Alter Sprüche – zeit
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Eure Rätsel, dichtversponnene Büsche, Bald nun sind sie wieder gelöst, wenn spottend Pfeift der Wind durch die leergeschüttelten Zweige! Wenig seid ihr selbst: doch flochtet ihr flüsternd Ein Geheimnis magisch dämmernder Schatten Um die Triebe schwärmender Sommerpärchen! Satt sind nun die Hungrigen, die ihr hegtet Euer Werk ist getan – und rauh in die Gosse Fegt den dürren Rest das knochige Kehrweib.
Die alten Tage sind nichts anderes als ein zweites Säuglingsalter.
Das Alter nimmt dir nichts, was es dir nicht erstattet.
Das Alter Hoch mit den Wolken geht der Vögel Reise, Die Erde schläfert, kaum noch Astern prangen, Verstummt die Lieder, die so fröhlich klangen, Und trüber Winter deckt die weiten Kreise. Die Wanduhr tickt, im Zimmer singet leise Waldvöglein noch, so du im Herbst gefangen. Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen, Du blätterst drin, geschützt vor Sturm und Eise. So mild ist oft das Alter mir erschienen: Wart nur, bald taut es von den Dächern wieder Und über Nacht hat sich die Luft gewendet. Ans Fenster klopft ein Bot' mit frohen Mienen, Du trittst erstaunt heraus – und kehrst nicht wieder, Denn endlich kommt der Lenz, der nimmer endet.
Als würdige Erfindung Unsterblich weiser Geister Und letztes Übel gaben uns die Götter Das Alter, wo die Sehnsucht Noch währet, doch vernichtet ist die Hoffnung.
Die Jahrevorden Vierzigern tragenuns, aber die hernach hocken auf in die Kiepe und wir müssensieschleppen.
Es ist doch eine Gnade, alt zu werden. Vieles erlebt man erst im Alter.
Ich erinnere mich bey dieser Gelegenheit eines Vorwurfs den ich von Lavatern … hören mußte, er sagte: »Du thust auch als wenn wir dreyhundert Jahre alt werden wollten.« Und doch ist, besonders in wissenschaftlichen Dingen, kaum anders zu handeln; wenn man sich nicht alle Jahre zurücknehmen will, so darf man nur mit sich selbst reden.
Wenn die heitern Tage enden Mit den froh durchschwärmten Nächten, Wenn die Jugendzeit verblüht Mit den Rosen auf den Wangen: Ist's auch mit den Liedern aus – Will der Kuckuck nicht mehr rufen, Nicht die Nachtigall mehr schlagen, Hört der Lerche Trillern auf Und der ersten Liebe Jauchzen.
Das Alter Nach der 11ten Ode Anakreons Euch, lose Mädchen, hör ich sagen: – Du bist ja alt, Anakreon. Sieh her! du kannst den Spiegel fragen, Sieh, deine Haare schwinden schon; Und von den trocknen Wangen Ist Blüt und Reiz entflohn. – Wahrhaftig! ob die Wangen Noch mit dem Lenze prangen, Wie, oder ob den Wangen Der kurze Lenz vergangen, Das weiß ich nicht; doch was ich weiß, Will ich euch sagen: daß ein Greis, Sein bißchen Zeit noch zu genießen, Ein doppelt Recht hat, euch zu küssen.
Der Frühling des Lebens und das Gespinnst des Nachsommers weben uns das Winterkleid des Alters.
Die Sanduhr rinnt, die Zeit verrinnt, Es rinnt der Sand, es rinnt der Sand. Vor vielen Jahren war ich Kind: Wo ist denn nun mein Vaterland? Ich habe viel gedacht, gefühlt; Das ist mir fern, so weit, so weit. Ich habe lange wohl gespielt, Und unaufhörlich rinnt die Zeit. Ich sehe alles nun so klein, Im Kleinen ist wohl Leid und Streit. Das alles war ja früher mein, Nun aber kommt die Ewigkeit.
Schweizeralpe War doch gestern dein Haupt noch so braun wie die Locke der Lieben, Deren holdes Gebild still aus der Ferne mir winkt; Silbergrau bezeichnet dir früh der Schnee nun die Gipfel, Der sich in stürmender Nacht dir um den Scheitel ergoß. Jugend, ach! ist dem Alter so nah, durchs Leben verbunden, Wie ein beweglicher Traum Gestern und Heute verband.
Ein alter Mann ist stets ein König Lear! – Was Hand in Hand mitwirkte, stritt, Ist längst vorbeigegangen, Was mit und an dir liebte, litt, Hat sich woanders angehangen; Die Jugend ist um ihretwillen hier, Es wäre törig zu verlangen: Komm, ältele du mit mir.
Die Hölle der Frauen ist ihr Altern.
Nur wer sein Herz der Liebe zugeschlossen, Und Jugend nicht mehr zu verstehen strebt, Der altert, der ist tot dieweil er lebt.
Entfloh mit der Jugend der Zauber der Schönheit, Die heitere Laune, das glühende Herz, Entschädigt dafür uns im Alter die Weisheit, Verständnis für Schönheit, Empfängnis für Scherz.
Die veränderlichen Triebe der menschlichen Alter Nach Puppen wird das Kind sich sehnen, Der muntre Jüngling nach der Schönen, Der Ruhm erhitzt des Mannes Fleiß, Und Gold begehrt der matte Greis. Bei so veränderlichen Trieben, Wer wird sein wahres Glücke lieben? Nur der, der Schönen, Ruhm und Geld Für Puppen der Erwachsnen hält.
Wie mürrisch doch das Alter stets die Menschen macht und ihren Blick verdüstert!
Älterwerden bedeutet bei jenen, die fortschreiten, ein unaufhaltsames Aufhellen.
Die Haare des Greises tragen Zeichen des Alters, die Zähne des Greises tragen Zeichen des Alters; aber der Wunsch nach Leben, der Wunsch nach Glück schwindet auch bei dem Greise nicht.