Kurt Tucholsky
Der Humor ist ein Element, das dem deutschen Menschen abhanden gekommen ist.
Humor ruht oft in der Veranlagung von Menschen, die kalt bleiben, wo die Masse tobt, und die dort erregt sind, wo die meisten ›nichts dabei finden‹.
Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen.
Nichts wird so respektiert wie der Erfolg.
… sie gingen zum Heiligsten, wo der Deutsche hat, zur Arbeit.
In Deutschland arbeiten die Arbeiter, damit die Angestellten etwas zu schreiben haben.
Subordiniert – das ist die schlechte Arbeit von gestern. Koordiniert – das ist die gute Arbeit von morgen.
Wenn manche Frauen wüßten, was manche Männer so unter ›arbeiten‹ verstehen, so ließen sie sich nie mehr wegen ihrer zu langen Telefongespräche Vorwürfe machen.
Man soll nicht den Proletarier mimen, wenn man es nicht ist.
Das, worum mir manchmal so bange ist, ist die Wirkung meiner Arbeit. Hat sie eine?
Die Familie weiß alles, mißbilligt es aber grundsätzlich. Andere wilde Indianerstämme leben entweder auf den Kriegsfüßen oder rauchen eine Friedenszigarre: die Familie kann gleichzeitig beides.
Kein Mensch dreht die Zeit zurück …
Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muß sie allein machen. Jeder muß wieder von vorn anfangen.
Laß dir von keinem Fachmann imponieren, der dir erzählt: "Lieber Freund, das mache ich schon 20 Jahre so!" Man kann eine Sache auch 20 Jahre lang falsch machen.
Das Lächeln der Mona Lisa Ich kann den Blick nicht von dir wenden. Denn über deinem Mann vom Dienst hängst du mit sanft verschränkten Händen und grienst. Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa, dein Lächeln gilt für Ironie. Ja … warum lacht die Mona Lisa? Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns – oder wie –? Du lehrst uns still, was zu geschehn hat. Weil uns dein Bildnis, Lieschen, zeigt: Wer viel von dieser Welt gesehn hat – der lächelt, legt die Hände auf den Bauch und schweigt.
Die Katholiken sitzen vor ihrer Hütte. Ein Heide geht vorbei und pfeift sich eins. Die Katholiken tuscheln: "Der wird sich schön wundern, wenn er stirbt!" Sie klopfen sich auf den Bauch ihrer Frömmigkeit, denn sie haben einen Fahrschein, der Heide aber hat keinen, und er weiß es nicht einmal. Wie hochmütig kann Demut sein!
Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.
Wer da schreit: »Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben«, lügt; gemeint ist: »Das Volk muß der Religion erhalten bleiben«.
Aus! Einmal müssen zwei auseinandergehn; einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – – einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein – wer ist daran schuld? Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit. Jedes trägt den andern mit sich herum – etwas bleibt immer zurück. Einmal hat es euch zusammengespült, ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt – Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –: ein neuer Mensch. Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu. Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du. Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß, vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß in ein fernes Land.