Kurt Tucholsky

91 Sprüche

Der Humor ist ein Element, das dem deutschen Menschen abhanden gekommen ist.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der deutsche Mensch, in: Die Weltbühne, 30.08.1927, Nr. 35 (Ignaz Wrobel)

Humor ruht oft in der Veranlagung von Menschen, die kalt bleiben, wo die Masse tobt, und die dort erregt sind, wo die meisten ›nichts dabei finden‹.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Schnipsel [9], in: Die Weltbühne, 19.07.1932, Nr. 29 (Peter Panter)

Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Rote Signale, in: Die Weltbühne, 29.12.1931, Nr. 52 (Ignaz Wrobel); auch: Schnipsel, 1932

Nichts wird so respektiert wie der Erfolg.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der Untertan, in: Die Weltbühne, 20.03.1919, Nr. 13 (Ignaz Wrobel)

Ich habe Erfolg, aber ich habe keinerlei Wirkung.

Tucholsky, Werke 1907-1935. 1923

… sie gingen zum Heiligsten, wo der Deutsche hat, zur Arbeit.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Morgens um acht, in: Die Weltbühne, 28.06.1923, Nr. 26 (Ignaz Wrobel), wieder in: Das Lächeln der Mona Lisa, 1928. Originaltext

In Deutschland arbeiten die Arbeiter, damit die Angestellten etwas zu schreiben haben.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Die Herren Installateure, in: Die Weltbühne, 24.06.1930, Nr. 26 (Peter Panter)

Subordiniert – das ist die schlechte Arbeit von gestern. Koordiniert – das ist die gute Arbeit von morgen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Wie machen wir einander das Leben leichter? In: Der Mittag, 9.4.1929 (Peter Panter)

Arbeiten. Arbeit hilft.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Schloß Gripsholm, 1931. Drittes Kapitel

Wenn manche Frauen wüßten, was manche Männer so unter ›arbeiten‹ verstehen, so ließen sie sich nie mehr wegen ihrer zu langen Telefongespräche Vorwürfe machen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Die Dame im Vorzimmer, in: Uhu, 01.12.1928, Nr. 3 (Peter Panter)

Man soll nicht den Proletarier mimen, wenn man es nicht ist.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Abreißkalender und kleine Bitte, in: Die Weltbühne, 16.12.1930, Nr. 51 (Kurt Tucholsky)

Das, worum mir manchmal so bange ist, ist die Wirkung meiner Arbeit. Hat sie eine?

Tucholsky, Briefe. Auswahl 1913–1935, Berlin 1983

Die Familie weiß alles, mißbilligt es aber grundsätzlich. Andere wilde Indianerstämme leben entweder auf den Kriegsfüßen oder rauchen eine Friedenszigarre: die Familie kann gleichzeitig beides.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Die Familie, in: Die Weltbühne 12.01.1923, Nr. 2 (Peter Panter), wieder in: Das Lächeln der Mona Lisa, 1928

Kein Mensch dreht die Zeit zurück …

Tucholsky, Werke 1907-1935. Aus: Augen in der Großstadt, in: Arbeiter Illustrierte Zeitung, 1930, Nr. 11 (Theobald Tiger), wieder in: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931

Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muß sie allein machen. Jeder muß wieder von vorn anfangen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Gebrauchsanweisung, in: Vossische Zeitung, 10.10.1930, Nr. 478 (Peter Panter)

Laß dir von keinem Fachmann imponieren, der dir erzählt: "Lieber Freund, das mache ich schon 20 Jahre so!" Man kann eine Sache auch 20 Jahre lang falsch machen.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Schnipsel [1], in: Die Weltbühne, 08.03.1932, Nr. 10 (Peter Panter)

Das Lächeln der Mona Lisa Ich kann den Blick nicht von dir wenden. Denn über deinem Mann vom Dienst hängst du mit sanft verschränkten Händen und grienst. Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa, dein Lächeln gilt für Ironie. Ja … warum lacht die Mona Lisa? Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns – oder wie –? Du lehrst uns still, was zu geschehn hat. Weil uns dein Bildnis, Lieschen, zeigt: Wer viel von dieser Welt gesehn hat – der lächelt, legt die Hände auf den Bauch und schweigt.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Die Weltbühne, 27.11.1928, Nr. 48 (Theobald Tiger), wieder in: Das Lächeln der Mona Lisa, 1928

Die Katholiken sitzen vor ihrer Hütte. Ein Heide geht vorbei und pfeift sich eins. Die Katholiken tuscheln: "Der wird sich schön wundern, wenn er stirbt!" Sie klopfen sich auf den Bauch ihrer Frömmigkeit, denn sie haben einen Fahrschein, der Heide aber hat keinen, und er weiß es nicht einmal. Wie hochmütig kann Demut sein!

Tucholsky, Werke 1907-1935. Schnipsel, in: Die Weltbühne, 03.02.1931, Nr. 5 (Peter Panter)

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Der Mensch, in: Die Weltbühne, 16.06.1931, Nr. 24 (Kaspar Hauser), wieder in: Lerne lachen ohne zu weinen, 1931

Wer da schreit: »Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben«, lügt; gemeint ist: »Das Volk muß der Religion erhalten bleiben«.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Was soll mit den Zehn Geboten geschehen?In: Die Literarische Welt, 14.06.1929, Nr. 24 (Ignaz Wrobel)

Aus! Einmal müssen zwei auseinandergehn; einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – – einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein – wer ist daran schuld? Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit. Jedes trägt den andern mit sich herum – etwas bleibt immer zurück. Einmal hat es euch zusammengespült, ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt – Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –: ein neuer Mensch. Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu. Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du. Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß, vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß in ein fernes Land.

Tucholsky, Werke 1907-1935. In: Uhu, 01.02.1930, Nr. 5 (Theobald Tiger)