Alter Sprüche

Sprüche über Alter

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Erst im späten Alter erlangt der Mensch ganz eigentlich das horazische nil admirari, d. h. die unmittelbare, aufrichtige und feste Überzeugung von der Eitelkeit aller Dinge und der Hohlheit aller Herrlichkeiten der Welt: die Chimären sind verschwunden.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Das Alter hat gegen die Jugend auch den Nachteil, dass es alles bar bezahlen muss und keinen Kredit mehr erhält.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Das Alter kann seine Nacktheit nur durch wahren Ruhm bedecken; Ruhm allein ersetzt die in einem langen Leben verbrauchten Gaben.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Das Alter hat am meisten zu erzählen, aber wie wenige wollen es hören und beherzigen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Letzter Mensch, denke nicht nach über die lange Welt vor und nach dir; im Universum gibt's kein Alter – die Ewigkeit ist jung – sinke in die Welle, wenn sie kommt, sie versiegt, und nicht du!

Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht, 1801

Die Naturen, denen viel Feuer, eine starke und heftige Begierde oder Ungeduld eigen ist, sind nicht eher zum Handeln reif, als bis sie den Meridian ihrer Jahre überschritten haben [...]. Auf der andern Seite sind Feuer und Lebhaftigkeit im Alter eine treffliche Verbindung für Geschäfte.

Bacon, Essays oder praktische und moralische Ratschläge (The Essayes or Counsels, Civill and Morall), 1597 (1612 und 1625 um neue Essays erweitert). Von der Jugend und dem Alter (Of Youth and Age), übersetzt von J. Fürstenhagen 1884

Das Alter achtet die Liebe, aber – ungleich der Jugend – wenig die Zeichen der Liebe.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Vierter Band. 26. Jobelperiode. 102. Zykel

Die düsteren und kalten Herbsttage sind ein Symbol des nahenden Alters; es gibt nichts in der Natur, das nicht ein Gleichnis des menschlichen Lebens wäre, denn das menschliche Leben ist selbst ein Bild aller Dinge, und das ganze Universum ist von einheitlichen Gesetzen beherrscht.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

"Die Zeit ist mir in die Kiepe gestiegen!" sagte Knacksteert, da war er alt geworden.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

[...] und du, mein Kind, wirst's auch wohl dann und wann noch erfahren, wie leicht der Menschen Sinnen und Fühlen sich bewegt und mit dem Wind wechselt. Du wirst es erfahren im Guten wie im Bösen, und es muß wohl recht verständig in solcher Weise bestellt sein, denn der verständige Mensch siehet solches je klarer ein, je älter er wird.

Raabe, Im Siegeskranze, 1869

In der Jugend erzieht Gott durch das, was er gibt, im Alter durch das was er nimmt.

Unruh (Hg.), Album einer Frau, 2 Bde., 1872 (4. Auflage, anonym veröffentlicht)

Alt sein wäre nicht so beängstigend – aber fortwährend älter werden...!

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Es schwinden alle Leidenschaften im Alter.

Hugo, V., Gedichte. Aus: Strahlen und Schatten (Les rayons et les ombres), 1840

Wenn man fühlt, daß man mit den Jahren vielleicht an Übersicht und Geschmack gewonnen hat, so glaubt man einigen Ersatz zu sehen, wenn sich Energie und Fülle nach und nach verlieren will.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ludwig von Knebel, 17. September 1799

So sieh doch einem Alten etwas nach!

Lessing, Nathan der Weise, 1779; uraufgeführt 1783. 4. Akt, 4. Auftritt, Saladin

Je älter wir werden, desto mehr scheinen uns Dinge selbstverständlich, die uns früher am wenigsten einleuchten wollten.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Der Wartesalon des Todes, das Alter.

Lüttwitz, Wo ist das Glück? Aphorismen, 1911

Die Männer altern, und die Frauen verändern sich.

Goethe, J. W., Autobiographisches. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 1812-1813, 3. Teil, 14. Buch

Wenn ich meine Werke überdenke und betrachte, so merke ich erst, wie jung ich war und wie jung ich leider noch bin; wenn ich aber meine Zeitgenossen betrachte, so merke ich zu meinem Leidwesen, daß die Herren jünger sind.

Anzengruber, Einfälle und Schlagsätze. Aus dem Nachlaß, in: Gesammelte Werke in zehn Bänden, Bd. 5, 1892

Der Alte Ich werde viel älter und Schwermuth und Plage Droht meiner schon sinkenden Hälfte der Tage: Kaum wallet noch weiter mein zögerndes Herz Bei winkenden Freuden, bei lockendem Scherz. Die schmeichelnde Falschheit der lachenden Erben Verheißt mir das Leben und wünschet mein Sterben: Ein fingernder Doctor besalbt mir den Leib: Bald lärmet der Pfarrer, bald predigt mein Weib. Die warnenden Kenner der Wetter und Winde, Die stündlichen Forscher: Wie ich mich befinde? Die thränenden Augen, die keichende Brust Entkräften den Liebreiz, verscheuchen die Lust. Nun soll mich doch einmal mein Leibarzt nicht stören. Verjüngende Freunde, hier trink ich mit Ehren! Weib, Pfarrer und Erben, nur nicht zu genau! Hier frag' ich nicht Pfarrer, nicht Erben, noch Frau. Im Beisein der Alten verstellt sich die Jugend: Sie trinkt nur bei Tropfen, sie durstet vor Tugend; Ich ehrlicher Alter verstelle mich auch, Bezeche den Jüngling und leere den Schlauch. Mein Auge wird heller: wer höret mich keichen? Ich suche der muthigen Jugend zu gleichen; Und will, auch im Alter, bei Freunden und Wein, Kein Tadler der Freuden, kein Sonderling sein.

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Das Altwerden ist eine dumme Geschichte, aber wenn man es im Grunde nimmt, das einzige Mittel, lange zu leben.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944. 1881