Zeit Sprüche

Sprüche über Zeit und Vergänglichkeit

760 Sprüche in dieser Kategorie

Sowohl Zukünftiges als auch Vergangenes erfreuen gleichermaßen: dieses durch die Erwartung, jenes durch die Erinnerung.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 99. Brief. Übers. Internet Originaltext: Et futura et praeterita delectant, haec expectatione, illa memoria.

Zeitlied Es war eine Zeit, Da ich mein Leid Liebte, Weil mir kein Lieb Übrig blieb Als meine betrübte Seele, die leidgeübte. Es gab eine Zeit, Da ich die Einsamkeit Zu mir lud Zu Gaste Und alles Zweisein haßte. Ich trug nur verblaßte Bänder am Hut. Es war eine Zeit, Da mich würgte der Neid, Wie ein enges Kleid. Doch nachts, wenn der Gram Zu mir kam, Hab' ich ihn wie ein Kind Gewiegt, Das im Fieber liegt Und sich bangt vor dem bösen Wind. Dann kam die Zeit, Die du geweiht Mit deinen Küssen, Wo aus Finsternissen Ein neues Leben Morgenrot mait. Einst kommt die Zeit Der reifenden Reben, Zeit des Erfüllens, Des siegenden Willens, Der Zeitüberwinder, Der seligen Sünder — —: Sei bereit!

Zuckermann, Gedichte, Wien 1915

Es will die Zeit mit ihrem Schutt verdecken Den hellen Quell, der meiner Brust entsprungen, Umsonst Gebete himmelan geschwungen, Sie mögen nicht das Ohr der Gnade wecken. So laß die Nacht die grausen Flügel strecken, Nur immerzu, mein tapfres Schiff gedrungen! Wer einmal mit den Wogen hat gerungen, Fühlt sich das Herz gehoben in den Schrecken. Schießt zu, trefft, Pfeile, die durchs Dunkel schwirren! Ruhvoll um Klippen überm tück'schen Grunde Lenk ich mein Schiff, wohin die Sterne winken. Mag dann der Steuermann nach langem Irren, Rasch ziehend alle Pfeile aus der Wunde, Tot an der Heimatküste niedersinken!

Eichendorff, J., Gedichte. Ausgabe 1841. Sonette, 3.

Die Erde wird erkalten, und nie mehr werden Menschen auf ihr wandeln. Welcher Zeitraum ist der Rede wert, wenn man ihn an Ewigkeiten mißt!

Dohm, Werde, die Du bist, 1894

Zeit ist soviel wert wie Geld. Aber es ist schwer, Zeit mit Geld zu erkaufen.

Internet

Zeit ist wie Flüssigkeit in einem Schwamm: Man bekommt sie, drückt man ihn nur richtig aus.

Internet

Lauter als unsere redseligsten Verteidiger redet die stumme Zeit für uns, darum vertraut dieser, wo ihr ohnmächtig seid gegen den Schein oder den bösen Willen der Menschen.

Pauly, Aphorismen, 1905

Zeit nimmt die kleinen Menschen auf den Arm und hebt sie zu den Häuptern der Großen empor, dass sie so weit sehen wie diese.

Pauly, Aphorismen, 1905

Die Stunde pflegt zurückzubringen, was viele Jahre genommen haben.

Publilius Syrus, Sprüche (Sententiae), um 50 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Solet hora, quod multi anni abstulerunt, reddere

Nichts gibt es, das die Länge der Zeit nicht entweder lindert oder bewältigt.

Publilius Syrus, Sprüche (Sententiae), um 50 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nil non aut lenit aut domat diuturnitas

Ungestüm aber enteilt die Zeit.

Horaz, Gedichte (Carmina). 2, 5, 13. Übers. Internet Originaltext: Currit enim ferox aetas

Schon hat die Zeit ihm die Lasten des Kummers erleichtert.

Seneca, Thyestes. V. 305. Übers. Internet Originaltext: Iam tempus illi fecit aerumnas leves

Das Niedrigste tauscht die unstete Zeit mit dem Höchsten.

Seneca, Thyestes. V. 598. Übers. Internet Originaltext: Ima permutat levis hora summis

Inzwischen aber entweicht, ja entflieht die unwiederbringliche Zeit!

Vergil, Vom Landbau (Georgica), entstanden zwischen 37 und 29 v. Chr. 3,284. Übers. Internet Originaltext: Sed fugit interea, fugit irreparabile tempus!

Was verzehrt ihr nicht, was, ihr langen Tage, ihr Jahre?

Martial, Epigramme, um 101 n. Chr. 9,49 Übers. Internet Originaltext: Quid non, longa dies, quid non consumitis, anni?

Die Dauer ist der Probierstein für menschliche Einrichtungen.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908. Aus: Einige Perlen aus dem reichen Gedankenschatze meiner Mutter. (Anhang)

Dem Wirkenden gönnt der Tag das vielgestaltig ruhige Gleichmaß des Werdens, nur die Geschäftigen haben niemals Zeit.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Die Zeit heilt unsere Schmerzen mit einem feinen Radiermesser; aber immer geht ein Stück vom Herzen mit.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Man kann beobachten, dass Leute, die aus Verlegenheit Zeitmangel vorschützen, alsbald wirklich sich zu eilen anfangen und hastige Bewegungen machen: Sie wünschen die Wahrheit gelogen zu haben.

Hohenemser, Aphorismen, 1918

Wir glauben mit der Stunde zu spielen und die Stunde spielt mit uns.

Engel, Herr Adam und Frau Eva, 1920

Wie lang kann oft ein Augenblick sein und wie kurz ist oft die Ewigkeit.

Engel, Herr Adam und Frau Eva. Dritte Folge, 1928