Friedrich von Schiller (1759–1805)

366 Sprüche Klassik

Der Mensch ist verehrungswürdig, der den Posten, wo er steht, ganz ausfüllt. Sei der Wirkungskreis noch so klein, er ist in seiner Art groß. Wie ungleich Gutes würde geschehen, und wieviel glücklicher würden die Menschen sein, wenn sie auf diesen Standpunkt gekommen wären!

Schiller, F., Gespräche. Tischgespräch am, 6. März 1801, überliefert von Caroline von Wolzogen in ihrer Biographie: Schillers Leben. Verfasst aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner

Eine Beschäftigung, die mich äußerst interessiert, erhebt mich über alle körperlichen Bedrückungen.

Schiller, F., Briefe. An Christian Gottfried Körner, 11. Januar 1793

Kant und seine Ausleger Wie doch ein einziger Reicher so viele Bettler in Nahrung setzt. Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu tun.

Schiller, F., Gedichte. Xenien, z.T. mit Goethe zusammen verfasst, Erstdruck in: Musenalmanach für das Jahr 1797

Was man anfängt, man fange es mit voller Seele, mit voller Kraft an; um desto eher ist es geendet, und ganz und mit voller Kraft kann man sich wieder einem andern Geschäft widmen. Man würde weit mehr Zeit gewinnen, wenn es nicht zur Gewohnheit geworden wäre, so viele Dinge als Nebensache zu betrachten, die im Grunde mit viel weniger Zeit, aber ernstlich, besser vollbracht würden.

Wolzogen, Schillers Leben. Verfasst aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner, 1830

Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich. Das angespannte Gemüt sinkt schnell zusammen und die Kraft kann sich nicht sogleich zu einem neuen Gegenstand wenden.

Schiller, F., Briefe. An Goethe, Jena, am 27. Juni 1796, die Rede ist von Goethes vollendetem »Wilhelm Meister«

Arbeit ist die Bedingung des Lebens, das Ziel Weisheit, und Glückseligkeit ist der Preis.

Schiller, Der Spaziergang unter den Linden, 1782. Wollmar zu Edwin

Frisch also! mutig ans Werk!

Schiller, Die Räuber, 1781. 1. Akt, 1. Szene, Franz

Das Leben hat einen kurzen Lenz und die Kunst ist unendlich.

Schiller, F., Briefe. An Karl Gotthard Groß, 2. April 1805

Es ist freilich leichter tadeln als hervorbringen. […] Wüßten es nur die allzeitfertigen Urteiler und die leichtfertigen Dilettanten, was es kostet, ein ordentliches Werk zu erzeugen.

Schiller, F., Briefe. An Wolfgang von Goethe, 31. Mai 1799

Ledig aller Pflicht Hört der Pursch die Vesper schlagen, Meister muss sich immer plagen.

Schiller, F., Gedichte. Aus: Das Lied von der Glocke, 1799

Was ist man dem Arbeiter schuldig, wenn er nicht mehr arbeiten kann, oder nichts mehr für ihn zu arbeiten sein wird? Was dem Menschen, wenn er nicht mehr zu brauchen ist?

Schiller, Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**, 1787-1789

Das ist dein Bruder! – das ist verdolmetscht: Er ist aus eben dem Ofen geschossen worden, aus dem du geschossen bist – also sei er dir heilig!

Schiller, Die Räuber, 1781. 1. Akt, 1. Szene, Franz

Arm in Arm mit dir, so ford'r ich mein Jahrhundert in die Schranken.

Schiller, Don Carlos (ursprünglich Dom Karlos), Infant von Spanien, 1782-1787; Erstdruck des ganzen Dramas 1787. 1. Akt, 9. Auftritt, Don Carlos

Spruch des Konfuzius Dreifach ist des Raumes Maß: Rastlos fort ohn Unterlaß Strebt die Länge, fort ins Weite Endlos gießet sich die Breite, Grundlos senkt die Tiefe sich. Dir ein Bild sind sie gegeben: Rastlos vorwärts mußt du streben, Nie ermüdet stille stehn, Willst du die Vollendung sehn; Mußt ins Breite dich entfalten, Soll sich dir die Welt gestalten; In die Tiefe mußt du steigen, Soll sich dir das Wesen zeigen. Nur Beharrung führt zum Ziel, Nur die Fülle führt zur Klarheit, Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

Schiller, F., Gedichte. Hier: 1795

Das Unwandelbare »Unaufhaltsam enteilet die Zeit.« - Sie sucht das Beständge. Sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an.

Schiller, F., Gedichte. 1795

Es wär' ein eitel und vergeblich Wagen, Zu fallen ins bewegte Rad der Zeit.

Schiller, F., Gedichte. Aus: An Goethe, 1800

O wer weiß, Was in der Zeiten Hintergrunde schlummert?

Schiller, Don Carlos (ursprünglich Dom Karlos), Infant von Spanien, 1782-1787; Erstdruck des ganzen Dramas 1787. 1. Akt, 1. Auftritt, Don Carlos

Der Zeitpunkt Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren, Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht.

Schiller, F., Gedichte. Tabulae Votivae, in: Musenalmanach für das Jahr 1797

O die Zeit ist Ein wundertätger Gott.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799. 5. Akt, 6. Auftritt, Gordon

O! der ist aus dem Himmel schon gefallen, Der an der Stunden Wechsel denken muß!

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Die Piccolomini, 1799. 3. Akt, 3. Auftritt, Max

Tag wird es auf die dickste Nacht, und kommt Die Zeit, so reifen auch die spätsten Früchte!

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 3. Akt, 2. Auftritt, Karl VII.