Sterben Sprüche – zukunft
128 Sprüche gefunden
Entheb' dein Herz der Hoffnung – es muß gegangen sein, Weiß ward das schwarze Haar dir – es muß gegangen sein. O Wanderer du, töricht – ist jetzt die Zeit für Schlaf? Die Nacht schwand; nun ist Morgen: es muß gegangen sein!
Der Tod, diese erhabene Abendröte unsers Thomastages, dieses herübergesprochene große Amen unserer Hoffnung, würde sich wie ein schöner, bekränzter Riese vor unser tiefes Lager stellen und uns allmächtig in den Äther heben und darin wiegen, würden nicht in seine gigantischen Arme nur zerbrochene, betäubte Menschen geworfen; nur die Krankheit nimmt dem Sterben seinen Glanz, und die mit Blut und Tränen und Schollen beschwerten und befleckten Schwingen des aufsteigenden Geistes hangen zerbrochen auf den Boden nieder.
Ich kenne jenen Berg Bachu, auf den sich der Himmel stützt: Er ist aus Tjhstein, 300 Ruten beträgt seine Länge. 120 Ruten sind seine Breite. Suchos, der Herr von Bachu, ist im Osten dieses Berges, sein Tempel ist aus Karneol. Eine Schlange ist auf dem Scheitel jenes Berges, 100 Ellen in ihrer Länge, davon sind vorn drei Ellen aus Feuerstein. Ich kenne den Namen dieser Schlange: "der auf seinem Berge, der in seinem Feuer" ist ihr Name. Aber zur Zeit des Abends wendet sie ihr Auge gegen Re, da gibt's ein Stillstehen unter der Schiffahrtsmannschaft und großes Staunen auf der Fahrt. Da beugt sich Seth ihr entgegen. Der Spruch, den er als Zauber sagt: "Ich trete dir entgegen, damit die Fahrt in Ordnung kommt. Du, den ich von fern gesehen habe, schließe dein Auge! Ich habe dich gefesselt, ich bin der Männliche, verhülle dein Haupt, damit du wohlbehalten bist und ich wohlbehalten bin. Ich bin der Zauberreiche". Dann geht das Auge des Re (das Sonnenschiff) ein zum Leben.
Wenn ich tot bin In der Truhe liegt ein weißes Kleid und ein grünes Kränzlein dicht daneben – meine Mutter hat es mir gegeben, meine Mutter tut mir gar so leid. "Trag' mein lebelang kein Festgewand, nie wird mich die Myrtenkrone schmücken" – Ging die alte Frau Zypressen pflücken, drückte sie mir weinend in die Hand. Meine Mutter bracht' es fast ins Grab, daß die Leute so verächtlich taten, weil der Herzgeliebte mich verraten, unserm Kinde keinen Namen gab. "Wenn ich tot bin, Mutter, nimm das Kleid und das Myrtenkränzlein aus der Truhe, tu mir ab die schweren Wanderschuhe, lege mir den Hochzeitsstaat bereit. Bald, ich fühl's ist meine Zeit dahin – liebe Mutter, darfst nicht um mich klagen – wenn die Leute kommen nach mir fragen, sag' – daß ich bei meinem Kinde bin…"
Ich möchte hingehn wie das Abendrot…
Die Bahre ist die Wiege des Himmels.
Nein, ich habe nichts versäumet! Wißt ihr denn, was ich geträumet? Nun will ich zum Danke fliegen, Nur mein Bündel bleibe liegen.
Der baltische Junker Die baltischen Junker aus deutschem Geschlecht, Oft waren es wilde Gesellen, Hochmütig und ehrlich und selbstgerecht, Unfähig, sich schlau zu verstellen. Sie lernten zu wenig und jagten zu viel, Sie lebten zu ungebunden Und saßen so gerne beim Kartenspiel Bis tief in die Abendstunden. Und wußten im Stalle besser Bescheid Als unter Schreibern und Knechten Und waren in allen Gefahren bereit, In erster Reihe zu fechten. Und wenn von bolschewistischem Hund Geleitet zum Richtplatz sie gingen, Dann zog es spöttisch um ihren Mund, Bevor sie die Kugel empfingen. Sie lernten zu wenig, sie lebten zu treu Als ihrer Vorfahren Erben, Doch flüsterten selbst ihre Henker scheu: Sie wissen aufrecht zu sterben! Die Hölle gärt. Aus allen Finsternissen Bäumt sich ihr Widerspruch in steiler Wut, Ohnmächtig fordernd, was sich ganz entrissen. Aus Himmeln aber brandet Rosenfeuerglut! Durch dampfendes Gewölk, sich klar enthüllend, Emporgetürmt ins letzte Ätherblau, Mit unfaßbarem Licht die Räume füllend, Wächst eines Münsters Riesenwunderbau! Heerscharen sel'ger Seraphs Stuf' auf Stufen, Verklärten Leib's palmschwingend, -- jedes Ohr Erfüllt ein Preisen, Klingen, Winken, Rufen, -- Es rauscht, es harst, es drängt, es glänzt empor Und jubelt auf in einem Gottfrohlocken! Durch alle Himmel, sternenweltenweit, Schwingen die Glocken -- die Glocken -- die Glocken Der Ewigkeit!
Ja wohl ist sie im Schatten [diese Erde]. Aber der Mensch ist höher als sein Ort: er sieht empor und schlägt die Flügel seiner Seele auf, und wenn die sechzig Minuten, die wir sechzig Jahre nennen, ausgeschlagen haben: so erhebt er sich und entzündet sich steigend, und die Asche seines Gefieders fället zurück, und die enthüllte Seele kömmt allein, ohne Erde und rein wie ein Ton, in der Höhe an – – Hier aber sieht er mitten im verdunkelten Leben die Gebirge der künftigen Welt im Morgengolde einer Sonne stehen, die hienieden nicht aufgeht: so erblickt der Einwohner am Nordpol in der langen Nacht, wo keine Sonne mehr aufsteigt, doch um zwölf Uhr ein vergüldendes Morgenrot an den höchsten Bergen, und er denkt an seinen langen Sommer, wo niemals untergeht.
Wenn in euerer letzten Stunde [...] alles im gebrochenen Geiste abblüht und herabstirbt, Dichten, Denken, Streben, Freuen: so grünt endlich nur noch die Nachtblume des Glaubens fort und stärkt mit Duft im letzten Dunkel.
Die Stunde, nach der ich verlangte, ist nun gekommen.
Bald Es währt noch eine kurze Weile, daß du durch diese Straße gehst hinauf, herab die lange Zeile, und manchmal grüßend stillestehst. Bald wird der ein' und andre sagen: Den Alten sehen wir nicht mehr, er ging an kalt' und warmen Tagen doch hier sein Stündchen hin und her. Es sei! Des Lebens volle Schalen hab ich geneigt an meinen Mund, und auch des Lebens ganze Qualen hab ich geschmeckt bis auf den Grund. Getan ist manches, was ich sollte, nicht spurlos laß' ich meine Bahn; doch manches, was ich sollt' und wollte, wie manches ist noch ungetan! Wohl sinkt sie immer noch zu frühe herab, die wohlbekannte Nacht, doch wer mit aller Sorg und Mühe hat je sein Tagewerk vollbracht! Schau um dich! Sieh die hellen Blicke, der Wangen jugendfrisches Blut, und sage dir: In jede Lücke ergießt sich junge Lebensglut. Es ist gesorgt, brauchst nicht zu sorgen; mach Platz, die Menschheit stirbt nicht aus. Sie feiert ewig neue Morgen, du steige fest ins dunkle Haus!
Der Mensch wird zu Erde. Der Name wird zu Rauch. Das Ende wird Staub und Asche sein.
An die Parzen Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe. Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil'ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen, Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinabgeleitet; Einmal Lebt' ich, wie Götter, und mehr bedarf's nicht.
Den letzten Tag sollst du nicht fürchten und nicht herbeisehnen.
Der Sonnen und deß Menschen Untergang Untergehn und nicht vergehn Ist der Sonnen Eigenschafft. Durch des Schöpffers Will und Krafft Stirbt der Mensch zum Aufferstehn.
Dryander mit der Komödiantenbande Mich brennts an meinen Reiseschuhn, Fort mit der Zeit zu schreiten – Was wollen wir agieren nun Vor so viel klugen Leuten? Es hebt das Dach sich von dem Haus Und die Kulissen rühren Und strecken sich zum Himmel 'raus, Strom, Wälder musizieren! Und aus den Wolken langt es sacht, Stellt alles durcheinander, Wie sichs kein Autor hat gedacht: Volk, Fürsten und Dryander. Da gehn die einen müde fort, Die andern nahn behende, Das alte Stück, man spielts so fort Und kriegt es nie zu Ende. Und keiner kennt den letzten Akt Von allen, die da spielen, Nur der da droben schlägt den Takt, Weiß, wo das hin will zielen.
Ich sag euch gute Nacht und trete willig ab. Sonst alles ist getan bis an das schwarze Grab.
Ich werde eines Tages sterben! Wie? Ich werde sterben, ich, der spricht, ich, der sich fühlt und berührt, ich könnte sterben? Es bereitet mir einige Mühe, das zu glauben: denn schließlich ist nichts natürlicher, als daß die anderen sterben: man sieht es alle Tage: man sieht sie dahingehen und man gewöhnt sich daran; aber selbst sterben? Persönlich sterben? Das ist ein ziemlich starkes Stück.
Viel tausend Jahr' hat der Himmel gelacht, Bevor man hat an dich gedacht; Die Blumen, sie blühten, die Vögel, sie sangen, Eh' Dir ein Frühling aufgegangen; Von tausend Tagen unendlicher Lust Hast nichts, o Menschenkind, gewußt, Und doch ist's dir nicht eben leid Um jene nicht genoss'ne Zeit. Warum willst du dich nun beklagen, Daß, wenn sie dich zu Grabe tragen, Du wieder von viel tausend Jahren Wirst nichts empfinden und nichts erfahren?
Vor den Türen Ich habe geklopft an des Reichtums Haus; Man reicht mir 'nen Pfennig zum Fenster heraus. Ich habe geklopft an der Liebe Tür; Da stehen schon fünfzehn andre dafür. Ich klopfte leis an der Ehre Schloß; "Hier tut man nur auf dem Ritter zu Roß." Ich habe gesucht der Arbeit Dach; Da hört' ich drinnen nur Weh und Ach! Ich suchte das Haus der Zufriedenheit; Es kannt' es niemand weit und breit. Nun weiß ich noch ein Häuslein still, Wo ich zuletzt anklopfen will. Zwar wohnt darin schon mancher Gast, Doch ist für viele im Grab noch Rast.