Angelus Silesius (1624–1677)

70 Sprüche Aufklärung

Drei Tage weiß ich nur als Gestern, Heut und Morgen: Wenn aber Gestern wird ins Heut und Nun verborgen Und Morgen ausgelöscht, so leb ich jenen Tag, Den ich, noch eh ich ward, in Gott zu leben pflag.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Ein wesentlicher Mensch ist wie die Ewigkeit, Die unverändert bleibt von aller Äußerheit.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Wer in dem Wirken ruht Der Weise, welcher sich hat über sich gebracht, Der ruhet, wenn er lauft, und wirkt, wenn er betracht.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Mensch, steig nicht allzu hoch, bild dir nichts übrigs ein, Die schönste Weisheit ist, nicht gar zu weise sein.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675. Originaltext

Ein Narr ist viel bemüht; des Weisen ganzes Tun, Das zehnmal edeler, ist Lieben, Schauen, Ruhn.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Der Weise sucht nur eins und zwar das höchste Gut. Ein Narr nach vielerlei und Kleinem streben tut.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Die Weisheit ist ein Quell, je mehr man aus ihr trinkt, Je mehr und mächtiger sie wieder treibt und springt.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Dumme grinsen, Narren lachen, aber Weise lächeln.

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Du selber machst die Zeit, das Uhrwerk sind die Sinnen; Hemmst du die Unruh nur, so ist die Zeit von hinnen.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, So du nur selber nicht machst einen Unterscheid.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Man sagt, die Zeit ist schnell, wer hat sie sehen fliegen? Sie bleibt ja unverrückt im Weltbegriffe liegen.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Im Grunde ist alles eins Man redt von Zeit und Ort, von Nun und Ewigkeit: Was ist denn Zeit und Ort und Nun und Ewigkeit?

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Es ist kein Tod Ich glaube keinen Tod; sterb ich gleich alle Stunden, So hab ich jedesmal ein besser Leben funden.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Gleichschätzung macht Ruh Wenn du die Dinge nimmst ohn allen Unterscheid, So bleibst du still und gleich in Lieb und auch in Leid.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Trag's, wenn sich's nicht ändern läßt.

Kühnel (Hg.), Zitaten-Handbuch. Worte und Weisheit aus vier Jahrtausenden, hg. von Joseph Kühnel, 1937

Durch Weisheit ist Gott tief, breit durch Barmherzigkeit, Durch Allmacht ist er hoch, lang durch die Ewigkeit.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Ein offnes Auge sieht; tust du deins zu, o Kind, So bist du, Gott zu schaun, mutwillig maulwurfsblind.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Der Vogel in der Luft, der Stein ruht auf dem Land, Im Wasser lebt der Fisch, mein Geist in Gottes Hand.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Ich bin nicht außer Gott und Gott nicht außer mir: Ich bin sein Glanz und Licht und er ist meine Zier.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Willst du den Perlentau der edlen Gottheit fangen, So mußt du unverrückt an seiner Menschheit hangen.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675

Bist du aus Gott geborn, so blühet Gott in dir Und seine Gottheit ist dein Saft und deine Zier.

Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1675