Zeit Sprüche

Sprüche über Zeit und Vergänglichkeit

760 Sprüche in dieser Kategorie

Die Zeiten sind in uns und nicht wir in ihnen.

Barlach, Die gute Zeit. 10 Akte, 1929

Angeboren ist das Zeitbewußtsein nicht; dem Säugling fehlt es noch; es muß irgendwie erworben, aus irgendwelchen Vorbedingungen psychologisch entstanden sein.

Liebmann, Gedanken und Thatsachen. Philosophische Abhandlungen, Aphorismen und Studien. Erster Band, drittes Heft, Straßburg 1899. Das Zeitbewußtsein. Originaltext

Abend II Was wünscht die Seele? Tod zu spenden oder Sich dem Abend preiszugeben, wie das Rohr Dem Wind die schwanken Rispen preisgibt: schlanke Rehe Schmiegen sie sich. Nieder auf sie Sinkt im Dämmern Furcht.

Krzyzanowski, Unser täglich Gift. Gedichte, 1919

Fort strömt die Zeit und trägt die tote Welt auf ungeteilter Flut zur Ewigkeit.

Sack, Paralyse. Romanfragment, Erstdruck 1913/14. Die Stadt und der Wahnsinn

Die Zeit ist die größte Revolutionärin; nur schreitet ihr eherner Schritt langsam, langsam aufwärts. Und das ist die tiefe Tragik der Vorausdenkenden, daß sie ihre Zeit nie erleben, das heißt, sie kommt erst, wenn sie gegangen sind.

Dohm, Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung, 1902

Wir, Wie uns die Zeit erschafft, erschaffen Zeit.

Herder, J. G., Gedichte. Aus: Schwungkräfte der Menschheit

Die ZarenEin Gedicht-Kreis (1899-1906)I Das war in Tagen, da die Berge kamen: die Bäume bäumten sich, die noch nicht zahmen, und rauschend in die Rüstung stieg der Strom. Zwei fremde Pilger riefen einen Namen, und aufgewacht aus seinem langen Lahmen war Ilija, der Riese von Murom. Die alten Eltern brachen in den Äckern an Steinen ab und an dem wilden Wuchs; da kam der Sohn, ganz groß, von seinen Weckern und zwang die Furchen in die Furcht des Pflugs. Er hob die Stämme, die wie Streiter standen, und lachte ihres wankenden Gewichts, und aufgestört wie schwarze Schlangen wanden die Wurzeln, welche nur das Dunkel kannten, sich in dem breiten Griff des Lichts. Es stärkte sich im frühen Tau die Mähre, in deren Adern Kraft und Adel schlief; sie reifte unter ihres Reiters Schwere, ihr Wiehern war wie eine Stimme tief, – und beide fühlten, wie das Ungefähre sie mit verheißenden Gefahren rief. Und reiten, reiten... vielleicht tausend Jahre. Wer zählt die Zeit, wenn einmal Einer will. (Vielleicht saß er auch tausend Jahre still.) Das Wirkliche ist wie das Wunderbare: es mißt die Welt mit eigenmächtigen Maßen; Jahrtausende sind ihm zu jung. Weit schreiten werden, welche lange saßen in ihrer tiefen Dämmerung.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Das Buch der Bilder, 1902/1906. Des zweiten Buches erster Teil

Ich habe der Zeit ihr Geheimnis geraubt, Von Gestern zu Gestern zurück sie geschraubt, Und schraube zurück sie von Tag zu Tag, Wie einst ich zu Adam gelangen mag.

Chamisso, Gedichte. Aus: Das Dampfross, 1831

Rechnet man die Jahre zusammen, erscheint die Lebenszeit kurz; bedenkt man aber den Wandel der Dinge, scheint es einem eine Ewigkeit.

Plinius der Jüngere, Briefe (Epistulae). Buch IV, Brief 24: C. Plinius [Fabio] Valenti Suo S. Übers. Internet Originaltext: Si computes annos, exiguum tempus, si vices rerum, aevum putes

Zeitlied Ich bin betrübt, doch nicht genug. Da zankt die Welt zerrissen. Die Sterne fallen in den Schnee Der harten Bergeskissen. Der Dunst erstickt die Herde schnell, Der auffliegt aus dem Meere: Aus Bein und Blut und müdem Fleisch Ein Treiben in der Leere. Der Weisen magres Bild, erhöht, Zerschmettert mit den Säulen. Es kreuzt sich Angst- und Jammerzug, Die frischen Gruben heulen. Nun ist es spät, nun ist es schwer, Von Herzen traurig werden, Denn keine Säulen tragen mehr Die Traurigkeit auf Erden.

Loerke, Die heimliche Stadt, 1921

Zeitlos ist nur der an sich tote Punkt.

Klee, Schöpferische Konfession, in: Tribüne der Kunst und der Zeit. Eine Schriftensammlung, Band XIII, hg. von Kasimir Edschmid, Berlin 1920

Spiele, wenn du älter wirst, nichts Modisches. Die Zeit ist kostbar. Man müßte hundert Menschenleben haben, wenn man nur alles Gute, was da ist, kennen lernen wollte.

Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln, in: Neue Zeitschrift für Musik 1850, Jg. 17, Bd. 32, Beilage zu Nr. 36 (3. Mai 1850)

Wagt es aber einer, der selbst für sich niemals Zeit hat, über die Überheblichkeit eines anderen zu klagen?

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 2. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Audet quisquam de alterius superbia queri, qui sibi ipse nunquam vacat

Niemand nehme mir auch nur einen Tag, der nicht etwas Angemessenes für einen so großen Verlust zurückgeben will.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 1. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Nemo ullum auferat diem, nihil dignum tanto impendio redditurus

Befreie dich für dich selbst und erlange und bewahre für dich die Zeit, die dir bisher offen geraubt oder heimlich gestohlen wurde oder aber einfach verloren gegangen ist.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 1. Brief. Übers. Internet Originaltext: Vindica te tibi, et tempus quod adhuc aut auferebatur aut subripiebatur aut excidebat collige et serva

Auch der Raum ist ein zeitlicher Begriff. Wenn ein Punkt Bewegung und Linie wird, so erfordert das Zeit. Ebenso, wenn sich eine Linie zur Fläche verschiebt. Desgleichen die Bewegung von Flächen zu Räumen.

Klee, Schöpferische Konfession, in: Tribüne der Kunst und der Zeit. Eine Schriftensammlung, Band XIII, hg. von Kasimir Edschmid, Berlin 1920

Heilmittel nützen nicht, wenn sie nicht lange Zeit einwirken.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 40. Brief. Übers. Internet Originaltext: Remedia non prosunt nisi inmorantur

O die Zeit ist Ein wundertätger Gott. In einer Stunde rinnen Viel tausend Körner Sandes, schnell wie sie Bewegen sich im Menschen die Gedanken. Nur eine Stunde! Euer Herz kann sich, Das seinige sich wenden – Eine Nachricht Kann kommen – ein beglückendes Ereignis Entscheidend, rettend, schnell vom Himmel fallen – O was vermag nicht eine Stunde!

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799. 5. Akt, 6. Auftritt, Gordon

Einen solchen Umfang bietet dem Weisen seine Lebenszeit wie einem Gott die Ewigkeit.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 53. Brief. Übers. Internet. Originaltext: Tantum sapienti sua quantum deo omnis aetas patet.

Heute kann passieren, was irgendwann passieren kann.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 63. Brief. Übers. Internet Originaltext: Hodie fieri potest quidquid umquam potest

Es wäre ein gewisser Trost für unsere Schwäche und unsere Unternehmungen, wenn alles so langsam verginge wie es entsteht: Der Zuwachs kommt langsam, in den Untergang eilt man.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 91. Brief. Übers. Internet Originaltext: Esset aliquod inbecillitatis nostrae solacium rerumque nostrarum si tam tarde perirent cuncta quam fiunt: nunc incrementa lente exeunt, festinatur in damnum.