Jean Paul (1763–1825)

304 Sprüche Klassik

Unsere zwecklose Tätigkeit, unsere Griffe nach Luft müssen höheren Wesen vorkommen wie das Fangen der Sterbenden nach dem Deckbette.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Erstes Heftlein. 14. Hundposttag

Alles Thun kann nur stärken und spornen, nicht stillen.

Jean Paul, Aufsätze. Dießjähriger Nachwuchs des Philanthropistenwäldchens, entstanden Juni 1817

Das Meer der Zeit ist nur die Woge auf dem Meere der Ewigkeit.

Jean Paul, Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, 3 Bde., 1810-20. Drittes Bändchen. V. Die Schönheit des Sterbens in der Blüte des Lebens, und ein Traum von einem Schlachtfelde, 1813

Die Zeit ist die Larve der Ewigkeit.

Jean Paul, Zerstreute Gedanken und Bilder, 1828 (posthum)

Die eine Zeit braucht Männer, um zu entstehen, die andere, um zu bestehen; die unsrige hat sie zu beidem nötig.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Bändchen. Sechstes Bruchstück. Sittliche Bildung des Knaben. § 105

Menschen von einigem Talent (wie Erhard) haben sich so sehr mit den gestickten Gewändern des Jahrhunderts umhangen, so viel Fremdes, was schön ist, umlegt ihr Eignes, das auch schön ist, daß man kaum zum eigentlichen Wesen durchdringen kann. Nehmt ihnen die Zeit ab: wie wenig sind sie von denen verschieden, auf die sie herabsehen! – Es sollte eine Abschälungstheorie geben, um den, der viel von der Zeit geborgt, doch nicht über den zu setzen, der wenig geborgt.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. Februar 1803

Jede Minute, Mensch, sei dir ein volles Leben! – Verachte die Angst und den Wunsch, die Zukunft und die Vergangenheit! – Wenn der Sekundenweiser dir kein Wegweiser in ein Eden deiner Seele wird, so wirds der Monatsweiser noch minder, denn du lebst nicht von Monat zu Monat, sondern von Sekunde zu Sekunde!

Jean Paul, Leben des Quintus Fixlein, 1796. Des Quintus Fixlein Leben bis auf unsere Zeiten. Letztes Kapitel

Und welche Sekunde ist die wichtigste im ganzen Leben? Gewiß nicht die letzte, wie Theologen sonst sagten, sondern wahrscheinlich die erste, wie Ärzte bewiesen.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Kapitel. Natur der Mädchen. § 84

Außer der Gesundheit wird durchaus nichts häßlicher verschwendet als ihr Surrogat, die Zeit.

Jean Paul, Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch (Erstdruck in: Komischer Anhang zum Titan, Band 2), 1801. Zehnte Fahrt

Keine Zeit ist mit der Zeit zufrieden; das heißet, die Jünglinge halten die künftige für idealer als die gegenwärtige, die Alten die vergangne.

Jean Paul, Vorschule der Ästhetik nebst einigen Vorlesungen in Leipzig über die Parteien der Zeit, 2. Auflage 1813 (EA: 1804). Erste Abteilung. 5. Programm. Über die romantische Poesie. § 21. Das Verhältnis der Griechen und der Neuern

Menschenkinder, opfert die Zeit der Ewigkeit!

Jean Paul, Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, 3 Bde., 1810-20. Drittes Bändchen. V. Die Schönheit des Sterbens in der Blüte des Lebens, und ein Traum von einem Schlachtfelde, 1813

Das Schönste, was wir in der Vergangenheit antreffen, ist die Hoffnung.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Die Armut und die Hoffnung sind Mutter und Tochter. Indem man sich mit der Tochter unterhält, vergißt man die andere [die Mutter].

Jean Paul, Nachlass

Die Hoffnung mag eintreffen oder nicht, so hat sie doch das Gute, daß sie die Furcht verdrängt.

Jean Paul, Nachlass. Gedanken, 1812

Setzet alle, die ihr eine Ernte wollt, eine Hoffnung nicht bloß voraus, sondern handelt nach ihr, so erfüllt sie sich eben.

Jean Paul, Politische Nachklänge, 1832 (posthum). Für Manchenmann und Jedermann

Wer hofft, hat schon gesiegt und siegt weiter.

Jean Paul, Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, 3 Bde., 1810-20. Drittes Bändchen. III. Traumdichtungen in der ersten Nachmitternacht des neuen Jahrs, Dezember 1812

Die weichste Frau hat irgend eine Sache, worin sie eigensinnig ist, und der festeste Mann eine, wo er Wachs ist.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Männer und Weiber

Söhne deine Phantasie nie mit demnächstenUnglück aus, sondern mit demgrößten. Nichts löset mehr den Mut auf als die warmen, mit kalter Angst abwechselnden Hoffnungen.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Zweites Heftlein. 22. Hundposttag

Weltumgang gibt nicht Erfahrung, höchstens diese jenen.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. Februar 1803

Himmel! wie wohlfeil ist das Leben, wenn man nur froh sein, nicht es scheinen will!

Jean Paul, Friedens-Predigt an Deutschland, 1808

Man kann keinen Gedanken gut ausdrücken, als den man oft gehabt.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782