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So wolle Gott Preußen erhalten, mannigfach und doch eins, wie das edle Metall, das aus vielen Metallen zusammengeschmolzen doch nur ein einziges und edles ist, keinem andern Rost unterworfen, als dem verschönernden der Jahrhunderte.

Friedrich Wilhelm IV., Reden. Am 10. September 1840. Gemeint ist die grüne Patina, die edle alte Bronzen überzieht und ihnen einen altertümlichen Reiz verleiht.

Des Weibes Blätterfall Du frägst, mein Freund, wie sich wohl künden »Das Altern« mag in Seel' und Leib, Was leiden mag und was empfinden, – Beginnt's zu altern erst – das Weib? Noch eh' im Spiegel es gewahr wird, Daß seine Jugend ihm entweicht, Noch eh' es ihm im Herzen klar wird, Daß sich das Alter zu ihm schleicht, Sagt's ihm des Mannes Blick, ich glaube Der nach ihm nimmer gierig langt, Weil – wie die Gais am jungen Laube – Des Mannes Blick an Jugend hangt! Noch ist das Weib von Reiz umstrahlet, Von Kraft und Fülle die Gestalt Wie sich am ersten Herbsttag malet Im Sonnenstrahl der Eichenwald; Doch wie in grüner Blätter Prangen Sich da und dort ein welkes zeigt, Zum Zeichen, daß der Lenz vergangen, Und daß zum Herbst der Sommer neigt: So kündigt sich der Jugend Weichen Beim Weib in leiser Spur schon an! Ein Haar will da und dort erbleichen – Und aus der Reihe fehlt ein Zahn, – Und wenn auch Furchen nicht gegraben Der Jahre Pflug in Stirn und Kinn: Die zarten Farben, die drauf haben Den Lenz gemalt, sie – schwinden hin. ... Doch, was im Lied' ich nicht kann sagen, Weil keinen Reim es dafür giebt: Das Leid ist's, das ein Herz ertragen Muß, das zum letztenmal dann – liebt!

Grünwald-Zerkovitz, Das Gretchen von heute, 1890

Alter und Jugend Ihr könnt nicht uns verstehen Und wir nicht euren Rat: Wohlan, so lasst uns gehen Ein jeder seinen Pfad. Ihr legt die Stirn in Falten, Ihr nennt euch selbst die Alten, Die Nüchternen, die Kalten: Und wir sind jung und wir sind frisch Und wir sind rasch und wir sind risch, Das kann nicht Friede halten. Wir wollen euch nicht zürnen, Ade, ihr alten Herrn! Vor euren kahlen Stirnen Beugt unser Knie sich gern. Doch sagt, vor unsern Locken, Vor unsers Flaumes Flocken, Warum steht ihr erschrocken? Auch euer Haupt war einmal braun, Auch euer Auge konnte taun, Nun aber ist es trocken. Ihr habt ihn längst verloren, Den Blick für unsre Welt, Euch dünkt ein Spott der Toren, Was uns die Seele schwellt. Ihr mögt nur immer sagen, Kopfschütteln nur und fragen, Bedauern und beklagen: Uns packt es an und reißt es fort, Nun sind wir hier, nun sind wir dort, Wir wollen einmal wagen. Lebt wohl! – Zum letzten Male Kreuzt unsre Bahn sich hier: Ihr geht gemach im Tale, Auf Klippen wandern wir. Ruht aus in Abendgluten, Beim Murmeln kühler Fluten, Wie eure Väter ruhten: Denkt nie, dass ihr einst selber so Ward jugendfrisch und jugendfroh –! Das Herz müsst euch ja bluten. Du aber, Reich der Jugend, Steig auf, du ewig jung, Du Götterreich der Tugend Und der Begeisterung! Und sollten wir verderben, Wir wollen für dich werben, Die Zukunft soll dich erben! Das Alter mag im Lehnstuhl ruhn: Doch will Gott uns was Gutes tun, So lass er jung uns sterben!

Prutz, R. E., Gedichte. Neue Sammlung, 1843

Tue dem Greise, was Du willst, daß man Dir tun solle, wenn einst Deiner Scheitel Haar versilbert sein wird! Pflege seiner und verlasse ihn nicht, wenn die wilde, leichtfertige Jugend ihn flieht!

Knigge, Über den Umgang mit Menschen, Erstdruck 1788, hier nach der 3. erweiterten Auflage von 1790. Zweiter Teil, 1. Kapitel, 6.

Leiser und lauter Wie der Vogel auf dem Baum, Der sich müd' am Tage sang, Nur noch zwitschert leis' im Traum, Daß es in der Nacht verklang: Also werden meine Lieder Leiser gegen meine Nacht; Und die lautern sing ich wieder, Wenn mein neuer Tag erwacht.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Zweites Bruchstück. Selbstschau

So viel ich Bücher auch gelesen, So reich einst meines Wissens Schacht, Das Alter hat mit seinem Besen, Vergeßlichkeit, Kehraus gemacht. So blieb von dem, was mein gewesen, Zuletzt nur, was ich selbst gedacht.

Sturm, Neue lyrische Gedichte, 1894. Kehraus

Ich denke, wie als Knabe, Wenn ich mit andern Knaben Ihr lärmend Spiel ein Weilchen So mitgespielt, auf einmal Zurücktrat überdrüssig, Und sagte: Ich spiele nicht mehr mit. So, wenn ich, alter Knabe Die jungen alten Knaben Mit solchem Lärm und Eifer Ihr Spiel fortspielen seh', Tret' ich zurück mit Lächeln Und sage: Ich spiele nicht mehr mit.

Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866 (aus seinem Nachlasse), 1888

Wohl machst du gerne jünger dich, Weil du dich schämst der Grausamkeit, Daß du und all dein reiches Ich Nur eine Frage kurzer Zeit,

Claar, Weltliche Legenden. Gedichte, 1899

Der Greis freilich muß auf ein wohlvollbrachtes Leben zurücksehen können, wenn sein Anblick wohlthuend sein soll.

Carrière, Aesthetik. Die Idee des Schönen und ihre Verwirklichung durch Natur, Geist und Kunst, 1859. Originaltext

Gleich einem Tiger, grausam, mörderisch, Das Alter droht! Gleich einer Feindesschar stürmt auf uns ein Der Krankheit Not!

Schroeder (Übers.), Mangoblüten. Eine Sammlung indischer Lieder und Sprüche in deutscher Nachbildung, 1892

Erst im späten Alter erlangt der Mensch ganz eigentlich das horazische nil admirari, d. h. die unmittelbare, aufrichtige und feste Überzeugung von der Eitelkeit aller Dinge und der Hohlheit aller Herrlichkeiten der Welt: die Chimären sind verschwunden.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Das Alter hat gegen die Jugend auch den Nachteil, dass es alles bar bezahlen muss und keinen Kredit mehr erhält.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Das Alter kann seine Nacktheit nur durch wahren Ruhm bedecken; Ruhm allein ersetzt die in einem langen Leben verbrauchten Gaben.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Das Alter hat am meisten zu erzählen, aber wie wenige wollen es hören und beherzigen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Letzter Mensch, denke nicht nach über die lange Welt vor und nach dir; im Universum gibt's kein Alter – die Ewigkeit ist jung – sinke in die Welle, wenn sie kommt, sie versiegt, und nicht du!

Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht, 1801

Die Naturen, denen viel Feuer, eine starke und heftige Begierde oder Ungeduld eigen ist, sind nicht eher zum Handeln reif, als bis sie den Meridian ihrer Jahre überschritten haben [...]. Auf der andern Seite sind Feuer und Lebhaftigkeit im Alter eine treffliche Verbindung für Geschäfte.

Bacon, Essays oder praktische und moralische Ratschläge (The Essayes or Counsels, Civill and Morall), 1597 (1612 und 1625 um neue Essays erweitert). Von der Jugend und dem Alter (Of Youth and Age), übersetzt von J. Fürstenhagen 1884

Das Alter achtet die Liebe, aber – ungleich der Jugend – wenig die Zeichen der Liebe.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Vierter Band. 26. Jobelperiode. 102. Zykel

Die düsteren und kalten Herbsttage sind ein Symbol des nahenden Alters; es gibt nichts in der Natur, das nicht ein Gleichnis des menschlichen Lebens wäre, denn das menschliche Leben ist selbst ein Bild aller Dinge, und das ganze Universum ist von einheitlichen Gesetzen beherrscht.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

"Die Zeit ist mir in die Kiepe gestiegen!" sagte Knacksteert, da war er alt geworden.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

[...] und du, mein Kind, wirst's auch wohl dann und wann noch erfahren, wie leicht der Menschen Sinnen und Fühlen sich bewegt und mit dem Wind wechselt. Du wirst es erfahren im Guten wie im Bösen, und es muß wohl recht verständig in solcher Weise bestellt sein, denn der verständige Mensch siehet solches je klarer ein, je älter er wird.

Raabe, Im Siegeskranze, 1869

In der Jugend erzieht Gott durch das, was er gibt, im Alter durch das was er nimmt.

Unruh (Hg.), Album einer Frau, 2 Bde., 1872 (4. Auflage, anonym veröffentlicht)