Alter Sprüche – zeit

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Unsre Lebensalter sind die Lebensalter der Pflanze: wir gehen auf, wachsen, blühen, blühen ab und sterben.

Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 4 Bde., 1784-91. Erster Teil. Zweites Buch. II. Das Pflanzenreich unserer Erde in Beziehung auf die Menschengeschichte

Es ist schlimm, wenn man merkt, daß man alt wird, aber es ist schlimmer, wenn man es nicht merkt.

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… und nichts ist am Greise so lächerlich wie die Liebe, obwohl sie es außer anderen Wunderdingen oft zuwege bringt, ohne Rücksicht auf die Jahre ein erfrorenes Herz von neuem auflodern zu lassen.

Castiglione, Der Hofmann (Il Libro del Cortegiano), 1528

Mit dem Alter kommt Schlaflosigkeit – ein Wink, daß die Alten wachen sollen über und für die Jüngeren, die schlafen, und nachdenken über und für das Wohl der Unmündigen.

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Als ich jung war, fürchteten die Kranken mich, jetzt, da ich grau geworden bin, fürchte ich die Kranken.

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Nicht veraltet ist der Alte! Manche Narbe, manche Falte Schrieb die Zeit in ihren Grillen, Wider des Bewohners Willen, Oft mit schwerer Hand An die äußre Wand. In dem Innern stört den Alten Nicht der Polygraphin Walten! Keine Reue soll ihm wehren, Froh den letzten Kelch zu leeren, Den die Liebe kränzt, Hoffnung ihm kredenzt!

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Wie schön die Blätter älter werden. Voller Licht und Farbe sind ihre letzten Tage.

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Der Jugend gehört die Welt. Im mittleren Alter hat man nur noch Verpflichtungen. Im Alter landet man in der Abstellkammer des Lebens.

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Indes des Lebens dünner Zwirn verschleißt, Der Erbe lauert und die Gicht uns beißt.

Byron, Don Juan, 1819-24

Bei Gott! dachte er, ich werde alt. Warum hier?

Wolfe, Schau heimwärts, Engel (Look Homeward, Angel: A Story of the Buried Life), 1929

Alles altert und verjüngt sich wieder. Warum sind wir ausgenommen vom schönen Kreislauf der Natur? Oder gilt er auch für uns?

Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, 2 Bde., 1797-99. Erster Band. Erstes Buch. Hyperion an Bellarmin

Gegen meine 60 Jahre hätte ich viel einzuwenden, wenn es ein anderes Mittel gäbe, leben zu bleiben, als das, alt zu werden.

Meyer, C. F., Briefe. An Louise von François, 20. Oktober 1885

Unseliger! Besonnenheit gab selbst die Zeit dir nicht, nur Torheit kam zu Jahren!

Sophokles, Ödipus auf Kolonos, posthum aufgeführt um 401 v. Chr

Ich wollte das Alter gern der Jugend gleichsetzen, wenn es nur nicht die Enge der Bewegung, die Schwere der Erinnerung, die Bitternis der Erfahrung hätte.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Wir begreifen die Ruinen nicht eher, als bis wir selbst Ruinen sind.

Heine, Gedanken und Einfälle, in: Letzte Gedichte und Gedanken von Heinrich Heine, hg. von Adolf Strodtmann 1869. VI. Vermischte Einfälle

Häßlich grinst das Alter und Verderben, der Jugend Lebensdurst und das Gesicht der Erben.

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Älter ward ich, doch klüger nicht, Reicher allein an Jahren.

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Später Dank und späte Freuden gleichen der Wintersonne: sie wärmen wenig und wecken müde Kräfte.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Das Alter ist eine Krankheit, daran man sterben muss.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Es weinet die Jugend, es weinet das Alter; aber dort tauet der Morgen, hier nur der Abend!

Jean Paul, Herbst-Blumine oder gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, 3 Bde., 1810-20. Erstes Bändchen. II. Meine Miszellen. 3. Polymeter. Aus: Die doppelten Thränen

Nicht die jungen Glieder sind's, In denen sich ein Witt'rungswechsel meldet, Die alten Knochen spüren ihn zuerst!

Hebbel, Gyges und sein Ring. Eine Tragödie in fünf Akten, Erstdruck 1856, uraufgeführt 1889. 1. Akt, Thoas