Friedrich von Schiller (1759–1805)

366 Sprüche Klassik

Wie werther wird mir alle Tage Deine und meine Freundschaft, und wie wohlthätig ist sie mir schon gewesen.

Schiller, F., Briefe. An Christian Gottfried Körner, 9. März 1789

Schöner malt sich mir die schöne Erde, Heller spiegelt in des Freunds Gebärde, Reizender der Himmel sich.

Schiller, F., Gedichte. Anthologie auf das Jahr 1782. Aus: Die Freundschaft

In dieses Lebens buntem Lottospiele Sind es oft nur Nieten, die wir ziehn. Der Freundschaft stolzes Siegel tragen viele, Die in der Prüfungsstunde treulos fliehn.

Schiller, F., Gedichte. Aus seinem Stammbuchblatt an Henriette von Arnim, 2. Mai 1787

Wir wissen den getreuen Freund zu ehren. Dem falschen wehren ist der Klugheit Pflicht.

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 2. Akt, 2. Auftritt, Talbot

Ich glaube fast an jede Freundschaft, die auf den Charakteren ruht; denn man bleibt einander immer notwendig.

Schiller, F., Briefe. An Gottfried Körner, 1. März 1790

So wohl tut nicht der Sonne Blick im Lenz, Als Freundes Angesicht in solcher Stunde.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799, 3. Akt, 10. Auftritt, Wallenstein

Freundlos war der große Weltenmeister, FühlteMangel– darum schuf er Geister. Selge SpiegelseinerSeligkeit! – Fand das höchste Wesen schon kein gleiches, Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches Schäumtihm– die Unendlichkeit.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Anthologie auf das Jahr 1782. Aus: Die Freundschaft, letzte Strophe

Weisheit und Klugheit Willst du, Freund, die erhabensten Höhn der Weisheit erfliegen, Wag es auf die Gefahr, daß dich die Klugheit verlacht. Die kurzsichtige sieht nur das Ufer, das dir zurückflieht, Jenes nicht, wo dereinst landet dein mutiger Flug.

Schiller, F., Gedichte. 1795

Die ganze Weisheit des Menschen sollte darin bestehen, jeden Augenblick mit voller Kraft zu ergreifen, ihn so zu benutzen, als wäre er der einzige, letzte. Es ist besser mit gutem Willen etwas schnell zu schnell thun, als unthätig zu bleiben.

Wolzogen, Schillers Leben. Verfasst aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner, 1830. Den 15. Febr., als ich mit Schiller allein Thee trank (zit. von Christiana v. Wurmb). Originaltext

Sokrates Dich erklärte der Pythia Mund für den weisesten Griechen. Wohl! Der Weiseste mag oft der Beschwerlichste sein.

Schiller, F., Gedichte. Xenien und Votivtafeln aus dem Nachlass

Solange die Weisheit bei ihrem Vorhaben auf Weisheit rechnet oder sich auf ihre eignen Kräfte verläßt, entwirft sie keine andren als schimärische Pläne, und die Weisheit läuft Gefahr, sich zum Gelächter der Welt zu machen.

Schiller, Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs, 1790

Weisheit mit dem Sonnenblick, große Göttin, tritt zurück, weiche vor der Liebe. Wer die steile Sternenbahn ging dir heldenkühn voran zu der Gottheit Sitze? Wer zerriß das Heiligtum, zeigte dir Elysium durch des Grabes Ritze? Lockte sie uns nicht hinein, möchten wir unsterblich sein? Suchten auch die Geister ohne sie den Meister? Liebe, Liebe leitet nur zu dem Vater der Natur, Liebe nur die Geister. Selig durch die Liebe Götter – durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich.

Schiller, F., Gedichte. Anthologie auf das Jahr 1782. Aus: Der Triumph der Liebe

Der Weg zu der Weisheit [führt] durch den schrecklichen Abgrund der Zweifel.

Schiller, F., Theoretische Schriften. Philosophische Briefe. Entstanden Anfang und Mitte der 80er Jahre, Erstdruck 1786. Julius an Raphael

Der Erfolg ruht in des Himmels Hand.

Schiller, Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören, 1803. Diego

Die Elemente hassen Das Gebild der Menschenhand.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Lied von der Glocke, 1799

Und wenn es glückt, so ist es auch verziehn.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799. 1. Akt, 7. Auftritt, Gräfin Fuentes

Das Glück ist falsch, unsicher der Erfolg.

Schiller, Demetrius. Fragment, 1805; uraufgeführt in Weimar am 15. Februar 1857. 1. Aufzug. Der Reichs-Tag zu Krakau, Meischek

Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; Wenn gute Reden sie begleiten, Dann fließt die Arbeit munter fort.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Lied von der Glocke, 1799

Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Die Piccolomini, 1799. 1. Akt, 4. Auftritt, Max

Das ists ja, was den Menschen zieret, Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Lied von der Glocke, 1799

Beschäftigung, die nie ermattet, Die langsam schafft, doch nie zerstört, Die zu dem Bau der Ewigkeiten Zwar Sandkorn nur für Sandkorn reicht, Doch von der großen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre streicht.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Die Ideale, 1795