Angelus Silesius (1624–1677)

70 Sprüche Aufklärung

Mensch, deine Seligkeit kannst du dir selber nehmen, So du dich nur dazu willst schicken und bequemen.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein; Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden. Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich.

Silesius, Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder (erschienen zuerst unter dem Titel »Geistreiche Trost- und Sinnsprüche«), 1657. Drittes Buch, 107. Sie ergibt sich der ewigen Liebe

Fürwahr, die Tugend lebt, ich sags ohn Deutelei: Lieb, und so siehest du, daß Lieb ihr Leben sei.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Wer nichts begehrt, nichts hat, nichts weiß, nichts liebt, nichts will, Der hat, der weiß, begehrt und liebt noch immer viel.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Lieb üben hat viel Müh: wir sollen nicht allein Nur lieben, sondern selbst, wie Gott, die Liebe sein.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Der Liebe Mittelpunkt ist Gott und auch ihr Kreis, In ihm ruht sie, liebt alls in ihme gleicherweis.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675. Originaltext

Die Lieb ists schnellste Ding, sie kann für sich allein In einem Augenblick im höchsten Himmel sein.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Aus Liebe gehn und stehn, Lieb atmen, reden, singen Heißt seine Lebenszeit wie Seraphim verbringen.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Nicht alles Gut ist gut; Mensch, überred dich nicht, Was nicht im Lieböl brennt, das ist ein falsches Licht.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Das Maß der Seligkeit mißt ihr die Liebe ein; Je völler du von Lieb, je selger wirst du sein.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Die Lieb ist ewig.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wieder bracht. Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich.

Silesius, Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder (erschienen zuerst unter dem Titel »Geistreiche Trost- und Sinnsprüche«), 1657. Drittes Buch, 107. Sie ergibt sich der ewigen Liebe

Die Lieb ist unser Gott, es lebet alls durch Liebe: Wie selig wär ein Mensch, der stets in ihr verbliebe!

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Willst du die falsche Lieb von wahrer unterscheiden, So schau, sie sucht sich selbst und fället ab in Leiden.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Kein Tod ist herrlicher, als der ein Leben bringt. Kein Leben edler, als das aus dem Tod entspringt.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Aus Gott wird man geborn, in Christo stirbet man Und in dem heilgen Geist fäht man zu leben an.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Nicht du bist, der da lebt: denn das Geschöpf ist tot; Das Leben, das in dir dich leben macht, ist Gott.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Die Ros ist ohn warum; sie blühet, weil sie blühet, Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Ein Kampfplatz ist die Welt; das Kränzlein und die Kron Trägt keiner, der nicht kämpft, mit Ruhm und Ehrn davon.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675