Charakter Sprüche – zeit

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Über Nacht, über Nacht kommt still das Leid, Und du bist erwacht, O traurige Zeit! Du grüßest den dämmernden Morgen Mit Weinen und Sorgen. Über Nacht, über Nacht Kommt das stille Glück, Und du bist erwacht, O selig Geschick! Der düstere Traum ist zerronnen Und Freude gewonnen. Über Nacht, über Nacht Kommt Freud und Leid, Und eh du's gedacht, Verlassen dich beid' Und gehen, dem Herren zu sagen, Wie du sie getragen.

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Er blieb zwar derselbe, aber es stand ihm nicht mehr gut.

Cicero, Gespräche in Tusculum (Tusculanae disputationes), 45 v. Chr

Was uns fehlet, das sehen wir nicht allein an uns, sondern auch an andern.

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Die Bäume beugen sich, wenn Früchte wachsen; Die Wolken hangen, wenn sie frisches Wasser Enthalten, tief herab; die guten Menschen Beweisen auch im Glücke sich nicht stolz.

Kalidasa, Sakuntala. Drama in sieben Akten

Eigen ist's den Menschen, den der fällt, noch ganz zu stürzen.

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Der Charakter der Dinge dieser Welt, namentlich der Menschenwelt, ist nicht sowohl, wie oft gesagt worden, Unvollkommenheit, als vielmehr Verzerrung, im Moralischen, im Intellektuellen, Physischen, in allem.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Zweiter Band. Kapitel 12. Nachträge zur Lehre vom Leiden der Welt

Vergeblich Nicht wirst du erheben, was tief von Natur, Weil du's mit Ehren verbrämt; Schmeichle der niedern Kreatur Und gleich wird sie unverschämt.

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Kein Mensch erklärt die Rätsel der Natur, Kein Mensch setzt einen Schritt nur aus der Spur, Die seine Art ihm vorschrieb, und es bleibt Der größte Meister doch ein Lehrling nur.

Chayyam, Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam), übersetzt von Friedrich Rosen 1909

Es ist doch sonderbar, wie auch der vortrefflichste Mensch schlechte Eigenschaften haben muß, gleich einem stolz segelnden Schiffe, welches Ballast braucht, um zu seiner guten Fahrt gehörig schwer zu sein.

Keller, Das Tagebuch und das Traumbuch, Basel 1942 (posthum). Tagebuch, 15. September 1847

Das ist des Mannes Ehre, Daß er fest im Wechsel bleibt, Und die Wog' im Lebensmeere Nicht von seiner Bahn ihn treibt.

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Nicht die Gunst, sondern vielmehr die Ungunst der Verhältnisse ist der Hammer, welcher den Mann schmiedet.

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Dich adeln konnt' ein Federstrich, Doch edeln kann kein Kaiser dich.

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Es ist bekannt, wie viele verlorene Nadeln sich täglich auf Weg und Steg finden lassen. Im äußersten Gegensatz hierzu würde, gesetzt auch geistige Dinge könnten in solcher Weise verloren gehen, täglich wohl kaum Ein Paar Scheuklappen gefunden werden.

Morgenstern, Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum). 1906

Jeder Mensch wird von seiner Zeit verschwemmt; von allen, die mit ihm leben. Nur auftauchen kann das bißchen Bessere im Charakter.

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Das Dumme ist und bleibt das Krumme und das Niederträchtige das ewig Mächtige.

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Wer nach Lust späht ungezügelt, ohne Maß beim Mahl und träge, Schwach an Kräften: den fällt Mara wie der Sturm das Baumgehege.

Buddha, Dhammapada. Anthologie von Aussprüchen des Buddha; enthält 423 Sprüche ethischen Inhalts, aufgenommen in den Palikanon unter den Kurzen Texten (Khuddaka-Nikaya) wohl auf dem 2. buddhistischen Konzil im Jahr 383 v. Chr. 7. Vers. Übersetzt von Hans Much, 1920

So verhält es sich: wie nämlich nicht jeder Wein, so wird nicht jede Individualität durch das Alter sauer.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übersetzt von Raphael Kühner 1864. Originaltext: Sic se res habet: ut enim non omne vinum, sic non omnis natura vetustate coacescit.

Den Redlichen bewährt ja nur die Zeit, den schlechten Mann enthüllt ein einz'ger Tag.

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Wir sind die Männer einer Übergangszeit, und darin liegt unsere Aufgabe, das auch sein zu wollen.

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Es ist zu verwundern, daß solche [niederträchtigen] Menschen nicht im Gefühl ihrer Nichtswürdigkeit augenblicklich verwesen!

Schwab, Schiller's Leben in drei Büchern, 1840. Über die niederträchtige Tat eines damals in Jena angesehenen Mannes

Auch der Mistkäfer fliegt – aber nur von einem Misthaufen zum andern.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944