Laß Andre nur im Reigen Mit lautem Gruß mir nahn, Du bist mein lieblich Schweigen, Und siehst mich freundlich an. Dein Auge tief und minnig Es sagt mir Tag für Tag, Was nimmer so herzinnig Die Lippe künden mag. So hat die Frühlingssonne Auch Schall und Rede nicht, Und doch mit stiller Wonne Durchschauert uns ihr Licht. Mir gab den Wohllaut eigen Der dir den Blick beschied. Sei du mein lieblich Schweigen, Und ich will sein dein Lied.
Vorüber! O darum ist der Lenz so schön Mit Duft und Strahl und Lied, Weil singend über Tal und Höhn So bald er weiter zieht; Und darum ist so süß der Traum, Den erste Liebe webt, Weil schneller wie die Blüt' am Baum Er hinwelkt und verschwebt. Und doch! Er läßt so still erwärmt, So reich das Herz zurück; Ich hab' geliebt, ich hab' geschwärmt, Ich preis' auch das ein Glück. Gesogen hab' ich Strahl auf Strahl Ins Herz den kurzen Tag; Die schöne Sonne sinkt zu Tal. Nun komme, was kommen mag! Sei's bittres Leid, sei's neue Lust, Es soll getragen sein: Der sichre Schatz in meiner Brust Bleibt dennoch ewig mein.
Wolle keiner mich fragen Wolle keiner mich fragen, Warum mein Herz so schlägt. Ich kann's nicht fassen, nicht sagen, Was mich bewegt. Als wie im Träume schwanken Trunken die Sinne mir; Alle meine Gedanken Sind nur bei dir. Ich hab die Welt vergessen, Seit ich dein Auge gesehn; Ich möchte dich an mich pressen Und still im Kuß vergehn. Mein Leben möcht' ich lassen Um ein Lächeln von dir Und du – ich kann's nicht fassen, Versagst es mir. Ist's Schicksal, ist's dein Wille? Du siehst mich nicht; – Nun wein' ich stille, stille, Bis das Herz mir zerbricht.
Scheiden, Leiden Und bist du fern, und bist du weit Und zürnst noch immer mir, Doch Tag und Nacht voll Traurigkeit Ist all mein Sinn bei dir. Ich denk' an deine Augen blau Und an dein Herz dazu - Ach, keine, keine find' ich je, Die so mich liebt wie du. Wie stand die Welt in Rosen schön, Da ich bei dir noch war; Da rauscht' es grün von allen Höhn, Da schien der Mond so klar. Du brachst die Ros', ich küßte dich, Ich küßt' und sang dazu: Wohl keine, keine find' ich je, Die so mich liebt wie du. Wohl bin ich frei nun wie der Falk, Der über die Berge fliegt, Vor dem die Welt, die schöne Welt Hellsonnig offen liegt; Doch hat der Falk sein heimisch Nest, Und wo wird mir einst Ruh'? Ach, keine, keine find' ich je, Die so mich liebt wie du. O schlimmer Tag, o schlimme Stund' Die uns für immer schied! Da sind aus meines Herzens Grund Geschieden Freud' und Fried'. Nun such' ich wohl durch Land und See Und habe nicht Rast noch Ruh'; Doch keine, keine find' ich je, Die so mich liebt wie du.
Mein Leben möcht' ich lassen Um ein Lächeln von dir, Und du – ich kann's nicht fassen – Versagst es mir. Ist's Schicksal, ist's dein Wille, Du siehst mich nicht; – Nun wein' ich stille, stille, Bis mir das Herz zerbricht.
Und die Liebe lohnt mit Leid Immerdar am Ende.
Lieb' und Leid Wie flüchtig rinnt die Stunde, Da in verschwiegner Glut Sich neiget Mund zu Munde Und Herz am Herzen ruht! Der Mond hört auf zu scheinen, Kühl geht des Morgens Hauch – Kurz Lachen, langes Weinen, Das ist der Liebe Brauch. Und doch, wiewohl sie Leiden Allzeit zum Lohne gibt, Nie mag von Liebe scheiden, Wer einmal recht geliebt. Er trägt die heißen Schmerzen Viel lieber in der Brust, Als daß er nie im Herzen Von solchem Glück gewußt.
Du suchst umsonst auf irrem Pfade Die Liebe du im Drang der Welt, Denn Lieb' ist Wunder, Lieb' ist Gnade, Die wie der Tau vom Himmel fällt.
Drei Bitten Drei Bitten hab' ich für des Himmels Ohr, Die send' ich täglich früh und spät empor: Zum ersten, daß der Liebe reiner Born Mir nie versiegt' in Ungeduld und Zorn; Zum zweiten, daß mir, was ich auch vernahm, Ein Echo weck', ein Lied in Lust und Gram; Zum dritten, wenn das letzte Lied verhallt Und wenn der Quell der Liebe leiser wallt, Daß dann der Tod mich schnell mit sanfter Hand Hinüberführ' in jenes beßre Land, Wo ewig ungetrübt die Liebe quillt Und wo das Lied als einz'ge Sprache gilt.
Der Liebenden Seitdem die Liebe dir genaht, der Reinen, Ist's wie ein Zauber über dich gekommen; In süßem Feuer ist dein Aug' erglommen, Doch schöner blickt es noch in sel'gem Weinen. Oft, wenn du wandelst, will es mir erscheinen, Als sei die ird'sche Schwere dir genommen; Dein Tun ist wie der Blumen Blühn, der frommen, Und wie der Engel ist dein Wunsch und Meinen. Das Wort erblüht von selbst dir zum Gedichte, Doch schweigst du, strahlt, die Rede zu ergänzen, Von deiner Stirn die Lieb' im reinsten Lichte. So sah dereinst, entrückt der Erde Grenzen, Auf Beatricens schönem Angesichte Den Strahl des Paradieses Dante glänzen.
Das ist das alte Lied und Leid, Daß dir Erkenntnis erst gedeiht, Wenn Mut und Kraft verrauchen. Die Jugend kann, das Alter weiß. Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht zu brauchen.
Halte fest am frommen Sinne, Der des Grenzsteins nie vergaß! Alles Heil liegt mitten inne, Und das Höchste bleibt das Maß. Glücklich, wem die Tage fließen Wechselnd zwischen Freud' und Leid, Zwischen Schaffen und Genießen, Zwischen Welt und Einsamkeit.
Wenn, was Gott dir zur Freude beschert, Deine Torheit in Leid verkehrt, Wird er dich künftig der Müh' überheben Und das Leid dir schon fertig geben.
In Erinn'rung nur zu schweben Wie im Wind ein welkes Blatt Hüte dich! Nur das heißt Leben, Wenn dein Heut ein Morgen hat.
Wandlung ist das Geheimnis der Welt. In steter Entfaltung Unabsehlich gestuft bildet das Leben sich aus.
Und ob die Brust auch blutet, Nur vorwärts in die Bahn! Du weißt, am vollsten flutet Gesang dem wunden Schwan.
Sieh, das ist es, was auf Erden Jung dich hält zu jeder Frist, Daß du ewig bleibst im Werden, Wie die Welt im Wandeln ist.
Rasch wie der Wind umspringt, so wechseln das Herz und die Welle, Heut weitleuchtende Ruh, morgen chaotischer Sturm.
Antwort Du fragst mich, liebe Kleine, Warum ich sing' und weine, Du fragest, was mich schmerzt? Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt. Mir schwoll der Becher am Munde, Ich hatte nicht Durst zur Stunde, Ich ließ vorüber ihn gehn; Mir winkt' im grünen Laube Granate, Feig' und Traube, Doch hab' ich sie lassen stehn. Und als nun kam der Abend, Die Sonn' im Glanz begrabend, Da war mein Durst erwacht; Aber der Becher der Wonnen, Die Früchte waren zerronnen, Und dunkelte rings die Nacht. Die Welt hat mich verlassen; Nun sing' ich auf den Gassen Mein Lied, wie tief es schmerzt: Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt.
Auf des eignen Lebens Bahnen Schau nur unbestochnen Blicks, Und die Fäden des Geschicks Wirst du auch im Weltlauf ahnen.
Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht zu brauchen.