Freundschaft Sprüche – liebe

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Reine Seelen sind mehr der Freundschaft fähig, als wenn der Schmutz der Welt sie schon berührt hat; wie Tautropfen auf Blumen leicht in einander fließen, auf der staubigen Heerstraße aber sich abstoßen.

Menzel, Streckverse, 1823

Ich wartete darauf, daß die Freundschaft in mir bis zur Liebe stiege – –. Sie stieg auch zuweilen, – immer höher und höher, – aber nicht in die Liebe hinein, – sie wurde dann zugleich immer dünner und spitzer, – – und eines Tages brach stets die Spitze ab.

Andreas-Salomé, Fenitschka. Eine Ausschweifung, 1898. Originaltext

Dreißig Jahre bei Mann und Frau seien verschiedene Größen, und gut Freund sein und Mann und Frau sein, das sei auch zweierlei.

François, Zu Füßen des Monarchen, 1881. Chamonix, den 31. Juli 1873

Falsch nenn ich den vor aller Welt, Der sich dem Freunde freundlich stellt Und ihn als Feind im Herzen haßt; Das ist ein fürchterlicher Gast. Denn er trägt alle Stunde Den Honig im Munde Mit Gift, das aus dem Stachel quillt, Und wie vom Stich die Beule schwillt, So schafft der gift'ge Neid ergrimmt, Dem Freund, was er auch unternimmt, Nur Schaden, da man sich nicht wahrt, Ihm arglos alles offenbart.

Gottfried von Straßburg, Tristan, um 1210 (Fragment)

Man kann nicht lange die Gefühle, welche man seinen Freunden und seinen Wohltätern schuldet, bewahren, wenn man sich die Freiheit nimmt, oft von ihren Fehlern zu sprechen.

Rochefoucauld, Reflexionen und moralische Sentenzen (Réflexions ou sentences et maximes morales), 1665, endgültige Fassung 1678

Den andern zu seinen Möglichkeiten hin-lieben, das ist wahre Freundschaft.

Merian (Hg.), Der Ruf. 366 Gedanken und Gedichte, Verlag Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1923

Die Intensität der Freundschaft steht immer im Verhältnis dazu, wie sehr sich die Menschen gegenseitig brauchen.

Helvetius, Vom Geist (De l'esprit), 1758, sein Hauptwerk, wurde als staats- und religionsgefährdend öffentlich verbrannt; neue Ausgabe 1843. Discours III. Chapitre XIV, De l'amitié. Übers. Internet

Durch Zusammensein mit lieben Freunden wird oft ein ganzes Heer von Erinnerungen wach.

Baer, Jahresgedanken einer Frau, 1921

Was gibt es Erfreulicheres, als einen neben sich zu haben, mit dem du über alles sprechen darfst, wie mit dir selbst? Wie würde der Genuß bei glücklichen Einfällen so groß sein, wenn du keinen Freund hättest, der sich ebenso darüber freute, wie du selbst? Widerwärtiges aber zu ertragen, würde schwer sein, ohne einen, der es noch schmerzlicher fühlte, wie du selbst.

Cicero, Laelius über die Freundschaft (Laelius de amicitia), 45/44 v. Chr. VI, 22

Freundschaft 

Und nochmals sag' ich: bleibe fein Bei Freundschaft in dem Niedern;
 Der Hohe wird nicht ehrlich seyn, 
Die Liebe nicht erwiedern; Ich fürchte, daß sein Gut und Stand Dich, wie ein Berg, verschütte; Es geht kein mächt'ger Elephant In eine stroherne Hütte.

Eyth, E., Gedichte, 2. vermehrte Ausgabe 1851. Originaltext

Wenn dich einer zum Freunde der Seele begehret, o, so verschmäh' ihn nicht; nimm ihn ans liebende Herz, nimm ihn hin, wie er ist, den Liebenden kannst du erziehen. Strahle das Höhere aus, und du erhöhest den Freund. Weißt du, ob je sich ein Herz mit tieferer Liebe sich öffnet? Ob sich die Freundschaft dir nicht, wo du sie suchest, entzieht? Liebst du mich, lieb' ich dich; nur jenes entscheidet das Bündnis. Unaussprechliches Glück blühet aus diesem Prinzip.

Braunschweig (Hg.), Goldene Garben. Ein Brevier für Frauen und Jungfrauen, hg. von M. von Braunschweig, 1907

Nur uns Armen, die wir wenig oder nichts besitzen, ist es gegönnt, das Glück der Freundschaft in reichem Maße zu genießen. Wir können unsre Geliebten weder durch Gnade erheben, noch durch Gunst befördern, noch durch Gedanken beglücken. Wir haben nichts als uns selbst. Dieses ganze Selbst müssen wir hingeben.

Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/6. 4. Buch, 2. Kap., Wilhelm

Eines Toren Freundschaft ist wie die Umarmung eines Bären.

Hertz (Hg.), Worte der Weisen aus allen Völkern und Zeiten, 1886

Freundschaft mit dem geisteslosen Tropf' Ist ein innen leerer, außen schwarzer Topf.

Peiper (Hg.), Stimmen aus dem Morgenlande, oder: Deutsch-Morgenländische Frucht- und Blumenlese. Eine Sammlung von unbekannten oder noch ungedruckten Schriftstücken Morgenländischer Autoren, hg. von Carl Rudolf Samuel Peiper, 1850

Wer hat diesen Nektar geschaffen, dies einsilbige Wörtchen ›Freund‹, diesen Schützer vor Unfällen, Heiltrank gegen des Kummers Qual?

Benfey (Übers.), Pantschatantra. Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen, 2 Bde., 1859

Wer an den vier Meeren Freunde hat, glaubt überall Orchideenluft zu riechen.

Internet

Ich kenne nichts Wohltuenderes auf der Welt als eine Unterhaltung mit einem Freund über schmerzliche Dinge.

Prudhomme, Intimes Tagebuch und Gedanken

Rücken: Jener Teil eines Freundes, den man betrachten darf, wenn man in Not ist.

Bierce, Des Teufels Wörterbuch (The Cynic's Word Book), 1906 (1909 als »Devil’s Dictionary« in ›Collected Works‹, Vol. 7)

Der Allerweltsfreund kann mir nicht genügen.

Molière, Der Menschenfeind (Le Misanthrope ou l’Atrabilaire amoureux), 1666. 1. Akt, 1. Szene, Alceste

Die unbekannten Freunde Der Dichter wandelt einsam durch das Leben! So ist es und so war's zu allen Zeiten. Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten, Wenn holde Bande sich um and're weben! Doch ein Ersatz ist ihm dafür gegeben: Daß Herzen ihm, in unbekannten Weiten, Entgegen schlagen und wie Harfensaiten Vom Hauche seiner Lieder sanft erbeben. Und wurden solche Freunde dir zu teil, Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden, Die für kein flücht'ges Gut der Erde feil! Zweifach gesegnet ist, der sie gewann! Denn in dem stillen Gruß, den sie ihm senden, Fängt auch bereits die Nachwelt für ihn an!

Paoli, B., Gedichte. Letzte Gedichte von Betty Paoli. Auswahl und Nachlass, Stuttgart 1895. Originaltext

Vor mir liegen deine Zeilen, Sind nicht Worte, Schriften nicht, Pfeile, die verwundend heilen, Freundesaugen, treu und schlicht. Niemals konnte so mich rühren Noch der Liebsten Angesicht, Wenn uns Augen süß verführen, Und die Welt voll Glanz und Licht: Als in Freundesaugen lesen Meiner eignen Seele Wort, Fester Treue männlich Wesen, In Betrübnis Trost und Hort. So verschlingen in Gedanken Sich zwei Stämme wundertreu, Andre dran sich mutig ranken Kron an Krone immer neu. Prächt'ger Wald, wo's kühl zu wohnen, Stille wachsend Baum an Baum, Mit den brüderlichen Kronen Rauschend in dem Himmelsraum!

Eichendorff, J., Gedichte. Ausgabe 1841. Die Freunde