Nur ein großes Geschick hat Raum im Rahmen des Dramas.
Ehespruch Das ist die rechte Ehe, Wo zweie sind gemeint Durch alles Glück und Wehe Zu pilgern treu vereint: Der Eine Stab des Andern Und liebe Last zugleich, Gemeinsam Rast und Wandern, Und Ziel das Himmelreich.
Herbstgefühl O wär' es bloß der Wange Pracht, Die mit den Jahren flieht! Doch das ist's, was mich traurig macht, Daß auch das Herz verblüht; Daß, wie der Jugend Ruf verhallt, Und wie der Blick sich trübt, Die Brust, die einst so heiß gewallt, Vergißt, wie sie geliebt. Ob von der Lippe dann auch kühn Sich Witz und Scherz ergießt, 's ist nur ein heuchlerisches Grün, Das über Gräbern sprießt. Die Nacht kommt, mit der Nacht der Schmerz Der eitle Flimmer bricht; Nach Tränen sehnt sich unser Herz Und findet Tränen nicht. Wir sind so arm, wir sind so müd, Warum, wir wissen's kaum; Wir fühlen nur, das Herz verblüht, Und alles Glück ist Traum.
Altern ist einsam werden und die du liebtest begraben; Wohl dir, wenn dir ein Kind hold die Verlornen ersetzt!
Gebt ihr dem Göttlichen irdische Form, wie wollt ihr es hindern, daß sie das irdische Los alles Vergänglichen teilt? Alternd erstarrt sie zuletzt, und im Dunkeln verkümmert der hohe Inhalt oder zersprengt, sich zu befreien, das Gefäß.
Gebet Herr, den ich tief im Herzen trage, sei du mit mir! Du Gnadenhort in Glück und Plage, sei du mit mir! Im Brand des Sommers, der dem Manne die Wange bräunt, Wie in der Jugend Rosenhage, sei du mit mir; Behüte mich am Born der Freude vor Übermut, Und wenn ich an mir selbst verzage, sei du mit mir! Gib deinen Geist zu meinem Liede, daß rein es sei, Und daß kein Wort mich einst verklage, sei du mit mir! Dein Segen ist wie Tau der Reben; nichts kann ich selbst, Doch daß ich kühn das Höchste wage, sei du mit mir! O du mein Trost, du meine Stärke, mein Sonnenlicht, Bis an das Ende meiner Tage sei du mit mir!
Wenn die Götter ihr verjagt, Kommen die Gespenster.
Vergiß, o Menschenseele, Nicht, daß du Flügel hast!
Gesicht im Walde Ich hatte mich verirrt im tiefsten Wald, Schwarz war die Nacht, unheimlich troff der Regen, Der Sturm ging in den Wipfeln wild und kalt. Da sah ich plötzlich unfern meinen Wegen Durchs feuchte Laub blutrote Funken sprühn, Und Hammerschläge dröhnten mir entgegen. Durch Dornen und durch Buschwerk drang ich kühn, Und bald gewahrt' ich, rings vom Wald umfangen, In hoher Hall' ein Schmiedesfeuer glühn. Drei Riesen waren's, die die Hämmer schwangen, Berußt, die Augen nur aufs Werk gekehrt, Dazu sie schauerliche Weisen sangen. Sie schmiedeten an einem großen Schwert, Zweischneidig war's, der Griff als Kreuz gestaltet, Die Kling' ein Strahl, der züngelnd niederfährt. Und einer sang in Tönen, fast veraltet, Doch also tief, wie wenn emporgeschwellt Der mächt'ge Hauch in dumpfer Orgel waltet: "Es rührt im Birnbaum auf dem Walserfeld Sich schon der Saft, und seinem Volk zum Heile Erscheinen wird der langersehnte Held. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Das Schwert, das Königsschwert muß fertig sein, Und unser Werk hat Eile, Eile, Eile!" Er schwieg, und singend fiel der zweite ein Mit einer Stimm', als wollt' er aus den Grüften Mit Erzposaunenschall die Toten schrein: "Es hat zu Nacht gedonnert in den Klüften Des alten Bergs, den man Kyffhäuser heißt, Und einen Adler sah ich in den Lüften. Wie Sturmesrauschen klingt es, wenn er kreist, In seinen Fängen trägt er Blitzeskeile, Die Rabenbrut entflieht, wo er sich weist. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Zur rechten Stunde sei das Werk getan; Das Kreuzesschwert hat Eile, Eile, Eile!" Und tief einfallend hub der dritte an, Das scholl, wie unterird'sche Donner grollen, Wenn sich die Lava rühret im Vulkan: "Die Zeit ist schwanger, aus den dürren Schollen Wird eisern aufgehn eine Kriegersaat, Sein rotes Banner wird der Kampf entrollen. Drum schreiten hohe Geister früh und spat Durchs deutsche Land und pochen an die Türen Und mahnen laut: der Tag des Schicksals naht! Viel eitles Blendwerk wird der Feind erküren, Mit Lächeln locken, dräun mit Blitzgeschoß, O lasse keiner dann sein Herz verführen! Denn Füße nur von Ton hat der Koloß, Und stürzen wird er über kurze Weile, Im Fall begrabend seiner Knechte Troß. Drum rüstig mit dem Hammer, mit der Feile! Ihr Bälge blast, ihr Funken sprüht empor! Das Schwert des Siegs hat Eile, Eile, Eile!" So sangen sie. Dann schwieg der dumpfe Chor, In kaltem Schauer bebten meine Glieder, Doch wagt' ich nicht mich in der Halle Tor. Zurück ins schwarze Dickicht floh ich wieder, Und sah verlöschen bald der Flamme Licht, Nur bang im Haupt noch summten mir die Lieder. Kaum weiß ich jetzt, war's Traumbild, war's Gesicht? Doch mahnt es, daß auch wir das Schwert bereiten, Das Schwert des Geistes, welches nie zerbricht. Wachet und betet! Schwer sind diese Zeiten.
Wenn das Glück, die leichte Dirne, Launisch dir den Rücken kehrt, Hebe doppelt kühn die Stirne, Gürte doppelt fest das Schwert. Rasch verwelkt ein Kranz aus Zweigen, Die du spielend dir gewannst; In der Not erst magst du zeigen, Wer du bist, und was du kannst.
[...] die eigenste Natur Verleugnet straflos keiner.