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26202 Sprüche gefunden

Ich habe es zu früh erkannt, daß der Schlachteneifer nichts Übermenschliches, sondern – Untermenschliches ist; keine mystische Offenbarung aus dem Reiche Luzifers, sondern eine Reminiscenz aus dem Reiche der Tierheit – ein Wiedererwachen der Bestialität.

Suttner, Die Waffen nieder! Eine Lebensgeschichte, 1889. Originaltext

Kein Volk will den Krieg, aber jedes hält sich einen Stand, dessen Angehörige den Krieg brauchen, wenn für ihr Gefühl nicht ihr ganzes Leben vergeudet sein soll.

Neue Freie Presse, Wien 1864-1939. Literaturblatt. Bertha v. Suttner, 10. März 1912

In dieser Stunde weiß ich, daß ich blind war, weil ich mich geblendet hatte, in dieser Stunde weiß ich endlich, daß alle diese Toten, Franzosen und Deutsche, Brüder waren, und daß ich ihr Bruder bin.

Toller, Hoppla, wir leben! Ein Vorspiel und fünf Akte, Potsdam 1927. Originaltext

Wunde Die Erde blutet unterm Helmkopf Sterne fallen Der Weltraum tastet. Schauder brausen Wirbeln Einsamkeiten. Nebel Weinen Ferne Deinen Blick.

Stramm, A., Gedichte. Tropfblut, entstanden zwischen November 1914 und April 1915

Ich möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, daß dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden.

Suttner, Memoiren, 1909. Originaltext. Irrtümlich mitunter Alfred Nobel zugeschrieben.

Denn über alle Schmach des Krieges geht die der Menschen, von ihm nichts mehr wissen zu wollen, indem sie zwar ertragen, daß er ist, aber nicht, daß er war.

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919

Denn daß Krieg sein wird, erscheint denen am wenigsten unfaßbar, welchen die Parole "Jetzt ist Krieg" jede Ehrlosigkeit ermöglicht und gedeckt hat, aber die Mahnung "Jetzt war Krieg!" die wohlverdiente Ruhe der Überlebenden stört.

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919. Originaltext

Verdammte Jugend Von Hause fort, durch Straßen fort, Euch unbekannt und jedem Ort, Nur wie der Himmel rasch und hoch Durch fremden Lärm und ohne Wort! Wie schön allein, und dies verwühlt Und keiner drin, der mich befühlt. Der voll Verwandtschaft dumm und dicht In meiner Brust verhaßt sich sühlt! Hier ist nicht Heim, hier ist es auf, Nicht Liebe plump, nur Kampf und Kauf! Ah fließt die Straße strotzend aus Zu andern ein in riesigem Lauf. Ah sprüht es schroff pferdlos vorbei Und brodelt schwarz der Menge Brei Und Häuser flattern hingepeitscht Von Licht, Geläut, Gezisch, Geschrei. Die Steine ziehn in falscher Ruh, Gehackt vom Schlag des Heers der Schuh, Den fahlen Köpfen funkeln wund Von schneller Glut die Lampen zu. Hier Antlitze wie Tiere fremd Und Augen wie in Eis geklemmt Und Augen, die nur sich besehn, Hier Antlitze, von nichts gehemmt! Du Gottlose, mein Haupt zerstäub – Entmenschlichte, mein Herz zerstäub – Mich ohne Heimat, ohne Weg Du Straße ja betäub! betäub!

Wolfenstein, A., Gedichte. In: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Erstdruck 1919

Patrouille Die Steine feinden Fenster grinst Verrat Äste würgen Berge Sträucher blättern raschlig Gellen Tod.

Stramm, A., Gedichte. Entstanden zwischen November 1914 und April 1915, posthum veröffentlicht in "Tropfblut" 1919

Der Zusammenklang der Trommeln und Pfeifen, Trompeten, Hoboen, Mörser und Kanonen bildete eine Harmonie, wie man sie in der Hölle nicht besser wünschen kann.

Voltaire, Candide oder der Optimismus (Candide ou l'optimisme), dt. auch: 'Candide oder die beste aller Welten' oder 'Kandid oder die beste Welt', 1759 (unter dem Pseudonym Docteur Ralph)

Solange in den Völkern die Sucht nach dem Vorrang ihr Wesen treibt, wird das Gespenst des Krieges immer über Europa lauern.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Ich liebte nicht Ich liebte nicht die Totenkopfhusaren Und nicht die Mörser mit den Mädchennamen Und als am End die großen Tage kamen, Da bin ich unauffällig weggefahren. Gott sei's geklagt und ihnen, meine Damen: Gleich Absalom blieb ich an langen Haaren, Dieweil sie schluchzten über Totenbahren Im Wehbaum hängen aller ihrer Dramen. Sie werden auch in diesen Versen finden Manch Marterspiel und stürzend Abenteuer. Man stirbt nicht nur durch Minen und durch Flinten. Man wird nicht von Granaten nur zerrissen. In meine Nächte drangen Ungeheuer, Die mich die Hölle wohl empfinden ließen.

Ball, H., Gedichte. Entstanden 1915, Erstdruck 1929

Die Ersten Die Ersten sinds, sie sind im besten Zug Vom willenlosen Haufen sich zu lösen. Erkennend eitel Schimmer, seichten Trug Der großen Reden abgenützte Blößen, Klangvolle Phrasen, ein vereinter Schwall Der überflutet Erdehöhen und Täler, Allüberall der gleiche Wiederhall, Der gleiche Köder und der gleiche Wähler. Wohl wächst der Massen Schrei nach Glück und Brot Doch übertönt er nicht die Worte der Vertreter, Es fallen Opfer tiefster Seelennot, Die Masse fällt dein Zeichen der Verräter. So lausch ich freudig, wenn mit wildem Schrei Die Brust erfüllt von froher Zukunft ahnen Sich einer ringt vom Heerdentaumel frei Kraftvoll empor auf selbstgewollten Bahnen.

Ball, H., Gedichte. Erstdruck 1916. Originaltext

Und ihr hattet übersehn, daß, wenn ihr sämtliche Menschen in die Uniform stecktet, sie nun alle unaufhörlich einander salutieren müßten? Und merktet nicht, daß diese Gebärde eines Tags, plötzlich, nur mehr der Griff an die Stirn war, der den Zweifel an dem wechselseitigen Verstand betraf? Und daß das Kopfschütteln zuckender Invalider euch, nur euch galt?

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919. Originaltext

Das Knie Ein Knie geht einsam durch die Welt. Es ist ein Knie, sonst nichts! Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt! Es ist ein Knie, sonst nichts. Im Kriege ward einmal ein Mann erschossen um und um. Das Knie allein blieb unverletzt – als wär’s ein Heiligtum. Seitdem geht’s einsam durch die Welt. Es ist ein Knie, sonst nichts. Es ist kein Baum, es ist kein Zelt. Es ist ein Knie sonst nichts.

Morgenstern, C., Gedichte. Galgenlieder, entstanden 1895-1906, erschienen 1981

Der Krieg tötet doch nicht nur Leiber, in vielen dieser Leiber schlägt das Herz der Menschheit, lebt der Genius der Zukunft.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Im Krieg sind die Gesetze der Menschheit aufgehoben, in den Urzustand ist sie zurückversetzt.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Der Krieg ist die verruchteste aller Gotteslästerungen.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Nimmermehr glaube ich an einen Gott der Kanonen und Bajonette! Wo die Erde blutet, weint der Himmel.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Allein, ebenso wenig wie der Ausgang eines Duells zwischen zwei Individuen ein Gottesurteil darstellt, entscheidet bei Völkerduellen Sieg oder Niederlage über Wert oder Unwert, Recht oder Unrecht der Parteien. Mit erzgegossenen Kugeln erschießt sich keine Nation Recht, Freiheit und Fortschritt.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Solange Kriege möglich sind, werden Kriege sein.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext