Charakter Sprüche – erfahrung

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In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen läßt – das Knochengebäude des Charakters; und dieses ändern wollen heißt immer, ein Schaf das Apportieren lehren.

Lichtenberg, Sudelbuch G, 1779-1788. [G 60]

Man kann den Charakter eines Menschen nie besser kennen lernen, als an seinem Krankenbette, sowie die Gesinnungen während seines Rausches.

Grillparzer, Ästhetische Studien, Sprachliche Studien, Aphorismen. 1821

Ich kann nicht oft genug wiederholen, daß kein Mensch unaufhörlich und mit Erfolg gegen seinen eigenen Charakter ankämpfen kann.

Bulwer-Lytton, Pelham, oder Abenteuer eines Gentleman (Pelham, or, The adventures of a gentleman), 1828, deutsch von Gustav Pfizer 1845

Der Mensch ist der Bildner der Verhältnisse. Der Charakter ist es, der aus den Verhältnissen eine Existenz schafft. An dieser bildenden Kraft wird unsere Stärke gemessen. Aus dem gleichen Material baut der eine Paläste, der andere Hütten, der eine Speicher, der andere Landhäuser; und der Granitblock, der für den Schwachen ein Hemmnis ist auf seinem Pfade, ist für den Starken eine Stufe, die ihn höher fördert.

Lewes, Goethes Leben und Werke (The life and works of Goethe. Sketches of His Age and Contemporaries, from Published and Unpublished Sources), 2 Bde., 1855

Urteile nicht abschließend über einen Menschen, ehe du nicht weißt, wie er sich bei Erbschaftsangelegenheiten betragen hat. Ich habe manchen für feinfühlig, rücksichtsvoll und gutherzig gehalten, der urplötzlich eine fast gemeine Ichsucht entfaltete, als es die Teilung eines Nachlasses galt.

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Hinten herum Ein Mensch, der etwas auf sich hält, Bewegt sich gern in feiner Welt; Denn erst in weltgewandten Kreisen Lernt man die rechten Redeweisen, Verbindlich, aber zugespitzt Und treffend, wo die Schwäre sitzt. Es ist so wie mit Rektor Knaut, Der immer lächelt, wenn er haut. Auch ist bei Knaben weit berüchtigt Das Instrument, womit er züchtigt. Zu diesem Zweck bedient er nämlich, Als für den Sünder gut bekömmlich, Sich einer schlanken Haselgerte, Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte, Die sich, von rascher Hand bewegt, Geschmeidig um die Hüften legt. Nur wer es fühlte, der begreift es: Vorn schlägt er zu und hinten kneift es.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

In jedem Charakter ruht ein Verhängnis, in jedem Talent die Entwicklung seines eigenen Könnens. Ich kann nicht über mich. – Das ist die große Mechanik Gottes in der Menschenwelt.

Brachvogel, Friedemann Bach. Roman, 1858

Wer möchte sagen, was von den ersten Eindrücken bestimmend auf die Entwicklung des Menschen wirkt? Der Charakter vielleicht ist angeboren, aber die ganze Richtung des Geschmacks wird wahrscheinlich bei weitem öfter durch jene ersten Eindrücke bestimmt, als man glaubt. Und zwar durch jene unbewußten Anschauungen, während der Begriff sich erst viele Jahre später dazu fügt.

Stahl, Isola bella, 1876

Nur selten erwirbt man Eigenschaften, die man entbehren kann.

Laclos, Gefährliche Liebschaften (Les Liaisons dangereuses), 1782

Der Charakter ersetzt nicht das Wissen, aber er suppliert es.

Goethe, J. W., Gespräche. Mit Kanzler Friedrich von Müller und Friedrich Wilhelm Riemer, 31. März 1823

Jede Sache verrät sich bei näherer Betrachtung; und ein Schluss auf den Charakter lässt sich auch aus den unbedeutendsten Dingen machen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 52. Brief. Übersetzt von August Pauly (1833) Originaltext: Omnia rerum omnium, si observentur, indicia sunt, et argumentum morum ex minimis quoque licet capere

Das Schicksal hat keinen Einfluß auf unseren Charakter, im Gegenteil: Der Charakter bestimmt das Schicksal und modelt es um.

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Gewöhnlich entsteht die Größe des Charakters aus einem natürlichen Gleichgewicht mehrerer entgegengesetzter Eigenschaften.

Diderot, Rameaus Neffe (Le Neveu de Rameau), entstanden 1762-1773, übersetzt von Johann Wolfgang von Goethe 1805, gedruckt 1821

Du wirst immer finden, daß, wer viel in Not und Sorgen war, gemeiniglich mehr ist, mehr kann und mehr wird als die guten Hansen ohne Sorgen.

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Dem Verlauf der Entwicklung des Geistes und Charakters wird hauptsächlich durch organische Disposition seine Bahn angewiesen.

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Fein war er eigentlich nicht, allein er verstund doch die Kunst, wenn er es bedurfte, zuweilen auf seinen Nebenmenschen zu reiten.

Lichtenberg, Sudelbuch B, 1768-1771. [B 396]

Man muss viel Charakterlosigkeit kennengelernt haben, um „Charaktere“ schildern zu können.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Die erste Bemühung bei der moralischen Erziehung ist, einen Charakter zu gründen. Der Charakter besteht in der Fertigkeit, nach Maximen zu handeln.

Kant, Über Pädagogik. Bemerkungen aus den über diesen Gegenstand bei der Universität mehrmals gehaltenen Vorträgen, hg. von D. Friedrich Theodor Rink 1803. Von der physischen Erziehung

Das Wesen eines Menschen läßt sich durch drei schlagkräftige Anekdoten aus seinem Leben vielleicht mit gleicher Bestimmtheit berechnen, wie der Flächeninhalt eines Dreiecks aus dem Verhältnis dreier fixer Punkte zueinander, deren Verbindungslinien das Dreieck bilden.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Der Mensch kann nicht eher wissen, wie gut er ist, als bis einmal sein halbes Glück von einer großen Sünde abhing.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

Der Charakterstarke sucht zuerst alle Schuld bei sich, der Charakterlose beim anderen.

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