Wer Gott in allem Tun von Herzen loben kann, Der hebt schon in der Zeit das ewge Leben an.
Mensch, denkst du Gott zu schaun, dort oder hier auf Erden, So muß dein Herz zuvor ein reiner Spiegel werden.
Es ist zwar wahr, daß Gott dich selig machen will; Glaubst du, er wills ohn dich, so glaubest du zu viel.
Das Wesen Gottes macht sich keinem Ding gemein Und muß notwendig doch auch in den Teufeln sein.
Der Sonne tuts nicht weh, wenn du von ihr dich kehrst, Also auch Gotte nicht, wenn du in Abgrund fährst.
Berührt dich Gottes Geist mit seiner Wesenheit, So wird in dir geborn das Kind der Ewigkeit.
Die Gottheit ist ein Brunn, aus ihr kommt alles her Und lauft auch wieder hin. Drum ist sie auch ein Meer.
Kein Stäublein ist so schlecht, kein Stüpfchen ist so klein, Der Weise siehet Gott ganz herrlich drinne sein.
Mensch, gibst du Gott dein Herz, er gibt dir seines wieder; Ach, welch ein wertrer Tausch! du steigest auf, er nieder.
Gleich wie die Einheit ist in einer jeden Zahl, So ist auch Gott, der Ein, in Dingen überall.
Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben; Werd ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.
Fragst du, wie Gott, das Wort, in einer Seele wohne? So wisse: wie das Licht der Sonnen in der Welt, Und wie ein Bräutgam sich in seiner Kammer hält, Und wie ein König sitzt in seinem Reich und Throne, Ein Lehrer in der Schul, ein Vater bei dem Sohne Und wie ein teurer Schatz in einem Ackerfeld Und wie ein lieber Gast in einem schönen Zelt, Und wie ein Kleinod ist in einer guldnen Krone, Wie eine Lilie in einem Blumental Und wie ein Saitenspiel bei einem Abendmahl Und wie ein Zimmetöl, in einer Lamp entzunden, Und wie das Himmelsbrot in einem reinen Schrein Und wie ein Gartenbrunn und wie ein kühler Wein: Sag, ob er anders wo so schöne wird gefunden?
Ich bin wie Gott und Gott wie ich Ich bin so groß wie Gott, er ist als ich so klein; Er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht sein.
Die heilge Majestät, willst du ihr Ehr erzeigen, Wird allermeist geehrt mit heilgem Stilleschweigen.
Was ist ein Stäubelein in Anschauung der Welt? Und was bin ich, wenn man, Gott, gegen dir mich hält?
Gott ist noch mehr in mir, als wenn das ganze Meer In einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.
Je edeler ein Ding, je mehr ist es gemein; Das spüret man an Gott und seiner Sonnen Schein.
Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier: Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.
Daß Gott gekreuzigt wird, daß man ihn kann verwunden, Daß er die Schmach verträgt, die man ihm angetan, Daß er solch Angst aussteht und daß er sterben kann, Verwundere dich nicht: die Liebe hats erfunden.
Es kann in Ewigkeit kein Ton so lieblich sein, Als wenn des Menschen Herz mit Gott stimmt überein.
Halt an, wo laufst du hin, der Himmel ist in dir; Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.