Sterben Sprüche – zukunft
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Soll ich dann nicht mehr sein Wenn ich dir fern bin? Wirst du dann Erde sein Wenn ich ein Stern bin? Folgest du mir nicht mehr Wenn ich entschwunden? Wenn ich entfesselt schon bist du gebunden? – Leben und Tod ist nur Gleiches Berauschen. Sterne und Erde sind Nicht mehr zu tauschen. Sterb ich dir heute nicht Sterb ich dir morgen: Schwebend im Gleich des All Sind wir geborgen.
Der Alte Nun steh ich über Grat und Kluft in abendlichen Rosen, und höre durch die klare Luft das Leben tief vertosen. Ein Adler rauscht ins Tal hinab, wo meine Toten schlafen, was ich geliebt dort unten hab, weiß ich in sicherm Hafen. Und bin nun über Leid und Zeit und meinen Sternen näher, und schaue in die Ewigkeit, ein stillgemuter Späher. Durch eine selige Bläue schwimmt ein Nachen da herüber, naht, neigt den schwanken Bord, und nimmt sanft schaukelnd mich hinüber.
Schlacht – Abend – Gewölk Nun sterben Mädchennamen auf Lippen von Männern. "Wie machtlos sind diese lieblichen Amulette!" Letzte Gedanken, schon ohne Hoffnung, flattern gleich Schmetterlingen lautlos davon; nicht mehr weit. Wie leicht wird nun alles. Es ist, als hübe das Sterben die Leiber sanft aus den Armen der Erde empor: wie man einer Mutter ein Kind abnimmt. – Die Stimmen der Sehnsucht verstummten. Gestillt auf immer war das Verlangen nach Fernem. Besinnung wurde langsam hinausgetragen wie ein Licht. Nur das Auge wandte noch einmal ewig suchend sich auf zum erblindenden Himmel. – Dann kam der Tod, der alles einfach macht. Hingelagert aber ins Abendblau, leicht auf die Lüfte gestützt ruhten die großen weißen Wolken, niemandem untertan: stille erhabene Throne in das Ewige hinausgeschoben.
Die Kapelle Droben stehet die Kapelle, Schauet still ins Tal hinab. Drunten singt bei Wies' und Quelle Froh und hell der Hirtenknab'. Traurig tönt das Glöcklein nieder, Schauerlich der Leichenchor, Stille sind die frohen Lieder, Und der Knabe lauscht empor. Droben bringt man sie zu Grabe, Die sich freuten in dem Tal. Hirtenknabe, Hirtenknabe! Dir auch singt man dort einmal.
Nun hat das Leben mir auch dich genommen… nun hab ich nichts mehr zu verlieren, nichts! du warst das Letzte, das ich einst noch lieb gewonnen… und halten wollte… halten… o mit der ganzen Sehnsucht dessen, der es noch einmal wagt, sich aufzuraffen, den Glauben seiner Jugend sich zu retten… Du warst ihr großer Sonnenuntergang… Nun hab ich nichts mehr zu verlieren, drum ich zittern müßte… nichts mehr, nichts, das mir das Haupt könnt beugen… nichts mehr, nichts, das mich noch zwänge, auf den Knien zu liegen! Nun … werd ich … siegen!
Ich möcht' nicht … Ich möcht' nicht sterben als Journalist [Und blühten mir Bolzens unsterbliche Ehren!] Und bis ans Ende den Tagesmist In dampfende Häuflein zusammenkehren. Ich möcht' nicht sterben als Kapitalist, Die letzte Nacht in der Sorge Krallen: Ob Eisen und Kohle noch sicher ist, Und ob in London die Minen gefallen. Ich möcht' nicht sterben, vom Beifall umtobt Unreifer Gesellen, die mich gelesen, Und heiß von Müller und Schultze gelobt, Weil ich »talentvoll«, wie sie, gewesen. Ich möcht' nicht sterben im Überfluß, Nicht als Gehetzter kommen zur Strecke. Ich möchte sterben an einem Kuß, Geraubt hinter blühender Weißdornhecke. An einem Kuß, von Lippen getauscht, Die schauernd im ersten Maiwind erschlossen, Auf die, die alle meine Träume berauscht, Der Lenz seine seligsten Freuden gegossen. Ich möchte sterben, wie einer schied, Den hatten die seligen Götter gerne: Die Hand am Humpen, im Herzen ein Lied Und im brechenden Blick die ewigen Sterne.
Ein wundersames Wort das Einst: Es weist auf das, was war, zurück, Und wenn du um Verlornes weinst, Verheißt es dir zukünft'ges Glück. Einst war's um dich, in dir so licht, Dann kam das Voneinandergehn; Doch sei getrost, verzage nicht: Einst kommt ein schönes Wiedersehn.
Der Morgen O sieh den Morgen lächelnd sich entschleiern, O sieh den Turm, wie er von Strahlen glüht. Horch! Wie dem Ruhm die Freude, zieht Des jungen Tages ersten Feuern Entgegen schon der Wälder erstes Lied. Ja, lächle nur bei all dem Schönen. Dieselbe Sonne leuchtet deinen Tränen, Wenn morgen mich der dunkle Sarg verschlingt. Ob meinem Grabe von denselben Tönen Erschallt der Wald, davon er heute klingt? Dann aber wird die Seele selig schweben Im Grenzenlosen über Raum und Zeit. Im Morgenrot der Ewigkeit Wird man erwachen einst vom Leben, Gleichwie aus wüster Traumgesichte Streit.
Der Himmel ist geöffnet über mir, Und eine Stimme, solchen Wohllauts voll, Wie niemals ihn ein Erdenkind vernahm, Der ewgen Liebe und der Allmacht Stimme Vereint zu einem wundersamen Klang, Ruft laut aus lichten Höhen: »Komm – o komm!« Ich aber steh auf einem uferlosen, In Eisesfrost erstarrten Ozean; Da grünt kein Baum, da wellen keine Hügel, Da ragt kein Bergesgipfel wolkennah; Die Sehnsucht flammt, doch hebt sie nicht empor, Und Flügel – Flügel – hat mir Gott versagt.
Der Pfropfen springt, in Wehmut sei geweiht Das erste Glas und seine duftge Blume Der früh entschwundnen frohen Jugendzeit, Dem still geträumten, nie erfüllten Ruhme. Das zweite Glas dir, holdes Frauenbild, Und meiner Liebe unerloschnen Gluten, Ich sehe dich, du lächelst freundlich mild Entgegen mir aus diesen goldnen Fluten. Das letzte Glas trink ich mir selber zu, Um keine Hoffnung hab ich mehr zu werben, Ein rasches Ende, eine lange Ruh . . . Die Flasche leer – es liegt das Glas in Scherben.
Meine Grabschrift Ich hab' die Sonne des Tages gesehn, Nun ist es Zeit zum Schlafengehn. Nun ist es Zeit, nach Sorgen und Wachen Die Augen in Frieden zuzumachen. Und wem mein Schatten im Herzen lag, Der soll mich vergessen am dritten Tag. Doch wem ich ein wenig Licht gegeben, Der laß' im Herzen mich weiterleben.
Für ewig ist ja nicht gestorben, Was man für diese Welt begräbt.
Hier soll ich also dauernd bleiben, hier ist mein Haus und Hof bestellt – mich aber plötzlich überfällt ein Bangen, nimmer zu beschreiben! Hier ist mein Hof, hier ist mein Haus – und auch mein Grab – hier harrt die Erde, bereit, daß ich verschüttet werde! Mir ist, als wär' mein Hoffen aus! Mir ist, als ob der Tod sich setze zu mir, in eine stille Ecke wie Spinnen an der Zimmerdecke, zu weben mich in seine Netze!
Der Mensch möchte nicht gern sterben, weil er nicht weiß, was dann kommt. Bildet er sich ein, es zu wissen, dann möchte er es auch nicht gern; weil er das Alte noch ein wenig mitmachen will. Ein wenig heißt hier: ewig.
Ich will in die Sonne sehn Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, wie sie in brennenden Wolken verloht… ich will mit der Sonne gehn, wenn ich sterbe, in sommerflammendem Abendrot. Die Fenster auf! dort drüben ist meine Heimat und nicht in eurer Nacht und Not! Ich will in die Sonne sehn, wenn ich sterbe, und sinken gleich ihr in strahlendem Tod.
Augentrost O laß es gern geschehen, Daß dir dein Auge blind! Was willst du denn noch sehen, Altes, betrognes Kind? Willst du den Lenz erzwingen Durch buntgefärbtes Glas? Soll dir noch Blumen bringen Das längst verwelkte Gras? Die lichten Regenbogen, Die Schlösser in der Luft, Alter! sind fortgezogen, Du siehst nur eis'gen Duft. Lenz, Sommer sind geschieden, Nur Winter siehest du. Alter! o schließ in Frieden Die müden Augen zu.
Dämmer-Empfindung Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist's, das ich gewinnen, Und was, womit ich's kaufen soll? Trat unsichtbar mein Erbe, Ein Geist, ein luft'ger, schon heran, Und drängt mich, daß ich sterbe, Weil er nicht eher leben kann? Und winkt mir aus der Ferne Die Traube schon, die mir gereift Auf einem andern Sterne, Und will, daß meine Hand sie streift?
Wenn ich einmal von hier mich wende, sei dies mein Abschiedswort: unübertrefflich ist, was ich gesehen.
Geistige Höhe Siehst du dort die Alpenfirne Ragen in das reine Blau? Rosig Licht küßt ihr die Stirne, Ihren Fuß hüllt Nebelgrau. Also soll dein Geist sich heben Aus dem Druck der Erdenqual, Auf zu reinem Geistesleben, In der Wahrheit Himmelsstrahl. Unablässig mußt du kämpfen, Ringen mit der ganzen Kraft, Bis du aus den trüben Dämpfen Dich zur Klarheit aufgerafft. Wirst von Erdenleid genesen Auf des Denkens reiner Höh'; Und zu Staub wird bald verwesen All' dein vieles Lebensweh. Einsam freilich wirst du stehen, Von der Welt vergessen auch; Aber frisch wird dich umwehen Gottes ew'ger Liebeshauch.
Sterben ist das Auslöschen der Lampe im Morgenlicht, nicht das Auslöschen der Sonne.
Ist die Zeit gekommen, bleibe ich nicht länger hier. Mein Herz lebt in diesem jungen Baum – in seinen Blüten, in seiner zarten Blätter Tanz. Meine Hoffnung auf immer neue selige Frühlinge bleibt bestehen. Ich selbst werde gehen.