Wahrheit Sprüche

Sprüche über Wahrheit

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Nicht jeder kann die Wahrheit sehn, aber sein.

Kafka, Oktavhefte. Drittes Heft, 1916

Ist denn nicht jede Darstellung auch von den Dingen außer uns und von dem, was man Tatsachen nennt, subjektiv? Über den aufrichtigen Willen, die Wahrheit zu sagen, kommt niemand hinaus.

Wichert, Richter und Dichter. Ein Lebensausweis, 1899

Es gibt eine Anschauung vom Leben, welche meint, daß da, wo die Menge ist, auch die Wahrheit sei, daß es der Wahrheit selber ein Bedürfnis sei, die Menge für sich zu haben.

Kierkegaard, Tagebücher. 1846

Ein jeder aber hält für Wahrheit, was er sieht, und tut so lange recht daran, als er allein steht und niemand fragen kann, ob er etwa dasselbe auch sähe. Aber so, wie ein Auge dem andern aushilft und erst durch diese gegenseitige Aushilfe ein richtiges Bild gefaßt werden kann, so kommt auch die Vernunft erst durch gegenseitige Aushilfe derer, die wirklich nach Wahrheit fragen, ganz zu sich selber und erhebt sich von der Subjektivität zur Objektivität, und das erst ist die Vernunft in ihrer Einheit, welche als das köstlichste Gut der Menschheit gepriesen wird.

Kügelgen, Lebenserinnerungen des alten Mannes in Briefen an seinen Bruder Gerhard 1840-1867, Leipzig 1923

Man verwechselt oft die Wahrheit mit der Formlosigkeit und glaubt, namentlich im gesellschaftlichen Verkehr, sich gelegentlich eine kleine Oekonomie der Wahrheit gestatten zu dürfen, um nur ja nicht plump und formlos zu erscheinen.

Amyntor, Für und über die deutschen Frauen, 1883. Originaltext

Sie geben, ach! nicht immer Glut, Der Wahrheit helle Strahlen. Wohl denen, die des Wissens Gut Nicht mit dem Herzen zahlen!

Schiller, F., Gedichte. Aus: Licht und Wärme, Erstdruck 1797

So wie es keine so klare Wahrheit giebt, welche man nicht bestreiten kann, so giebt es auch keine so grobe Lüge, welche man nicht mit einem falschen Grund unterstützen könnte.

Johann Jakob Rousseau’s Philosophische Werke. Erster Band. Übersetzer anonym, Albrecht und Compagnie, Reval und Wesenberg, 1779. Brief an Erzbischof Beaumont vom 18. November 1762. Originaltext

Ich rannte zu meinen Träumen, stolperte über die Wirklichkeit und stieß mir den Kopf an der Wahrheit.

Internet

Man kann auf dieser Erden, Durch Zufall viel, und viel durch Mühe werden; Durch Kraft und Mut nur wird der edle Mann!

Tiedge, C. A., Gedichte. Aus: An Karl. Bei Übersendung der Schriften Luthers

Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.

Lessing, Über die Wahrheit, 1777. Eine Duplik

Ein Mann, der Unwahrheit unter entgegengesetzter Überzeugung in guter Absicht ebenso scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr wert als ein Mann, der die beste, edelste Wahrheit aus Vorurteil, mit Verschreiung seiner Gegner, auf alltägliche Weise verteidigt.

Lessing, Über die Wahrheit, 1777

Strom der Wahrheit Wenn versunken Licht und Lärmen, Sitz ich bei der Lampe Schimmer Oft im nächtlich stillen Zimmer, Wo Gedanken mich umschwärmen, Auf ein altes Buch gesenkt Meine Stirne ernstbeschwert; Kühlung mir der Nachtwind schenkt Durch das Fenster unverwehrt. Wundersame Lieder sausen Draußen Wind und Wald und Wetter, Und es wehn des Buches Blätter; Welch ein feierliches Brausen! Und ich lausche und ich lausche, An ein Ufer fern entrückt. – Rausche Strom der Wahrheit, rausche! Meine Seele lauscht entzückt.

Wille, B., Gedichte. Einsiedler und Genosse, 1894. Der Einsiedler

Sie [die Wahrheit] ist ein gefährlich Ding: jedoch kann der rechtliche Mann nicht unterlassen sie zu sagen.

Gracián, Handorakel und die Kunst der Weltklugheit (Oráculo manual y arte de prudencia), 1647. Erste deutsche Übersetzung 1711. Hier in der Übersetzung von Arthur Schopenhauer 1828-32, Erstdruck 1871. [210.]

Laß mich dir so erzählen, wie ich es heute vermag, Ereignisse, Menschen, Gespräche so wiedergeben, wie sie in mir lebendig sind, durch ein langes Leben nicht verwaschen, sondern … von allen entfernenden Nebeln erlöst. Laß mich dir das Vergangene als Wahrheit geben, meine Wahrheit, … und wenn diese Wahrheit der Wirklichkeit nicht immer entsprechen [sollte] …, so darf ich wohl sagen, daß meine Wahrheit auch Wirklichkeit ist, Wirklichkeit in einem höhern, aus der Kenntnis innerer Zusammenhänge geschöpften Verstand.

Waser, Wir Narren von gestern, 1922

Der Wahrheit, die der Lüge Antlitz trägt Soll, wenn es möglich, man die Lippen schließen, Denn unverschuldet bringt sie uns Beschämung.

Dante Alighieri, Die göttliche Komödie (La Divina Commedia), entstanden ca. 1307-1321; Erstdruck 1472. Die Hölle. 16. Gesang

Ist Wahrheit das, was für alle gilt, – oder das, was für alle zu gelten hat?

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Die Liebe zur Wahrheit fordert als unerläßliche Pflicht unbestechliche Gerechtigkeit [...].

Grimm, Paris zündet die Lichter an. Literarische Korrespondenz (Correspondance littéraire, philosophique et critique), hg. von Kurt Schnelle, übersetzt von Herbert Kühn, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung 1977. 1.11.1753. Originaltext der Übersetzung

Es braucht zwei für die Wahrheit – einen, der sie spricht und einen, der sie hört.

Thoreau, Eine Woche auf den Flüssen Concord und Merrimack (A Week on the Concord and Merrimack Rivers), 1849. Wednesday. Übers. Internet

Es ist nicht mehr als ein moralisches Vorurteil, dass Wahrheit mehr wert ist als Schein; es ist sogar die schlechtest bewiesene Annahme, die es in der Welt gibt.

Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886. Zweites Hauptstück. Der freie Geist

Ich muß dahinter kommen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich.

Ibsen, Nora oder Ein Puppenheim (Et dukkehjem), 1879. Originaltext der Übersetzung

Es ist eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Der Begriff von Pflicht ist unzertrennbar von dem Begriff des Rechts. Eine Pflicht ist, was bei einem Wesen den Rechten eines anderen entspricht. Da, wo es keine Rechte gibt, gibt es keine Pflichten. Die Wahrheit zu sagen, ist also eine Pflicht; aber nur gegen denjenigen, welcher ein Recht auf die Wahrheit hat. Kein Mensch aber hat Recht auf eine Wahrheit, die anderen schadet.

Frankreich im Jahr 1797, Sechstes Stück, Nr. I: Von den politischen Gegenwirkungen. Zitiert von Kant in: Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen, 1797