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26202 Sprüche gefunden

Wer über sein Tages- und Lebenswerk nachdenkt, wenn er am Ende und müde ist, kommt gewöhnlich zu einer melancholischen Betrachtung: Das liegt aber nicht am Tage und am Leben, sondern an der Müdigkeit.

Nietzsche, Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile, 1881

Amor verleiht so spät zärtliche Liebe nicht mehr.

Properz, Elegien (Elegiae)

Auch ein ernstes gottesfürchtig Leben nicht vor Alter schützet, Mit Entrüstung seh' ich, wie schon Graues Haar im Pelz mir sitzet. Ja die Zeit tilgt unbarmherzig, Was der einz'le keck geschaffen – Gegen diesen scharfgezahnten Feind gebricht es uns an Waffen. Und wir fallen ihm zum Opfer, Unbewundert und vergessen; – O ich möchte wütend an der Turmuhr beide Zeiger fressen!

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.

Rousseau, Emil oder über die Erziehung (Émile ou de l'éducation), 1762

Wenn man auch noch so alt wird, so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man noch ein Kind war. Dieses, was unverändert stets ganz dasselbe bleibt und nicht mitaltert, ist eben der Kern unseres Wesens, welcher nicht in der Zeit liegt.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum zweiten Buch. Kapitel 19. Vom Primat des Willens im Selbstbewusstsein

Der Grundunterschied zwischen Jugend und Alter bleibt immer, dass jene das Leben im Prospekt hat, dieses den Tod; dass also jene eine kurze Vergangenheit und lange Zukunft besitzt; dieses umgekehrt.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Der bejahrte Murrkopf, welcher fest glaubt, daß in seiner Jugend die Welt viel ordentlicher und die Menschen besser gewesen wären, ist ein Phantast in Ansehung der Erinnerung.

Kant, Versuch über die Krankheiten des Kopfes, 1764

Im Alter Wie wird nun alles so stille wieder! So war mir's oft in der Kinderzeit, Die Bäche gehen rauschend nieder Durch die dämmernde Einsamkeit, Kaum noch hört man einen Hirten singen, Aus allen Dörfern, Schluchten weit Die Abendglocken herüberklingen, Versunken nun mit Lust und Leid Die Täler, die noch einmal blitzen, Nur hinter dem stillen Walde weit Noch Abendröte an den Bergesspitzen, Wie Morgenrot der Ewigkeit.

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Die Betagten sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht, was das Rechte ist.

Altes Testament. Das Buch Hiob (Ijob) (#Hiob 32,9)

Lied des Alten Bald vergilbt das grüne Gras, Rothe Rosen werden blaß, Und dein Flöten und Schalmei'n, Hirte du, Hirte, wird vergessen sein. Ueber Nacht die Blüthe fällt, Uebers Jahr dein braunes Zelt; Nachtigallenlied verhallt, Und dein Haar, Und dein Haar erbleicht wie bald! Deine Früchte höhlt der Wurm, Deine Linde bricht der Sturm, Deine Liebe freit der Tod: Doch er läßt, Doch er läßt dir deine Noth!

Wilbrandt, A., Gedichte, 1874. Originaltext

Im vorgerückten Alter ist die Moral meist gut. Was zu wünschen übrigläßt, ist die Unmoral.

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Wie das Licht schwindet mit der Abnahme des Öls, so das Schicksal mit der Abnahme des menschlichen Tuns.

Böhtlingk (Hg.), Indische Sprüche. Sanskrit und Deutsch, 3 Bde., 1863-65

Herbstgefühl O wär' es bloß der Wange Pracht, Die mit den Jahren flieht! Doch das ist's, was mich traurig macht, Daß auch das Herz verblüht; Daß, wie der Jugend Ruf verhallt, Und wie der Blick sich trübt, Die Brust, die einst so heiß gewallt, Vergißt, wie sie geliebt. Ob von der Lippe dann auch kühn Sich Witz und Scherz ergießt, 's ist nur ein heuchlerisches Grün, Das über Gräbern sprießt. Die Nacht kommt, mit der Nacht der Schmerz Der eitle Flimmer bricht; Nach Tränen sehnt sich unser Herz Und findet Tränen nicht. Wir sind so arm, wir sind so müd, Warum, wir wissen's kaum; Wir fühlen nur, das Herz verblüht, Und alles Glück ist Traum.

Geibel, E., Gedichte. Jugendgedichte. Zweites Buch. Berlin

Alt wird man wohl, wer aber klug?

Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Am obern Peneios. Mephistoteles zu Lamien

Nicht leisten können, was andere leisten – du musst dich bescheiden. Nicht mehr leisten können, was du selbst einmal geleistet hast – zum Verzweifeln.

Ebner-Eschenbach, Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte (= Gesammelte Schriften, 1. Band), 1893

Erzeige den Alten viel Ehre und wenn du mit ihnen im Gespräch bist, so führe keine närrischen Reden, das heißt, sprich nicht alles aus, was dir in den Kopf kommt.

Diez (Übers.), Buch des Kabus oder Lehren des persischen Königs Kjekjawus für seinen Sohn Ghilan Schach, 1811. 9. Kapitel: Über den Zustand des Alters und der Jugend

Der Alte verliert eins der größten Menschenrechte: er wird nicht mehr von seinesgleichen beurteilt.

Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, 1907. Aus Kunst und Altertum, 5. Bandes 3. Heft, 1826

Bei dem Leben wird, wie bei dem Montblanc, nicht das Hinauf-, sondern das Heruntersteigen am schwersten, zumal weil man statt des Gipfels Abgründe sieht​.

Jean Paul, Der Komet oder Nikolaus Marggraf. Eine komische Geschichte, 1820-22 (blieb wegen schwerer Schicksalsschläge nur Fragment). II. Enklave

Alles, was geworden ist, vergeht, und was wächst, altert.

Sallust, Über den Krieg gegen Jugurtha (De bello Iugurthino). 2. Kapitel

Sie welken schnell, die Blumen unsers Lebens, Und wir – wir welken ihnen langsam nach!

Mahlmann, Gedichte. Aus: Sehnsucht

Der Dichter sagt: "Was du in deiner Jugend begehrst, hast du im Alter in Fülle!" Meinte Goethe damit die süßen Schauer deiner ersten idealen Wünsche? Deine träumerischen Hoffnungen auf den Sieg und das Recht der wahren Menschengröße? Mit nichten! – Er meinte, das Alter bringt dir solche Erfüllungen, die dich nicht mehr beglücken. Unter den hochgetürmten Aschehügeln des Alters glimmt und glüht es von weitaus andern Dingen, die du dir, wenn du den Wert, den sie künftig für dich haben sollten, geahnt hättest, in der Jugend viel lieber gewünscht haben würdest.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868