Alter Sprüche – zeit

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Was ist schlimmer als sterben? Sich überleben!

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Es kleidet nicht jeden Menschen das Alter und nicht jede Landschaft der Schnee.

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Wenn der Geist frisch ist, ist es für den Körper eine Schmach, zu zerfallen.

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Die Greisin Weiße Freundinnen mitten im Heute lachen und horchen und planen für morgen; abseits erwägen gelassene Leute langsam ihre besonderen Sorgen, das Warum und das Wann und das Wie, und man hört sie sagen: Ich glaube –; aber in ihrer Spitzenhaube ist sie sicher, als wüßte sie, daß sie sich irren, diese und alle. Und das Kinn, im Niederfalle, lehnt sich an die weiße Koralle, die den Schal zur Stirne stimmt. Einmal aber, bei einem Gelache, holt sie aus springenden Lidern zwei wache Blicke und zeigt diese harte Sache, wie man aus einem geheimen Fache schöne ererbte Steine nimmt.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Neue Gedichte. Der neuen Gedichte anderer Teil, 1908

Der Naturkreis Alles, du Ruhige, schließt sich in deinem Reiche, so kehret Auch zum Kinde der Greis, kindisch und kindlich, zurück.

Schiller, F., Gedichte. Erstdruck 1797

Fürwahr, wir sind alt geworden und finden größern Spaß und mehr Geschmack an langausgesponnenen, nichtigen Tändeleien als an den kurz abgefertigten Narrenstreichen unserer Jugend, zumal wir jetzt länger daran zu zehren haben.

Balzac, Tolldreiste Geschichten (Les contes drolatiques), 1832-37 (dt. 1908)

Das ist das Ärgste, im Alter leiden um einer Jugendtorheit willen.

Ebner-Eschenbach, Das Gemeindekind, 1887

Das Alter ist ein heiklig' Haus Und fängt bald an zu wanken: Dem einen geh'n die Haare aus, Dem Andern die Gedanken.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Das Alter ist unheilbar.

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Die Vierzig sind ein schreckliches Alter. Weil es das Alter ist, wo wir das werden, was wir sind.

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Das Alter muß docheinenVorzug haben, Daß wenn es auch dem Irrtum nicht entgeht, Es doch sich auf der Stelle fassen kann.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 3. Akt, 4. Szene, Antonio zu Leonore

Wie traurig ist das Weinen des Greises! – Nächtlicher Regen, der nicht auf Sonne und klaren Himmel hofft.

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Ein Lied Mir schien, man altert nicht so bald, Man hält sich recht in Schwung Mit Hanteln und Florett, So bleibt der Körper jung. Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? An Wörtern fehlt's mir nicht, jedoch, Welch Weib ist schon beglückt, Wenn ich nicht mehr in Ohnmacht fall, Sobald ich sie erblickt? Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? Oh, das Begehren ist noch da, Nur nicht das Herz. Ich hätte Gemeint, daß es den Leib verzehrt Noch auf dem Totenbette, Denn daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht?

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In der Regel fängt man mit fünfzig an, der Welt satt zu werden, mit sechzig ist's die Welt müde mit uns, und im siebenzigsten heißt's Adieu Partie!

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter

Es gibt eine Art körperlicher Bewegungen, deren unbeholfenes Tempo und mit Gewalt erzwungenes Federn ein gewisses Alter unbarmherzig enthüllen.

Balzac, Tante Lisbeth (La Cousine Bette), 1846

Zu spät Was soll dem Hoffnungslosen Der Zauber im Gemüt? Ach! meines Lebens Rosen Sind alle schon verblüht. Mir wend' nicht zu dein bleiches, Dein holdes Angesicht, Das Glück ist ein zu reiches, Von dem dein Anblick spricht. Mir war's als süße Treue Dein feuchtes Aug' verhieß, Ich säh' des Gottes Reue, Der mich ins Elend stieß.

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Rückblick Und so sind sie hingeschwunden, Jahre, voll von Leid und Glück, Tief im Innersten empfunden – Lächelnd schau ich jetzt zurück. Jugendgärung ist vorüber, Fühle Ruhe, fühle Kraft; Doch die Unruh' war mir lieber, Die nur einzig zeugt und schafft!

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Ich bin zu alt, um etwas zu tadeln, Doch immer jung genug, etwas zu tun.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4

Endlos ist ziellos; ungemessene Schätze vergeudet man; erst, indem das Leben an den Tod rückt, empfängt es Gestalt und Schwerkraft.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Laßt zahme Xenien immer walten, Der Dichter nimmer gebückt ist. Ihr ließt verrückten Werther schalten, So lernt nun, wie das Alter verrückt ist.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 4

In der Silbe ›alt‹ strömt der ganze mythologische Fluß Lethe, aus dem die junge Frau Vergessenheit des Gatten schlürft.

Friedell (Hg.), Das ist klassisch! Nestroy-Worte, hg. von Egon Friedell 1922