Charakter Sprüche – tiefgründig

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Der mißversteht die Himmlischen, der sie Blutgierig wähnt: er dichtet ihnen nur Die eignen grausamen Begierden an.

Goethe, Iphigenie auf Tauris, 1787. 1. Akt, 3. Szene, Iphigenie zu Thoas

Man irrt sich gar sehr, wenn man aus dem, was ein Mann in Gesellschaft sagt oder auch tut, auf seinen Charakter oder Meinungen schließen will. Man spricht und handelt ja nicht immer vor Weltweisen; das Vergnügen eines Abends kann an einer Sophisterei hängen.

Lichtenberg, Sudelbuch G, 1779-1788. [G 69]

Der Mann wird gehässig, der sich in seinen Plänen, wenn sie unedel sind, durchschaut sieht.

Vogel, Im zeitlosen Strome. Randbemerkungen des Lebens, 1913

Es muss einer schon fest im Ton sein, um nicht in die Melodie zu verfallen, die die andern pfeifen.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Je bitterer die Schale, je süßer der Kern.

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Je leichter der Mensch ist, desto tiefer kann er sinken.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Charakter haben und deutsch sein, ist ohne Zweifel gleichbedeutend.

Fichte, Reden an die deutsche Nation, 1808. 12. Rede: Über die Mittel, uns bis zur Erreichung unsers Hauptzwecks aufrecht zu erhalten

Ein Charakter ist ein vollkommen gebildeter Willen.

Novalis, Fragmente. Erste, vollständig geordnete Ausgabe hg. von Ernst Kamnitzer, Dresden 1929. Bruchstücke psychologischer Enzyklopädistik

Sonder Falsch, wie die Tauben! und ihr beleidigt keinen: Aber klug, wie die Schlangen! und euch beleidigt keiner.

Haug, Sinngedichte, 1791

Wir müssen der gütigen Vorsehung dafür danken, dass die äußerste Verdorbenheit des Herzens zuweilen merkwürdiger Weise mit einem verworrenen Verstande verbunden ist, welcher selbst den stärksten Lieblingsneigungen entgegenwirkt und denselben Mann zu einem Verräther ohne Geschick und zu einem Heuchler ohne Maske macht.

Ruge (Hg.), Gesammelte Schriften, achter Band. Junius' Briefe, übersetzt von Arthur Ruge, 1847. 15. Brief. An Seine Gnaden den Herzog von Grafton. Den 8. Juli 1769

Je großartiger und sittlicher ein Charakter ist, desto einfacher und klarer sind auch seine Situationen, seine Beziehungen zur Welt. Umgekehrt deuten verwirrte, verdunkelte und sehr individualisierte Verhältnisse auf einen komplizierten Charakter, auf einen Egoisten, Abenteurer und Intriganten zurück.

Goltz, Typen der Gesellschaft, 2 Bde., 1860

Mit manchen Anlagen verhält es sich wie mit den Sinnen; wer keine hat, gewahrt und begreift sie nicht.

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Wer einmal krumme Wege zu gehen liebt, befreundet sich wohl nie wieder mit den geraden der Wahrheit.

Knigge, Über den Umgang mit Menschen, Erstdruck 1788. Hier zitiert nach der 16. Ausgabe von Karl Goedeke, 1878

Der hat den Kopf über dem Nebel.

Burckhardt, J., Briefe. An Preen über Constantin Frantz, 17. März 1872

Nichts ist so schwer wie die Geradheit, und nichts so leicht wie die Schmeichelei.

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Ich habe mich wohl schon tausendmal über diese Fähigkeit des Menschen gewundert, das höchste Ideal neben der niedrigsten Gemeinheit in seiner Seele hegen zu können, und beides mit vollkommener Aufrichtigkeit.

Dostojewski, Die Brüder Karamasow, 1878-80

Ein Mann mit einem starken Charakter hat keinen guten Charakter.

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Gesinnung vererben gilt mehr als Gut hinterlassen.

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Schlüpfrige Geister gibt es genug, schmähsüchtige oder satirische in noch größerer Zahl, die feinsinnigen sind selten.

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Ein edler Kern in rauher Schale ist millionenmal besser, als ein zerfressener Kern in feiner Schale.

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Man beachte, daß die Menschen, die keinen Gesichtsausdruck haben – und deren gibt es gar viele – ebensowenig haben, was man Charakter nennt.

Casanova, Die Erinnerungen des Giacomo Casanova (Histoire de ma vie, 1793-98), übersetzt von Heinrich Conrad, 6 Bde., 1911. 1. Band, Vorrede