal. Flüstre „Lebe wohl!“ mir herzlich, Du mein holdes Engelsbild! Hebe oder senke schmerzlich Deinen Blick so lieb und mild – Ewig wird das Deingedenken Stolze Kraft und Hoffnungsmut Meiner müden Seele schenken, Als Ersatz der Jugenglut.
Todesgedanken Ich bin noch nicht gestorben, Und wenn ich einmal sterbe, Dann will man mich begraben, Und dann soll ich vermodern, Und nicht noch einmal tanzen. Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Rosen pflükken, Weil ich den Duft noch rieche; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Mädchens küssen, Weil ich den Kuß noch fühle; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich den Wein verbrauchen. Werd ich im Grab auch dursten?
Die Menschen taumeln hin zum Schlunde
Sicher ist, dass man sterben muss, unsicher, ob bereits an diesem Tag.