Unbekannt
Das ist der Hauptfehler der meisten Menschen, daß sie den Zeitvertreib höher schätzen als die Zeit.
Große Menschen nützen ihre Zeit – praktische nützen sie aus.
Wo ist die gute alte Zeit? Wie ist die Jugend so verdorben! Das ist der Väter ew'ge Klage. Und sind die Väter gestorben, So hör' ich wieder der Söhne Frage: Wo ist die gute alte Zeit? Wie ist die Jugend so verdorben! So ging's und geht's in Ewigkeit.
Dein Lob, o Zeit, verkündigen die Sterne, Und neu entdeckte Welten stimmen ein, Dem Ohr gibst du Gehör in weite Ferne, Dem Wort vermagst du Flügel zu verleih'n! Dem Geiste bringst du goldene Gewinne, Dem Auge eine Fülle neuen Licht's, Und tausendfache Reize jedem Sinne, Allein das Herz – dem Herzen gibst du nichts!
Die Zeit kann Furchen schreiben in's Gesicht, Doch Furchen d'raus vertreiben kann sie nicht.
Während der Schatten schwindet, schwindet mit ihm unwiederbringlich die Zeit. Und während jedem die Zeit davonläuft, schwindet der Schatten.
Willst Du den Werth der flüchtigen Zeit erkennen, so suche sie durch Deinen Fleiß mit einem Inhalte zu erfüllen und Du wirst sehen, wieviel die Minute wiegt.
Ein jeder Schlag von dir verwundet Und mäht die Zeit, dem Schnitter gleich. Je mehr des Zeigers Lauf sich rundet, Rückt näher mir das Schattenreich. Und doch – wie seltsam – muß ich sagen, Lausch' ich gern deinem Pendelschlag. Er singt mir von vergangenen Tagen Und lullt in Träume mich gemach. So sehr – Minute von Minute – Mit dir die Zeit von dannen eilt – Gleich ob sie ebbe oder flute – Verwundet sie zugleich – und heilt.
Wir leben in einer Zeit des Überganges. Das Alte stirbt ab, das Neue gewinnt an Kraft und dringt vorwärts. Der Widerstreit des Rücklaufenden und des Vorwärtsstrebenden verleiht den Verhältnissen oft ein wunderliches Gepräge, sodaß bei oberflächlichem Zuschauen es oft unklar bleibt, ob man in der ärgsten Reaktion oder schon in der Morgendämmerung einer neuen Zeit lebt.
Zeitgeist Willst du den Geist der Zeit versteh'n, So mußt du mit ihr vorwärts geh'n, – Sonst holst du sie nicht ein in Jahren. Die Welt geht ruhig ihren Gang, Sie steht nicht still und wartet lang, Bis du ihr keuchend nachgefahren.
Die Zeit flieht – weil sie fürchtet, totgeschlagen zu werden.
Die Zeit ist das Zeug, woraus das Leben gewebt wird; darum verdirb(t) sie nicht.
Es liegt vor mir ein Stapel Fotos, versonnen schau ich vor mich hin auf all die Bilder, die mich zeigen, als so herrlich jung ich bin. Es sagt der Volksmund, daß die Jugend wohl einer Rosenknospe gleicht, und ich schau auf mein Gegenüber und leise Wehmut mich beschleicht. Da lacht vergnügt und unbekümmert entgegen mir mein eigen Ich und ich stell fest, daß seit dem Lachen ein halb Jahrhundert fast verstrich. Dann aber frag ich mich energisch, sollt ich verzagen denn vielleicht, weil das letzte Lebensdrittel im Lauf der Jahre nun erreicht? Und voller Selbstbewußtsein denk ich, es sieht doch auch ein Trockenstrauß, wenn er geschmackvoll ist gebunden, durchaus recht hübsch und reizvoll aus.