Charakter Sprüche – zeit

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Fremde Tracht Alamode-Kleider, Alamode-Sinnen; Wie sichs wandelt aussen, wandelt sichs auch innen.

Logau, Sämmtliche Sinngedichte, 1872 (EA: 1654). Originaltext

Sieh, auf dem Pfuhl wie schwimmt das zarte Lotosblatt! So bleibt der Reine rein auch an unreiner Statt.

Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Fünftes Bruchstück. Zahme Xenien. Vierzeilen

Man prüfe alle Lächerlichkeiten, und man wird fast keine finden, die nicht auf eine törichte Eitelkeit zurückginge oder auf eine Leidenschaft, die uns blind macht für unsere Grenzen; lächerlich erscheint der Mensch, der seinen Charakter und seine Kräfte überschreitet.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Ich kann die Bewegungen der Himmelskörper berechnen, aber nicht die Verrücktheit der Menschen.

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Wie es unbeständige Seelen gibt, in denen bald die eine, bald die andere Leidenschaft herrscht, begegnet man auch manchem schwankenden Geist, der keine feste Grundlage finden und, von allen Meinungen fortgerissen, keine Entscheidung treffen kann.

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Was einer wert ist, das widerfährt ihm.

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Gradheit ist 'ne Törin, Die das verfehlt, wonach sie strebt.

Shakespeare, Othello, Erstdruck 1622

Am Jüngsten Tag wird offenbar, wer hier ein guter Pilgrim war.

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Ehe der Körper eines großen Mannes Asche ist, kann man selten mit einiger Richtigkeit über seinen Charakter urteilen.

Seume, Apokryphen, 1806/07; erster vollständiger Druck in: Prosaische und poetische Werke, Berlin 1869

Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist, Der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter; Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.

Goethe, Hermann und Dorothea. Versepos, 1797. Urania. Aussicht. Hermann zu Dorothea

Nur das Klima vertauscht, nicht den Sinn, wer über das Meer fährt.

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Wir sind hier, um zu werden, nicht, um zu sein.

Sailer (Hg.), Die Weisheit auf der Gasse, oder Sinn und Geist deutscher Sprichwörter, 1810

Und wenn mich am Tag die Ferne Blauer Berge sehnlich zieht Nachts das Übermaß der Sterne Prächtig mir zu Häupten glüht: Alle Tag' und alle Nächte Rühm ich so des Menschen Los; Denkt er ewig sich ins Rechte, Ist er ewig schön und groß.

Goethe, J. W., Gedichte. Goethe's sämmtliche Werke, Tétot Frères, Paris 1836

Es ist ein alter Spruch: das beste Leichentuch Ist Redlichkeit, sie würzt den Tod mit Wohlgeruch.

Rückert, Gedichte. Die Weisheit des Brahmanen, 1836-1839

Den Ehrlosen siehst du sich mit den Angelegenheiten seines Nachbars beschäftigen.

Socin (Hg.), Arabische Sprichwörter und Redensarten, 1878

Der eine kann das Unglück nicht, Der andre nicht das Glück verdauen. Durch Männerhaß verdirbt der eine, Der andre durch die Gunst der Frauen.

Heine, H., Gedichte. Nachlese. Zeitgedichte. Aus: Simplicissimus I.

Denn, Knabe, wie wir uns auch preisen mögen, Sind uns're Neigungen doch wankelmüthiger, Unsicherer, schwanken leichter her und hin, Als die der Frau'n.

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Kleinlichkeit ist das Zeichen unserer Tage. Nicht auf den Geist, nicht auf das Innere, Große, Ideale wird geschaut, sondern auf den Buchstaben, auf Wissensanhäufung.

Bülow (Hg.), Friedrich Lienhard. Der Mensch und das Werk. Mit vielen ungedruckten und seltenen Proben seiner Dichtung, 1923

Überall in der Menschenwelt ist das Schöne mit dem Hässlichen gemischt, und jeder trägt seinen Thersites an sich und in sich.

Fischer, Über die Entstehung und die Entwicklungsformen des Witzes. Zwei Vorträge gehalten in der Rose zu Jena im Februar 1871, Heidelberg 1871

Ein- und dieselbe Daseinsstufe gibt nur einen Augenblick vollkommenen Glückes; aber die Wesensart des leidenschaftlichen Menschen wechselt zehnmal am Tage.

Stendhal, Über die Liebe (De l'Amour), 1822

Wie oft möchte man nicht im Leben die Worte des Dichters: "Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht – !" mit Hervorhebung des drittletzten Wortesderwiederholen!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868