Wahrheit Sprüche – philosophisch

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Daß Sokrates ein Prediger der Wahrheit sei, sollten auch seine Feinde bezeugen, und wie hätten sie es anders bezeugen können, als daß sie ihn töteten?

Lessing, Gedanken über die Herrnhuter, 1750

Im Sand der Wüste liegt eine Pyramide begraben – mit der Spitze nach unten, sie umschließt die Wahrheit des Menschengeschlechts. Die Wahrheit liegt im Wüstensand begraben, auf daß die Menschen den, der sie durch Zufall entdeckt, für einen Narren halten, dessen Gehirn von der Einsamkeit und der Sonne verbrannt wurde.

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Die innere Wahrheit ist keine wächserne Nase, die sich jeder Schelm nach seinem Gesichte bossieren kann, wie er will.

Lessing, G. E., Fragmentenstreit. Eine Duplik (an Goeze), 1778

Das, was unter der Gestalt der Wahrheit unter allen Völkern herumschleicht und auch von den Blödsinnigsten angenommen wird, ist gewiß keine Wahrheit, und man darf nur getrost die Hand, sie zu entkleiden, anlegen, so wird man den scheußlichsten Irrtum nackend vor sich stehen sehen.

Lessing, Der Freigeist, entstanden 1749, Erstdruck 1755. 4. Akt, 3. Auftritt, Adrast

Der Eid ist der Zeuge der Wahrheit.

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Im Wahrheitsstreben darfst du nie ermatten, Such' stets, was Schatten wirft, und nicht den Schatten.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Auch eine schädliche Wahrheit ist nützlich, weil sie nur Augenblicke schädlich seyn kann und alsdann zu andern Wahrheiten führt, die immer nützlich und sehr nützlich werden müßen und umgekehrt ist ein nützlicher Irrthum schädlich, weil er es nur augenblicklich seyn kann und in andre Irrthümer verleitet die immer schädlicher werden.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 8. Juni 1787

Und im allgemeinen bin ich der Ansicht, daß nichts wahrer ist als das Glück und nichts beglückender und angenehmer als die Wahrheit.

Leibniz, Kleinere philosophische Schriften, hg. und übersetzt von Robert Habs 1884. XX. Über den letzten Ursprung der Dinge

Es ist eine Wahrheit, und nur eine. Die läßt sich mit Gewalt nichts nehmen, und dringet sich niemand auf; sie teilt sich aber mit, mehr oder weniger, wenn sie mit Demut und Selbstverleugnung gesucht wird, »mit Furcht und Zittern«, sagt der Apostel.

Claudius, Asmus omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 1774-1812. Vorrede 1812

Die Wahrheit hält die Gemüter, die sich nicht erniedrigen können, fern von der Gewalt und tröstet sie in ihrer Einsamkeit.

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Jene Irrtümer, die sich noch als die praktisch zweckmäßigsten erwiesen haben, nennt man »Wahrheit«.

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Aber die Kreise des Wahren berühren sich unmittelbar; aber in den Intermundien hat der Irrtum Raum genug, sich zu ergehen und zu walten.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus dem Nachlass. Über Natur und Naturwissenschaft

Wenn du zwischen Wahrheit und Lüge in die Enge kommst, entscheide dich ohne Nachsinnen für die Wahrheit. Sie ist immer die bessere, gesagt zu werden.

Platen, Lebensregeln, 1817. [43]

Es ist schlimm genug, daß heutzutage die Wahrheit ihre Sache durch Fiktion, Romane und Fabeln führen lassen muß.

Lichtenberg, Sudelbuch J, 1789-1794. [J 1030]

Vernunft allein tut Wunder; Gewalt der Wahrheit zwingt der Menschen Herzen.

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Die Wahrheit ist für viele Tröpfe wie starker Wein für schwache Köpfe; drum wässert sie so mancher Schlucker und gibt dazu noch – etwas Zucker.

Tonger (Hg.), Wollen und Wirken (der 'Lebensfreude' 2. Bd.). Sprüche und Gedichte, gesammelt und hg. von P. J. Tonger, o.J. (um 1910)

Ich komme mit weniger Wiederholungen aus, weil ich mich an die Wahrheit halte. Eine zweifelhafte Behauptung muss recht oft wiederholt werden, dann schwächt sich der Zweifel immer etwas ab und findet Leute, die selbst nicht denken, aber annehmen, mit soviel Sicherheit und Beharrlichkeit könne Unwahres nicht gedruckt werden.

Bismarck, Reden. Im Reichstag, am 14. Juni 1882

Durch zwei Pforten gehen Wahrheiten in unseren Geist ein; durch den Verstand und durch den Willen. Am natürlichsten ist der erste Weg, aber am gewöhnlichsten der zweite.

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Im Gebiete der Wahrheit aber, der naturgeschichtlichen ebenso wie der geistigen, gibt es keinen mathematischen Beweis, weil die Elemente der Mathematik nicht vorhanden sind. Es gibt nur den Beweis des Erlebnisses. Wir werden nur dessen inne, was wir als Tatsache durchschreiten und sind gar nicht fähig, etwas zu verstehen, was wir nicht an uns erlebt und erfahren haben.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Man ist in Gefahr, sich auf dem Wege zur Wahrheit zu verirren, wenn man sich um gar keine Vorgänger bekümmert; und man versäumet nicht ohne Not, wenn man sich um alle bekümmern muß.

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Und so [...] gebe ich mit innigem Ernst das Buch hin, in der Zuversicht, daß es früh oder spät diejenigen erreichen wird, an welche es allein gerichtet sein kann, und übrigens gelassen darin ergeben, daß auch ihm in vollem Maße das Schicksal werde, welches in jeder Erkenntnis, also umso mehr in der wichtigsten, allezeit der Wahrheit zuteil ward, der nur ein kurzes Siegesfest beschieden ist, zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Vorrede zur ersten Auflage