Charakter Sprüche – tiefgründig
148 Sprüche gefunden
Mein Verstand und mein Charakter liegen beständig im Kriege miteinander, und bei ihren fortwährenden Zusammenstößen habe ich stets gefunden, daß ich nicht Verstand genug für meinen Charakter und nicht Charakter genug für meinen Verstand besaß.
Wenn Menschen sich dadurch liebenswerter machen wollen, daß sie einen moralischen Charakter erheucheln, der von ihrem wahren Charakter verschieden ist, dann irren sie sich außerordentlich. Die Anstrengung wird doch nach kurzer Zeit als solche erkannt, ebenso der Widerspruch des vorgetäuschten Charakters mit dem wirklichen, der doch dauernd durchschimmert. […]
Die Lumpen, denen man es nicht ansieht, sind die größten.
So mancher sieht sich in der Welt verkannt, weil er die Welt verkennt.
Wer Charaktere studiert, der suche das Herz zu ergründen, Nicht den Verstand und den Geist; heißt doch Charakter: Gemüt.
Ein Charakter, der sich nicht widerspricht, ist keiner.
Mancher sank umso tiefer an Würde des Charakters, je höher er im Charakter seiner Würde stieg.
In der Nacht hat der Mensch nur ein Nachthemd an, und darunter kommt gleich der Charakter.
Wie selten ist ein scharf ausgeprägter Charakter zu finden! Unsere Zustände haben die Masse zu einer abgeschliffenen, abgegriffenen Münze gemacht, aus allen Händen kommend, in alle Hände gehend. Auf dem Markt ist dies die gangbarste Münze; aber in die Schatzkammer der Menschheit kommt sie nicht.
Manche Menschen gleichen jenen schlecht gebundenen Büchern, die trotz des gewaltsamsten Öffnens und Auseinanderpressens doch immer wieder von selbst zusammenschlagen. Sie gestatten keinen tieferen Einblick in ihr Herz und Gemüt [...].
Alle komischen Charaktere sind tragisch im höchsten Grade.
Um fest zu bleiben, muß man's Ohr verkleben; Wer Gründen lauscht, hat sich schon halb ergeben.
Nach edleren Charakteren muss man im Leben tief graben, wie nach reinem Golde. Sie hängen nicht da, wie das lose Gras am Abhang der Berge, das jeder vorübergehende Bock beliebig abfressen kann.
Das Urteil über einen Menschen hängt oft bedeutend von seiner formellen Bildung ab. Manche Leute sind wie Münzsammler, die nur auf das Gepräge sehen, nicht darauf: ob Gold oder Kupfer, Silber oder Blei?
Dein Nein sei eine eherne Mauer, an der das Kind fünf- oder sechsmal seine Kräfte erschöpfen mag, um es nie wieder zu versuchen, sie umzustürzen.
Strenge gegen sich selbst, mit Weichheit gegen andre verbunden, macht den wahrhaft vortrefflichen Charakter aus. Aber meistens wird der gegen andere weiche Mensch es auch gegen sich selbst, und der gegen sich selbst strenge es auch gegen andere sein; weich gegen sich und streng gegen andre ist der verächtlichste Charakter.
Charakter kann man nicht logisch erklären, nicht empirisch erzeugen, nicht geistig errechnen.
Dergleichen Umsetzungen des Charakters, wo der Komponist gleichsam dem Dichter zuwiderarbeitet, tun oft die größte Wirkung.
Zunächst fallen uns zwei Gattungen von Menschen ein, gegen die wir uns verwahren möchten, wenn wir es könnten. Zuvörderst solche, welche, so wie sie selbst mit ihren Gedanken niemals über die neueste Zeitung hinauskommen, annehmen, dass dies auch kein anderer könne. […] Sodann gibt es solche, die vor keinem Dinge Scheu haben, wohl aber vor den Worten zu den Dingen, und vor diesen eine unmäßige. Du magst sie unter die Füße treten und alle Welt mag zusehen; dabei ist für sie weder Schande noch Übel: wenn aber darauf ein Gespräch erhoben würde vom Treten mit Füßen, so wäre dies ein unleidliches Ärgernis, und nun erst höbe das Übel an.
In jedem, auch selbst unbedeutenden Menschen liegt im Grunde ein tieferer und edlerer, wenn der wirklich erscheinende nicht viel taugt, oder noch edlerer, wenn er in sich gut ist, verborgen.
Strenge mit gleicher Freundlichkeit zu mildern und mit großer Würde ebenso große Höflichkeit zu verbinden, ist so schwierig wie edel.