Sterben Sprüche – zukunft

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Auferstehung Wenn einer starb, den du geliebt hienieden, So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, Daß ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden. Da fühlst du bald, daß jener, der geschieden, Lebendig dir im Herzen auferstehe; In Luft und Schatten spürst du seine Nähe, Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden. Ja, schöner muß der Tote dich begleiten, Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein, Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten. Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten; Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Drittes Buch. Neue Sonette als Intermezzo

Ich will ein großes Vielleicht aufsuchen. Laßt den Vorhang fallen, das Stück ist ausgespielt.

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Laß mich beizeiten Amen sagen, ehe mir der Teufel einen Querstrich durch mein Gebet macht.

Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice), Erstdruck 1600

Die Menschen schlafen; wenn sie aber sterben, dann wachen sie auf.

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Sehr ungleich geht's auf Erden zu, Ich heut, der gestern, morgen du.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Meinen tongeformten Becher brach ich gestern Nacht entzwei; Trunken bin ich wohl gewesen, und mir däuchte, einen Schrei Hört' ich durch des Bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen: "Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"

Chayyam, Strophen des Omar Chiijam, übersetzt von Adolf Friedrich Graf von Schack 1878

Schatten sind des Lebens Güter, Schatten seiner Freuden Schar, Schatten, Worte, Wünsche, Taten; Die Gedanken sind nur wahr. Und die Liebe, die du fühlest, Und das Gute, das du tust. Und kein Wachen, als im Schlafe, Wenn du einst im Grabe ruhst.

Grillparzer, Der Traum ein Leben, 1840

Ich gehe fort, – auf einen anderen Stern, auf einen helleren.

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Denn die Geister hoher Weisen schweben Nicht in Nacht sich hüllend aus dem Leben In die Wohnung der Vergessenheit. Ihre Weisheit waltet fort hier oben; Ihrer Weisheit Götterwerke loben Die Entschwebten bis in Ewigkeit. Preis und Dank für ehrenwerte Taten; Preis und Dank für das, was sie geraten, Was sie wohl geordnet, wohl bestellt; Für die Fackel, die sie hoch gehalten, Die des Irrtums Chaos zu gestalten Wandelloser Wahrheit aufgehellt.

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Solange meine Freunde nicht sterben, spreche ich nicht vom Tode.

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Denke zuweilen darüber nach: wer wird wohl einst deinem Sarge folgen? Wer wird wohl einst geneigt sein, für dein Grab einen Kranz zu winden?

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Ich werde die Sonne zum letztenmal sehen!

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In der Fremde Aus der Heimat hinter den Blitzen rot Da kommen die Wolken her, Aber Vater und Mutter sind lange tot, Es kennt mich dort keiner mehr. Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit, Da ruhe ich auch, und über mir Rauschet die schöne Waldeinsamkeit Und keiner mehr kennt mich auch hier.

Eichendorff, J., Gedichte

Totensonntag 1893 Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbenen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Gräbern ruft's herfür: Heute mir und morgen dir! Heute rot und morgen tot! Unser Leben eilt auf Flügeln, Und wir haben's täglich not, Dass wir uns an Andern spiegeln. Wie bald ruft des Herrn Gebot: Heute rot und morgen tot! Mensch, es ist der alte Bund, Und der Tod zählt keine Jahre; Bist du heute noch gesund, Denk an keine Totenbahre! Jedem kommt die letzte Stund', Mensch, das ist der alte Bund! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will sterben, eh' ich sterbe, So wird mir die letzte Not Wenn sie kommt, doch nicht zu herbe. Rüste mich dazu mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Selig, wer in Christo stirbt! Denn ihm wird der Tod zum Leben; Der das Leben hier erwirbt, Dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt: Selig, wer in Christo stirbt!

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Wir gehen immer, wohin wir müssen: wenigen nach und hoffentlich zuletzt denn doch auch vielen vorauf.

Raabe, Deutscher Adel, Erstdruck 1879. 12. Kapitel

Ob nachts auch thränenfeucht dein Pfühl, Und heiß die ruhelosen Lider, Einst wirst du schlummern sanft und kühl, Und keine Sorge weckt dich wieder. Vergehe nicht in Angst und Qual, Es eilt die Stunde, dich zu retten; Vier Bretter nur braucht's dünn und schmal, Ein müdes Menschenherz zu betten. Und du auch findest eine Hand, Die Augen sanft dir zuzudrücken, Mit einer Blume, einem Band Dir Deinen Sarg noch auszuschmücken. Der Tod bring Ruhe deinem Harm, Die dir das Leben nie vergönnte; Halt aus: es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.

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Dämmerung Stille, stille! Der Tag ist vergangen, Tief drunten verklangen Die letzten Stimmen, Im Zwielicht schwimmen Höhen und Wald – Ein Atem weht, Ein zitternd' Gebet Ringsum im Kreise – Und eine Seele geht Auf die letzte Reise.

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Es sei gleich morgen oder heut, Sterben müssen alle Leut.

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Alles geht vorüber Auch dieses wird vorübergehen, Sei's Gram, sei's Lust, Wer kam, der nicht vorübergehen Zuletzt gemußt? Drum tröste dich in allen Wehen, Gib dich zur Ruh' – Wenn jene nicht vorübergehen, So gehest du.

Hammer-Purgstall (Hg.), Duftkörner, aus persischen Dichtern gesammelt, 1836

Ich sah dich an Ich sah dich an. Von fernen Sommertagen Will sich dem Blick ein deutlich Bild entwirr'n. Du hast dein Sehnen schwer mit dir getragen – Nun ward es still um deine müde Stirn. Du hast begraben Hoffen viel und Glauben, Baust fern den Märkten dir dein einsam Haus; Und deine Wünsche ruhn, wie weiße Tauben, Nach Flug und Sturm in schatt'gen Wipfeln aus. In deinen schmalen Fingern seltsam Leben, In ihrem Wirken ein verborgner Sinn, Als ob aus der Vergangenheit Geweben Die Fäden schössen unsichtbar darin. Aus solchen Händen, die nur Güte gaben, Gefaltet nur, um Segen zu erflehn, Möcht' ich aufs Herz die letzten Rosen haben, Wenn scharrend vor dem Haus die Rappen stehn…

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Ins stille Land! Wer leitet uns hinüber? Schon wölkt sich uns der Abendhimmel trüber, Und immer trümmervoller wird der Strand. Wer leitet uns mit sanfter Hand Hinüber, ach! hinüber Ins stille Land? Ins stille Land! Zu euch, ihr freien Räume Für die Veredlung! Zarte Morgenträume Der schönen Seelen! künft'gen Daseins Pfand. Wer treu des Lebens Kampf bestand, Trägt seiner Hoffnung Keime Ins stille Land. Ach Land! ach Land! Für alle Sturmbedrohten Der mildeste von unsers Schicksals Boten Winkt uns, die Fackel umgewandt, Und leitet uns mit sanfter Hand Ins Land der großen Toten, Ins stille Land.

Salis-Seewis, J. G., Gedichte