Gedanken Sprüche

Nachdenkliche Sprüche und Gedanken

493 Sprüche in dieser Kategorie

Gedanken sind zollfrei. Aber man hat doch Scherereien.

Kraus, Sprüche und Widersprüche, 4. Auflage 1924 (EA: 1909). IX. Sprüche und Widersprüche

Was du allhie im Geiste bauest oder säest, es sei gleich mit Worten, Werken oder Gedanken, das wird dein ewig Haus sein.

Böhme, Aurora oder Morgenröte im Aufgang, 1612. 18. Kapitel, 44.

Wer in Kamtschatka Gefrorenes feilhält, darf sich nicht wundern, daß sein Geschäft nicht geht. Der Satz läßt sich auch bildlich auf das Geistige anwenden. Die Leute kaufen nur Gedanken, die sie gebrauchen können.

Leixner, Aus meinem Zettelkasten. Sprüche aus dem Leben für das Leben, 1896

Verschiebe nur nicht das Ausspinnen eines Gedankens auf bessere, feinere Stunden! So kommt er dir nicht wieder, wie er im Augenblick des Entstehens da war.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

So fliegt ein großer Gedanke Feurig gen Himmel zu Dem empor, von dem er gedacht ward.

Klopstock, Der Messias, 4 Bde., 1751-73. 4. Gesang

[…] Welchen Sturm gefährlicher Gedanken Weckst du mir in der stillen Brust!

Schiller, Wilhelm Tell, 1802-1804. 1. Akt, 2. Szene, Stauffacher

Wie dem Mädchen, das dem Bade entsteigt, das Gewand anliegt, so sollt' es die Sprache den Gedanken.

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Man liebt zu bemänteln allerorten Schwache Gedanken mit starken Worten.

Heyse, Spruchbüchlein, 1885

Es gibt eine Sprache, die nicht spricht und doch alles sagt –!

Nestroy, Nur keck!, 1855, Uraufführung 1943

Ich muß nun einmal meine Haut zu Marke tragen, meine Haare auf meiner Schädeldecke und keine Perücke. Darum, weil ich muß, will ich auch mein eignes Leben leben. Und sollte ich bis an mein Lebensende zur Miete wohnen, so sollen wenigstens meine Gedanken ein Stück eignen Grund und Bodens unter sich haben, wo sie hausen und einander bestreitend sich heimlich vertragen.

Merian (Hg.), Trotzdem. 366 deutsche Gedanken und Gedichte, Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1926

Wenn ich ehedem in meinem Kopfe nach Gedanken oder Einfällen fischte, so fing ich immer etwas; jetzt kommen die Fische nicht mehr so. Sie fangen an sich auf dem Grunde zu versteinern, und ich muß sie heraushauen. Zuweilen bekomme ich sie auch nur stückweise heraus, wie die Versteinerungen vom Monte Bolca, und flicke daraus etwas zusammen.

Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 33]

Unter allen verschiedenen Ausdrücken, welche einen einzigen unserer Gedanken wiederzugeben vermögen, gibt es nur einen, der der wahrhaft glückliche ist. Wir treffen ihn nicht immer, weder im Sprechen, noch im Schreiben. Nichtsdestoweniger ist er sicher vorhanden, und jeder andere als eben jener ist schwach und genügt nicht einem Menschen von Geist, der sich verständlich machen will.

La Bruyère, Die Charaktere oder Die Sitten im Zeitalter Ludwigs XIV. (Les Caractères de Théophraste, traduits du grec, avec les caractères ou les mœurs de ce siècle), 1688. Übersetzt von Karl Eitner 1870

Der, welcher Gedanken ausspricht, die der Gegenstand seines langen und wiederholten Nachdenkens gewesen sind, bleibt, ohne es zu wollen, dunkel auch für den Gebildeten.

Manzoni, Die Verlobten (I promessi sposi), frühere Fassungen 1821 und 1823; Erstdruck 1825. Vom Autor später unterdrückte Stelle

Ein neuer Gedanke – das ist meist eine uralte Banalität in dem Augenblick, da wir ihre Wahrheit an uns selbst erfahren.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Am Anfang jeder übernommenen Verpflichtung stehe diese: über das Maß seiner Kraft, seiner Ausdauer, seines Opfermutes im klaren zu sein – oder die Übernahme selbst wird zur Schuld.

Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente, 1927

Gedanken sind Äpfel am Baume, Für keinen Bestimmten bestimmt, Und doch gehören sie schließlich Dem einen, der sie nimmt.

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Titus: [...] Gedanken sind zollfrei. Salome: Ah, nein; es gibt Gedanken, für die man den Zoll mit der Herzensruh' bezahlt.

Nestroy, Der Talisman, 1843. 1. Akt, 14. Szene

Die pragmatische Geschichte meines Herzens zerfallt in drei miserable Kapitel: zwecklose Träumereien, abbrennte Versuche und wertlose Triumphe.

Nestroy, Das Mädl aus der Vorstadt oder Ehrlich währt am längsten (literarische Vorlage: La Jolie Fille du Faubourg von Paul de Kock und Charles Varin), 1841

Sobald man einen neuen Gedanken findet, reclamiren ihn gleich Dutzende, die ihn verloren haben wollen.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Jederzeit und womöglich bei jeder Vorstellung mußt du die Lehren der Physik, der Ethik, der Dialektik in Anwendung bringen.

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen (Τὰ εἰς ἑαυτόν), entstanden vermutlich 170-180 n. Chr. 8,13. Übersetzt von Albert Wittstock, 1879

Die besten Gedanken, die wir haben, sind von uns nicht gesucht worden, sondern uns unwillkürlich gekommen.

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