Jean Paul (1763–1825)

304 Sprüche Klassik

In gewissen Jahren wird das Leben ein fortdauerndes Verlieren. – Gott erhalte mir meine Freunde! Es wäre wirklich schön, wenn man in Gesellschaft sterben könnte, wenn man in Gesellschaft gelebt.

Jean Paul, Briefe. An Emanuel Osmund, 6. März 1814

Daran erkenn' ich eben den Freund, daß er mich oder sich nicht unterhalten, sondern bloß dasitzen will.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Dritter Band. 22. Jobelperiode. 93. Zykel

Zwei kräftige Freunde sind wie zwei Uhren, welche in ihren kleinen Perpendikelschlägen wechselnd abweichen und zustimmen, aber bei dem großen ordentlichen Ausschlagen ineinerStunde zusammen treffen.

Jean Paul, Impromptü's, welche ich künftig in Stammbücher schreiben werde (in: Cotta'sches Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1812), 1811

In den Mannjahren sehnt man sich unendlich aber vergeblich nach einem Freunde, der wie ein Jüngling der frühern Jahreallesanhört und aufnimmt.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. September 1817

Wer der Weisheit die Gesundheit opfert, hat meistens die Weisheit auch mitgeopfert.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Erster Band. Zweite Jobelperiode. 11. Zykel

Die Besonnenheit richtet sich nach dem geistigen Reichtum d(es) Menschen.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Mai 1799

Es ist die größte Weisheit, sich über die Menschen hinauszusetzen, ohne sie zu hassen oder zu verachten.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Der Weise rechnet das Mißvergnügen zu seinen Sünden.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

Nichts ist bei der häufigen Lektüre schädlicher, als daß uns die Lehren der Weisheit – ohne daß eine gegenwärtige Erfahrung sie auf uns bezöge – so wiederholet werden, daß wir sie nie auf uns anwenden.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Jenner 1797

Wer nicht immer weiser wird, der ist nicht einmal weise.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Humor ist überwundnes Leiden an der Welt.

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Eine humoristische Stelle glänzt am meisten in einem ernsthaften Buch zitiert.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Es gibt einen Ernst für alle; aber nur einen Humor für wenige.

Jean Paul, Vorschule der Ästhetik nebst einigen Vorlesungen in Leipzig über die Parteien der Zeit, 2. Auflage 1813 (EA: 1804). Erste Abteilung. 8. Programm. Über den epischen, dramatischen und lyrischen. § 36. Verwechslung aller Gattungen

Zweck und Erfolg, dem Körper Arbeit zuzumuten, ist nicht sowohl Gesundheitsanstalt und Verlängerung des Lebens, als die Aus- und Zurüstung desselben wider das Ungemach und für die Heiterkeit und Tätigkeit.

Schaible (Hg.), Geistige Waffen. Ein Aphorismen-Lexikon, 1901

Gewiß kein Freund der Gärtnerei wäre zufrieden, wenn auf einmal alles reif gewachsen da stände und er nichts zu tun hätte als zu pflücken.

Jean Paul, Nachlass. Gedanken, 1812

Was heiter und selig macht und erhält, ist bloß Tätigkeit.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Kapitel. Spiele der Kinder. § 48

Das tugendhafte Herz wird, wie der Körper, mehr durch Arbeit als durch gute Nahrung gesund und stark.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Erstes Heftlein. Dritter Schalttag

Die Arbeit ist ein Vergnügen, das als Widerspiel schlecht anfängt und dann immer mehr erfreuet und das am Ende gerade zu allen andern Vergnügen einlädt.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. Februar 1803

Ernste Tätigkeit [...] söhnet zuletzt immer mit dem Leben aus.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Vierter Band. 34. Jobelperiode. 137. Zykel

Körperliche Abhärtung ist, da der Körper der Ankerplatz des Mutes ist, schon geistig nötig.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Zweites Bändchen. Anhang zum dritten Bruchstücke. Über die physische Erziehung

Der Unglückliche braucht Tätigkeit, wie der Glückliche Ruhe.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Viertes Heftlein. 40. Hundposttag