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Nicht jeder, der denkt, hat Gedanken.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Sonett 44 Wär meines trägen Fleisches Stoff Gedanke, Nie hemmt' ein Abstand feindlich meine Bahn; Dem Raum zum Trotz von jeder fernen Schranke Wollt ich mich dir, wo du auch weiltest, nahn. Mir wär es gleich, hätt' ich zum fernsten Strande Von dir hinweg auch meinen Fuß gelenkt; Denn der Gedanke fliegt durch Meer und Lande So schnell als er, wohin er strebt, sich denkt. Doch daß ich nicht Gedanke, der Gedanke Ist Tod; ich folgte gern dir viele Meilen; Aus Staub und Naß gezeugt, klag ich und kranke Mit Stöhnen, will die Zeit nicht rasch enteilen. Nichts kann so träger Urstoff uns verleihn Als bittre Thränen, Zeichen unsrer Pein.

Shakspere's Sonette, deutsch von Benno Tschischwitz, Barthel, Halle 1870. Originaltext der Übersetzung

Es ist nichts so klein, dass ein menschlicher Gedanke es nicht weihen; nichts so groß, dass ein solcher es nicht entweihen könnte.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Erdengedanken leben im menschlichen Herzen, wie unselige Geister. Wenn man alles längst gestorben und begraben glaubt, so erscheinen sie wieder zur nächtlichen Stunde und quälen uns.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Wenn ein scharfsinniger Kopf nicht einsieht, dass ein Gedanke nützlich ist, so ist er höchstwahrscheinlich falsch.

Vauvenargues, Unterdrückte Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Ein Gedanke kann einen Menschen töten.

Balzac, Physiologie der Ehe (Physiologie du mariage), 1829

Es ist etwas Eigenes um die Gedanken, wenn sie so daher kommen und füllen einem den Kopf. Man weiß eigentlich nicht: Woher? Und wozu? Doch – bewahre sie nur auf, wie eine sorgsame Hausfrau die übrigen bunten „Flecke“ ihrer Kleider! Der Riss wird sich finden, den du zu decken hast.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Manche Gaben, Kräfte, Gedanken fallen dem Menschen sozusagen in den Kopf hinein. Er empfängt sie, wie die Speisen in gewissen Anstalten, die durch ein kleines Schiebfenster plötzlich vorhanden sind. Niemand fragt: Wer kocht sie? Oder: Wie wurden sie gekocht? Genug, man hat sie!

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Die Lippe ist der Wetzstein des Geistes, über die Lippe muß der Gedanke oft hin- und herlaufen, damit er Glanz, Farbe und Gestalt gewinne.

Arndt, Erinnerungen aus dem äußeren Leben, 1840

Wir müssen beständig unsre Gedanken aus unsrem Schmerz gebären und mütterlich ihnen alles mitgeben, was wir von Blut, Herz, Feuer, Lust, Leidenschaft, Qual, Gewissen, Schicksal, Verhängnis in uns haben.

Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (La gaya scienza), 1882 (ergänzt 1887). Vorrede

Um erkennen zu können, ob ein Gedanke neu ist, muß man ihn zuerst in einer klaren Formulierung vor sich haben.

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Wenn große Gedanken uns täuschen, so unterhalten sie uns doch.

Vauvenargues, Unterdrückte Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Hohe Gedanken entspringen der Tiefe des Herzens.

Nötzel (Hg.), Östliche Weisheit, gesammelt und übersetzt von Karl Nötzel, 1954 (EA: 1946)

Worte werden nicht durch Bücher erschöpft; Gedanken werden nicht durch Worte erschöpft.

Wyss-Vögtlin (Übers.), 700 chinesische Sprichwörter, 1965 (EA: 1942)

Gedanken Ich könnte schwelgen tief in Schweigen, Ich könnte jubeln hoch in Tönen, Könnt' ich, ob laut, ob stumm der Reigen, Mir nur das Denken abgewöhnen! Gedanken martern um das Gestern, Gedanken martern um das Morgen, Und hegen Brut in warmen Nestern Und flattern auf als ew'ge Sorgen.

Claar, Vom Baum der Erkenntnis, 1909

Es gibt Tage wo man sehr glücklich gestimmt ist, und leicht neue Entwürfe machen, sie aber eben so wenig mitteilen, als wirklich etwas hervorbringen kann. Nicht Gedanken sind es; nur Seelen von Gedanken.

Schlegel, A. W., Fragmente, in: Athenaeum. Eine Zeitschrift von August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel, 1. Band, 2. Stück, 1798. Athenäums-Fragmente [208]

Tief fühlende, wie tief denkende Menschen haben im Leben viele Leiden, oft an Leib und Seele. Die Gedankenlosen scheinen am leichtesten durchzukommen. Und doch – was ist Leben ohne Gedanken? Eine große, lange Sandwüste, aus der selbst eine tropische Sonne kein Blümchen erweckt.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Ein großer Gedanke kennt keine Grenzen.

Tolstoi, Tagebücher. 1852

Wer weiß, ob die Gedanken nicht auch einen ganz winzigen Lärm machen, der durch feinste Instrumente aufzufangen und empirisch (durch Vergleich und Experiment) zu enträtseln wäre.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1896

Auch des Gedankens Gold will gemünzt sein, soll es unter die Leute kommen.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Aber auch die klarste Anschauung bleibt ein Bild und wird nie ein Gedanke.

Bouterwek, Aphorismen, den Freunden der Vernunftkritik nach Kantischer Lehre vorgelegt, 1793